Emanzipation

Emanzipation

Martin Lichtmesz sezierte Theodor W. Adornos Schrift „Minima Moralia“ aus dem Jahr 1951 und stieß auf politisch unkorrekte Ansichten. So wird die Unterwerfung des Anderen (bzw. des Eigenen) unter das herrschende Idealbild des Menschen von Adorno als Diskriminierung geortet:

Attestiert man dem Neger, er sei genau wie der Weiße, während er es doch nicht ist, so tut man ihm insgeheim schon wieder Unrecht an. Man demütigt ihn freundschaftlich durch einen Maßstab, hinter dem er unter dem Druck der Systeme notwendig zurückbleiben muß, und dem zu genügen überdies ein fragwürdiges Verdienst wäre.

Sechzig Jahre später attestiert man nicht mehr nur, man zementiert mittels Quotenverordnungen, Neusprechregelungen oder Antirassismusdekreten den Duktus der Gleichschaltung (straf-)rechtlich oder gesellschaftlich. Dies betrifft unter anderem auch die sogenannte Frauengleichstellung. Hierzu deklinierten wir vor einem Jahr:

Frauenfeindlich ist, Frauen in ein Männerkorsett zu zwängen, anstatt ihre genuinen Fahigkeiten zu respektieren und zu würdigen. Wer Frauenquoten in Produktionskolonnen fordert, kämpft nicht für die Würde der Frau, sondern macht sich lediglich zum Handlanger der Frauenausbeutung.

Kinderfeindlich ist, Kinder nicht als wertvollstes Pfand für den Bestand einer Gemeinschaft anzusehen, an dem sich das gesamte Wirtschaftsleben auszurichten hat, sondern aus monetärem Kalkül den Import fertiger Arbeitskräfte für den Sklavenmarkt des Kapitalismus zu propagieren.

BRD-Kanzlerin Merkel forderte unlängst erneut die Generalmobilmachung der Frauen für die Wirtschaft, was auf Grund des „demographischen Wandels“ und damit des Fehlens von Arbeitskräften notwendig wäre. Ziel der Kanzlerin ist die kurzfristige Sicherstellung des systemrelevanten Wirtschaftswachstums; daß die Mobilisierung als solche den bevölkerungspolitischen Niedergang allerdings beschleunigen würde, ist für ihre Agenda ohne Belang.

Angeblich soll mittels Gleichstellungen eine durch traditionelle Rollenmuster bedingte Diskriminierung unterbunden werden. Die Beseitigung der Diskriminierung an sich ist aber augenscheinlich nicht das Ziel des Unterfangens, denn genau die aus traditionellen Gefügen herrührenden Sozialisierungen bzw. Forderungen nach deren Erhalt werden mittels aller zur Verfügung stehender Propagandakanäle diskreditiert und diffamiert. Offenbar geht es vielmehr um die Uniformierung der Menschen im Produktions- und Konsumtionszyklus, um deren befriedende Kollektivierung im Menschenzoo und um die bedigungslose Unterwerfung der Masse unter das Diktat der herrschenden Ideologie. Schon Adorno resümierte vor 60 Jahren: „Der melting pot war eine Einrichtung des losgelassenen Industriekapitalismus.“ Solch ein Schmelztiegel könne nicht demokratisch sein.

Menschen mußten sich im Laufe der Geschichte zum Zwecke ihrer Weiterentwicklung von überkommenen Vorstellungen lösen. Gewiefte Verführer predigen daher auch die Emanzipation als Loslösung des Individuums von allen herkömmlichen sozialen Bindungen als Fortschritt; sie predigen sowohl den Individualismus als auch den Kosmopolitismus. Sie werben mit bunter Reklame, deren Strahlkraft nicht zu unterschätzen ist. Damit gelingt ihnen die Machtergreifung über die Psyche, über das Denken und vermeintlich freie Handeln der Menschen.

Emanzipation kann allerdings nicht bedeuten, den Einflüsterungen der Propaganda zu erliegen. Emanzipiert ist heute, wer sich von dieser befreit und jene sozialen Bindungen fördert und erhält, die sich in der Erosion befinden, weil sie aus Machtkalkül und ökonomischem Interesse abgeschafft werden sollen. Die Überwindung der in unsere Köpfe eingepflanzten herrschenden Ideologie ist ein Prozeß, der Mut und Kraft erfordert!

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