Männchenkette

Männchenkette

Ein imposantes „Zeichen gegen Rechtsextremismus und Intoleranz“ stellte am letzten Wochenende eine „Menschenkette gegen rechts“ zwischen Heilbronn und dem Nachbardorf Bietigheim-Bissingen dar. Die Veranstalter kündigten im Vorfeld an:

Am 06.07.2013 will ein breites gesellschaftliches Bündnis aus verschiedensten Organisationen, Gewerkschaften, kirchlichen Arbeitsgemeinschaften, Parteien und Vereinen eine Menschenkette zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen bilden. Dies soll ein deutliches Zeichen für mehr Offenheit, Toleranz und ein gewaltfreies und freundschaftliches Zusammenleben aller Menschen in Baden-Württemberg und der gesamten Bundesrepublik setzen.

Für die Liebhaber nekrophiler Schaurituale wurde ein großes Unterhaltungsprogramm über irgendwelche bösen Anno-dunnemals-Epochen und Gustav-Adolf-Kriegsverbrechen dargeboten, auch sollten „Lieder von Verfolgung und Widerstand“ gesungen werden, die zu Uropas Zeiten vielleicht sogar wirklich eine Widerstandshandlung gewesen wären und zu einer Verfolgung geführt hätten, wenn man sie denn seinerzeit gesungen hätte.

Heuer aber beteiligte sich die ganze Haute volée der politischen Machthaber am so deklarierten „Widerstandsakt“: Baden-Württembergs „Innenminister Reinhold Gall (SPD), der Bundestagsabgeordnete Josip Juratovic (SPD), der Landtagsabgeordnete Rainer Hinderer (SPD) und Bürgermeister Harry Mergel (SPD), … einige Mitglieder der Landesregierung, unter ihnen Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) und Verkehrsminister Winfried Hermann“.

Trotz dieses Aufmarsches von Landesfürsten und ihrem in allen politischen Systemen stets treu ergebenen Gefolge aus Pfaffen, Lehrern, Verwaltungsbeamten & Co. reichte die Masse nicht, um eine geschlossene Abwehrfront gegen die dräuende Nazischimäre zu errichten. Statt der erwarteten 15.000 Mensch_innen kam nur ein Drittel, „aufgrund mangelnder Beteiligung kam es nur vereinzelt zu kürzeren Menschenketten.“ Zum Glück hatte der Veranstalter noch einige Kilometer Absperrband im Koffer, und so konnten die Fehlstellen überbrückt werden.

Die nächste Menschenkette soll laut Veranstalter unter dem Motto „So Kinder, nun faßt euch wieder alle an!“ lediglich um den Heilbronner Innenstadtkern gelegt werden, um die Führerbunker der Ratsherr_innen vor der rechten Gefahr zu schützen; ein Wall wohlgenährter Leiber gegen die braune Flut, ein Speckgürtel sozusagen, welcher dann in keinem Fall löchrig wie ein Schweizer Käse sein darf!

Screenshot oben: Keine antirassistisch-gendergerechte Darstellung von „Menschen gegen rechts“, welche auch Schwul_innen und PoCrikanische Messerwerfer berücksichtigt: die Männchenkette.

5 Antworten

  1. Bemerkenswert noch ist, daß zu einer Veranstaltung, die auch von der bislang vom Landesverfassungsschutz unter „Linksextremismus“ beobachteten VVN-BdA unterstützt wird, der neue Landesinnenminister erscheint.

    Wenn das mal nicht symbolisiert, daß die Beobachtung des VVN-BdA mit Beginn der rotgrünen Ägidie beendet wird – nicht unbedingt, weil sich am Verein etwas geändert hat, sondern weil sich die Prämissen der Beobachter und Feinderklärer geändert haben. So flexibel kann „Verfassung“ und „Verfassungsfeindlichkeit“ sein!

  2. Wenn es aktuell kein Nazi – Massaker unter friedlichen Migranten gibt, ist es schwer, die Menschen in Ketten zu legen.

  3. Gegen Rechts? Ja, aber gegen was und wen genau? War wenigstens ein Rechter da?

    • Braucht’s denn dafür einen Anlaß oder überhaupt Rechte, um „gegen Rechts“ zu sein? Das ist doch eher ein Bekenntnis und religiöses Ritual. Gegen den bösen Wolf ist schließlich auch jeder, ohne ihm direkt ins Angesicht blicken zu wollen, da genügt doch auch jedem Fürchtegott das Studium der Märchenbücher.

  4. […] soll sich Pro Heilbronn beteiligt haben. Das berichtet zumindest die Enthüllungsblattform Eulenfurz. Vom “Runden Tisch DGF” war keiner dabei, deshalb genießen wir das alles mit großer […]

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