Braune Flut

Bikini 1964

Das Freibadblog Die Anmerkung hat ihn aufgespürt: Den Artikel „Die braune Flut“ aus dem Hochglanzmagazin des linksliberalen Bildungsbürgertums, dem „Spiegel“. Wie erwartet, geht es darin nicht um Wasserpegel oder Polderflächen, sondern um braune Menschen, welche das Land überfluten. Vor fast fünfzig Jahren teilte das Flaggschiff des BRD-Journalismus mit:

Den Pariserinnen wird das Plätschern vergällt. Wo ein vereinzelter Bikini im Frei-Bassin paddelt, ist er bald von bräunlichen Schwimmern eingekreist und angetaucht. Zehn, zwanzig Algerier-Hände zerren an den Verschlüssen des Badekostüms und rauben der Trägerin das Textil. Vor allem am Wochenende beherrschen die souverän gewordenen Nordafrikaner die Pariser Bassins, das auf Seine-Pontons schwimmende Feudal-Bad Deligny ebenso wie das Vorstadt-Becken von Puteaux.

Nun, ist das denn nicht schön, wenn sich die Asylsuchenden Freiräume schaffen ohne Waffen? Es gibt da nur ein kleines Manko: Wo sich der Eine Freiräume erkämpft, muß der Andere weichen, wo sich die Einen sauwohl fühlen, fühlen sich die Anderen beengt und „aus den Schwimmbecken ihrer Hauptstadt gedrängt“:

Folge: Die Bademädchen meiden die Wässer an solchen Tagen, ihr männlicher Anhang bleibt fern. Energische Bademeister, die gegen die Freibeuter einzuschreiten wagen, werden nach Dienstschluß auf dem Trockenen von feindseligen Rotten bedroht.

Vor 50 Jahren schon konstatierte Der Spiegel, daß „der Strom ständig anschwoll“. Lebten 1956 noch 300 000 Algerier in Frankreich, waren es acht Jahre später schon doppelt so viele. Fünf Prozent von ihnen – das war damals noch eine Menge – lebten von der französischen Sozialversicherung. „Ein Teil der Einwanderer importierte überdies die Gewohnheiten ihrer sanitär unterentwickelten Heimat samt den dort in Blüte stehenden Gebrechen – Tuberkulose und Geschlechtskrankheiten – nach Frankreich.

In der Hauptstadt Paris machten die 200 000 Algerier im Jahr 1963 „zwar nur drei Prozent der hauptstädtischen Bevölkerung aus“ – unglaublich niedrige Werte, die heute nicht einmal mehr Dresden oder Jena aufweisen – sie verübten jedoch bereits 32 Prozent der Morde. Die Pariser Polizei schien allerdings machtlos „gegen die Kriminalität der Braunen“.

Der im Spiegel geäußerte Ausblick auf die braune Zukunft ließ 1964 lediglich die fiesesten Pessimisten erahnen, daß wenige Jahrzehnte später in Pariser Hochhaussiedlungen Neger und Nordafrikaner wochenlang für bürgerkriegsähnliche Zustände sorgen werden:

In den hauptstädtischen Schwimmwassern werden die Braunen sich weiterhin tummeln, um die Baigneusen anzutauchen und abzutasten. Der für Muselmanen ungewohnte Anblick knapper Bikinis läßt die Schwimmer Freuden ahnen, die sie sonst schwer finden.

3 Antworten

  1. Sehr tendenziös und rassistisch. Was man hier lesen muß. Und das vor 50 Jahren! Können wir nur hoffen, daß der SPIEGEL inzwischen gelernt hat.

    • Nachdem die Aufarbeitung der postfaschistischen BRD-Ämter der 1950er fast abgeschlossen ist, muß demnächst noch der revanchistisch-militaristische Journalismus der 1960er aufgearbeitet werden. Was Ulbricht und Genossen schon immer gepredigt haben, vollführen ihre Enkel endlich.

  2. Da denkt man unweigerlich an das Freibad Sebnitz und die 50 Paar Schnürstiefel, welche zusammen mit ihren Bomberjacken ein irakisches Kind ertränkt haben sollen. So wandeln sich die Bilder von braunen Fluten. Da hat man wohl irgendwann zwischen 1964 und 2013 gemerkt, dass man die bedrückte Masse besser von Realitäten, die man selbst verursacht hat, hin zu Phantomen ablenken sollte.

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