Spitzenwitze

Daß der BRD-Staatsfunk so richtig spitzenwitzig sein kann, stellt er hin und wieder unter Beweis. Im vorliegenden Fall ging es darum, daß der über eine zwangseingezogene „Demokratieabgabe“ finanzierte Staatsfunksender ZDF mehr oder weniger abgehalfterte BRD-Glamoursternchen dafür bezahlt haben soll, daß sie politische Aussagen im Sinne der herrschenden Meinungsdirigenten absondern. Der russische Fernsehsender Kanal 1 berichtete über den Skandal, wir übersetzten ihn sinngemäß und leicht gekürzt. Da wir erst danach feststellten, daß es schon eine Übersetzung gibt (siehe Video), bitten wir um Nachsicht bei Abweichungen in den Formulierungen:

Die größten Fernsehsender Deutschlands werden beschuldigt, für voreingenommene antirussische Meldungen bezahlt zu haben

Mehrere Kulturschaffende sprachen sich im Fernsehen für die Punkgruppe „Pussy Riot“ aus. Jetzt stellte sich heraus, daß die Unterstützung nicht uneigennützig war.

Am Tag der Urteilsverkündung über die Teilnehmerinnen des Punkgottesdienstes in der Christus-Erlöser-Kirche hat der deutsche Fernsehsender ZDF eine Sendung ausgestrahlt. Im Programm „Aspekte“ wurden 15 Minuten lang Interviews mit fünf Kulturschaffenden mit nur einer polarisierenden Meinung vorgeführt: in Rußland geschähen die schrecklichsten Dinge.

Die Großmutter der deutschen Punkszene, Nina Hagen, vergaß nämlich, daß für derartige „freie Meinungsäußerungen“ laut § 167 des deutschen Strafgesetzbuches bis drei Jahre Haft stehen. Und Schauspielerin Anna Thalbach gab gar eine politische Erklärung über die Abhängigkeit Deutschlands vom russischen Gas ab: „Solange wir so von den Russen abhängig sind, sind wir die Letzten, auf die die Russen hören. Also ich glaube nicht, daß der Deutsche sagen kann: ,Du Russe, das ist nicht in Ordnung, daß Du die drei eingesperrt hast, die haben doch gar nichts gemacht.‘ Die lachen sich kaputt“.

Aber dann verging den Machern dieser Sendung selbst das Grinsen, als die selbe Thalbach in einer anderen Sendung auf dem selben Sender davon erzählte, daß vom Fernsehsender viel Geld dafür bekommen habe, sich über „Pussy Riot“ so auszusprechen.

Der Fernsehsender ZDF reagierte augenblicklich. Das Internet wurde von den Fernsehclips mit der skandalösen Ausgabe der „Aspekte“ gesäubert, formell wegen des Verstoßes gegen Urheberrechte. Dann erfolgte die offizielle Erklärung auf Facebook, daß der Fernsehsender der Schauspielerin kein Geldes gab. Die Vertreter der Anna Talbach versicherten: die Schauspielerin habe einfach Spaß gemacht. Freilich wird an solche Scherze irgendwie nicht geglaubt.

„Der Westen will Rußland als ein Land vorführen, deren Führung die westlichen Werte nicht anerkennt. Mit dem Beispiel ,Pussy Riot‘ konnte man das angeblich gut beweisen gemäß der Devise: ,Die Mädchen und die Mütter haben nichts Schlimmes gemacht und kommen für zwei Jahre ins Gefängnis’“, sagt der Politikwissenschaftler Alexander Rahr.

Die deutsche Zeitschrift „Compact“ führte eine ganze Pressekonferenz mit dem Titel durch: „Pussy Riot. Der Krieg der Massenmedien gegen Russland“. „In Deutschland wird gegenwärtig ein Informationskrieg gegen Rußland geführt, angetrieben von CDU/CSU und den Grünen mit Hilfe loyaler Fernsehsender“, bemerkt der Chefredakteur der Zeitschrift „Compact“, Jürgen Elsässer.

Laut Compact wäre die globale Entfachung des Medienskandals um die Punkgruppe „Pussy Riot“ dem amerikanischen „Fond zur Unterstützung der Demokratie“ (NED) zuzurechnen. Die Spuren führen zur Gruppe „Femen“ und ihren Finanziers. „Der Finanzier der ,Femen‘ und Ideologe von ,Pussy Riot‘ ist ein gewisser Jed Sanden, ein amerikanischer Geschäftsmann, der in die Ukraine übersiedelte und sich intensiv der Massenmedien annahm. Er nahm an der orangenen Revolution in der Ukraine aktiv teil“, sagt Friederike Beck.

Über ,Pussy Riot“ schrieben in Deutschland fast alle Medien. Sogar Theaterstücke wurden darüber aufgeführt. Es entstand der Eindruck, daß die deutsche Gesellschaft in dieser Frage einheitlicher Meinung sei. Dennoch gelang es den deutschen Anhängern von „Pussy Riot“, via Internet lediglich 400 Euro Spendengelder einzusammeln. Diese Zahl ist dermaßen klein, daß sie unwirklich scheint.

Leider gelang es uns nicht, mit den anderen Stars der Sendung „Aspekte“ Kontakt aufzunehmen und ihnen die Frage zu stellen, ob auch sie auch nach jenen Aufnahmen üppige Briefumschläge vom Fernsehsender ZDF bekamen. Doch wenn auch sie mit „ja“ geantwortet hätten, dann hätten das ihre Pressesprecher wahrscheinlich auch sehr seltsamen Humor-Äußerungen zugeschrieben.

Daß es unser Kulturmagazin in die Hauptnachrichten des russischen Fernsehens schafft, kommt nicht alle Tage vor“, flötete eine Staatsfunksprecherin (der Blog eulenfurz hat das übrigens auch geschafft, und zwar ganz ohne „Demokratieabgabe“). „Aber in dieser Woche waren wir Spitzenmeldung, dank eines Spitzenwitzes, den Anna Thalbach gemacht hat.“ Daß die Moderatorin eine derart dümmliche Ausrede vor die Kamera bringen mußte, war sicherlich ein Sieg für die russische Gegenpropaganda.

Spitzenwitzig war auch, um ein aufgeflogenes Beispiel von vielen zu nennen, wie ein investigativer Journalist namens Born in den 1990er Jahren eine ganze Schauspieltruppe in Ku-Klux-Klan-Gewandungen abfilmte, um die dräuende rassistische Gefahr zu dokumentieren. Üblicherweise aber läuft die Propaganda subtiler ab, und das Einfangen vermeintlich einhelliger Bürgermeinungen ist ein beliebtes Stilmittel. Kostenlose Statisten für ebendiese Aufgabe gibt es sicherlich immer noch in ausreichender Anzahl, denen die Befriedigung ihrer Eitelkeit genügt, mit hohlem Gesülze vor einem Millionenpublikum erscheinen zu dürfen. Glamoursternchen für derartiges sollten jedoch ebenfalls kostenlos zur Verfügung stehen, schließlich ist erstens ihr Marktwert nur so hoch, wie über sie gesprochen wird, und zweitens wäre es ein Einfaches, diese Schauspieler und Selbstdarsteller bei Unwilligkeit mittels Medienkampagnen zu disziplinieren.

Es bleibt jedoch zu konstatieren, daß russische Medien noch einiges von westlichen Medien lernen können, vor allem, wie man Massenmeinungen manipuliert sowie zeitnah und massenpsychologisch geschickt (re)agiert. Fragten wir uns bislang immer wieder, warum derartige Medien-„Skandale“, die in der BRD eigentlich gar keinen Skandalwert haben, sondern als symptomatisch für den Staatsfunkbetrieb hingenommen werden, in China, Rußland und sonstwo nicht aufgegriffen werden, so liegt das offenbar daran, daß diese die Äußerungen des Westfernsehens überhaupt nicht mitverfolgen – was allerdings auch nachvollziehbar ist, schließlich sind die „öffentlich-rechtlichen“ Medien der BRD eine fortdauernde Beleidigung des gesunden Menschenverstandes und guten Geschmacks. Andererseits wäre ein derart gefundenes Fressen der westlichen Datenstasi NSA & Co. nicht ein ganzes Jahr lang durch die Lappen gegangen!

Eine Antwort

  1. Würden sich die ausländischen Regierungen, die mit deutschem Menschenrechts – Blabla belästigt werden, zuvor ein wenig mit den innenpolitischen Gegebenheiten Deutschlands vertraut machen, die könnten die deutschen Repräsentanten so wirksam abbügeln.

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