Schauprozeß

Schauprozess

Beim Prozeß gegen die aus 129 Attentätern bestehende Braune Untergrundarmee NSU wird es eng im Gerichtssaal. Tausende von Journalisten aus dem In- und Ausland wollen Anklage, Urteil und Vollstreckung gänsehautnah miterleben. Ein örtlicher Wechsel in die Münchener Allianz-Arena wäre jedoch wegen der eisigen Witterung für Richter, Anwälte, Journalisten und Bayern-München-Fans nicht angenehm, stellte der Betriebsrat der Nebenklage fest. Im nur 50 Personen fassenden Gerichtssaal sei jedoch wegen der „Überbelegung mit Zuschauern, Medienvertretern und Nebenklägern kein Platz mehr für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.“ Diese solle aber via Live-Übertragung aus ihrer Zelle am Verfahren teilhaben dürfen.

Fünf Medienvertreter stellt allein die ARD. Dies sei notwendig, so ein Sprecher, weil auch bei Abordnungen im Außendienst die Behinderten- und Andersbegabtenquote erfüllt werden müsse. So könnten sich die von der ARD entsandten Blinden, Gehörlosen, Fremdsprachigen, Dolmetscher und Gehbehinderten die Arbeit teilen.

Daß sich so viele Medienvertreter den Prozeß anschauen wollen, liegt auch am derzeitigen Nachrichtenmangel, der nicht nur im Winter-, sondern auch im Frühlings-, Herbst- und Sommerloch regelmäßig auftrete. Jahrzehnte alte Animationen zu Dead Snow würden sich zur Unterhaltung der Meinungskonsumenten an verschneiten Ostertagen immer noch besser eignen, als eine chronische Eurokrise, die dubiose Erderwärmung oder alltägliche Migrantengewalt.

Prozeßentscheidende Erkenntnisse vermeldet indes das Nachrichtenportal n-tv: „Neun Opfer waren Kleinunternehmer mit türkischen und griechischen Wurzeln“. Neu ist, daß die Opfer mit Wurzeln gehandelt haben. Bislang ging man davon aus, daß sie Dönerverkäufer waren.

11 Antworten

  1. Man könnte diesen Schauprozeß auch in die Münchner Olympiahalle oder eine andere Halle verlegen und 15 EUR Eintrittsgeld nehmen, für die klamme Müncher Stadtkasse sicher eine willkommene Nebeneinnnahme. Da gibt es auch noch ganz andere Möglichkeiten Show- und Gruseleffekte zu erzielen, wie z.B. Nebelschwaden und dramatische Musik, wenn die Angeklagte in die Halle geführt wird. Das Bühnenbild sollte von der München Staatsoper gestaltet werden und die Plädoyers von Anwälten und Staatsanwälten durch eine effektvolle Beleuchtung ins richtige Licht gerückt werden, um ja keine Langeweile aufkommen zu lassen.

  2. „Beim Prozeß gegen die aus 129 Attentätern bestehende Braune Untergrundarmee NSU“

    Immer wieder interessant, die Metamorphose.
    Ganz am Anfang haben die uns das für den Krampf gegen Rechts übliche Netzwerk-Gequatsche aufgetischt.

    Im Februar 2012 haben die dann ohne Angabe von Gründen auf Zelle umgeschaltet.
    „Der NSU war eine abgeschottete Gruppe ohne Netzwerk und Kontakte in die rechte Szene oder gar zur NPD“
    http://www.berliner-zeitung.de/neonazi-terror/rechter-terrorismus-ermittlungen-zum-nsu-kommen-kaum-voran,11151296,11690544.html

    Und nun haben wir wieder ein Netzwerk. Ein mächtig gewaltiges sogar, mit 129 Mitgliedern.

    Ich begreife wirklich nicht, wie man von diesem Stuss auch nur ein Wort glauben kann.

    • Liegt vielleicht daran, daß zwar kein Mensch – außer einigen Geheimdienst-Spezialeinheiten – vor dem Nov. 2011 etwas von einem „NSU“ wußte, die real untergetauchten Mundlosen aber einen großen Freundeskreis hatten, der seinen abgetauchten „Kameraden“ mit Rat und Tat zur Seite stand. Und schwups, hat man nunmehr auch eine riesige NSU-Unterstützerarmee.

      Das ergibt 129 dumme Gesichter.

    • Dann müßte man fragen, wieso man überhaupt noch diesen K(r)ampf-gegen-Rechts für bare Münze nehmen kann. Oder warum so viele Leute das noch zu tun scheinen. Denn wäre das anders, würde dieser Prozeß des Staates gegen sich selbst, also das Verfahren der GBA gegen die Verfassungsschutzoperation, die nach dem 08.11.11 auf den Namen „NSU“ getauft wurde, niemals stattfinden.

  3. @Karl_Murx
    Dass man diesen Krampf nicht ernst nehmen kann ist ja klar.
    Was mir Sorgen macht ist, dass er ernst genommen wird.
    Dass die ihn ernst nehmen, die dafür bezahlt werden, kann ich ja noch irgendwie verstehen.
    Aber warum sind so viele von dem Wahn befallen, die absolut keinen Vermögens- oder anderen Vorteil davon haben?
    Das macht mir wirklich Angst.

    • @Volker:

      Aber warum sind so viele von dem Wahn befallen, die absolut keinen Vermögens- oder anderen Vorteil davon haben?

      Wenn Du im Bewußtsein aufgewachsen und erzogen worden bist, daß der Sozialismus die überlegene und siegreiche Gesellschaft ist, hast Du logischerweise Probleme mit der Wahrnehmung dessen, was diese sozialistische Gesellschaft wirklich darstellt, selbst wenn Du deren Auswirkungen tagtäglich vor Augen hast. Darum ist das kein unbedingt neues Phänomen.

      Das macht mir wirklich Angst.

      Angst habe ich nicht vor den Betreibern dieses KgR, sondern vor dessen Folgen bzw., daß es uns nicht rechtzeitig gelingt, diesen suizidalen Drang zum Abgrund zu stoppen, in dessen Richtung die Anhänger des KgR unbeirrbar hinsteuern wie die Lemminge. Die machen den Eindruck, als müßte man sie vor sich selbst beschützen, da sie nicht im Entferntesten in der Lage sind, die Folgen ihres Tuns abzuschätzen.

      Aber im April 1989 hat in der damaligen DDR auch nichts darauf hingedeutet, daß wir im März 1990 die erste und letzte freie Volkskammerwahl und am 2. Dezember 1990 die erste gemeinsame deutsche Bundestagwahl haben würden.

  4. NSU-Prozess:
    Beate Zschäpe bietet türkischer Zeitung ihren Sitzplatz an
    München (dpo) – Es ist ein Lichtblick im schwelenden Streit um die Sitzvergabe beim NSU-Prozess am Münchner Oberlandesgericht: Um die Wogen der Empörung zu glätten, hat die Angeklagte Beate Zschäpe nun selbst angeboten, ihren Sitzplatz im Gerichtssaal zugunsten der türkischen Tageszeitung Hiciv zu räumen. Damit wolle sie ein Zeichen setzen, so die Anwälte der 38-Jährigen. Zuvor war es zu hitzigen Diskussionen um den Ausschluss türkischen Medien von dem Mammut-Prozess gekommen.

    „Frau Zschäpe hat sich aus Sorge um die Fairness bei der Platzvergabe schweren Herzens dazu bereit erklärt, dem von ihr mit so viel Spannung erwarteten Prozess fernzubleiben, um wenigstens einem einzelnen türkischen Nachrichtenmedium die Chance zu geben, diesem wichtigen Ereignis beizuwohnen,“ teilte ihr Anwalt-Team am Wochenende mit. „Das ist schließlich eine Frage der Menschlichkeit.“
    Die Anwälte betonten, dass es der Angeklagten keinesfalls leicht gefallen war, ihren Platz zur Verfügung zu stellen. „Frau Zschäpe hätte nur zu gerne an dem Jahrhundertprozess teilgenommen und hat sich bereits sehr darauf gefreut, im Zentrum der Aufmerksamkeit so vieler Menschen zu stehen – gerade nach den einsamen Jahren im Untergrund mit Mundlos, Böhnhart und Paulchen Panther.“

    Hier weiterlesen:

    http://www.der-postillon.com/2013/04/nsu-prozess-beate-zschape-bietet.html

  5. „Neu ist, daß die Opfer mit Wurzeln gehandelt haben. Bislang ging man davon aus, daß sie Dönerverkäufer waren.“

    Angesichts einer beispiellos brutalen Mordserie von deutschen Neonazis an Ausländern ist diese Äußerung von einer massiven Menschenverachtung geprägt, die ich unsäglich und unerträglich finde!

    Alerta Alerta Antifascista!

    • Der Kommentar lag im Spam-Ordner, womöglich wegen der Parole. Offenbar selektiert WordPress.

      Wir haben das nicht geschrieben, daß es Kleinunternehmer mit Wurzeln waren, das war n-tv!

  6. „Angesichts einer beispiellos brutalen Mordserie von deutschen Neonazis an Ausländern“

    Ich bin immer bestrebt, dazuzulernen.
    Heute habe ich gelernt, dass Neonazis (vermutlich meinen Sie Böhnhardt und Mundlos) die besagten Morde begangen haben.
    Vielen Dank für diese Information.

    Noch mehr werde ich Ihnen danken, wenn Sie für diese stramme Behauptung einen Beleg beibringen. Wäre das möglich?
    Für Ihre Bemühungen bereits im Voraus vielen Dank.

  7. „Angesichts einer beispiellos brutalen Mordserie von deutschen Neonazis an Ausländern …“

    Die Tötung durch einen Kopfschuss ist kaltblütig, aber nicht brutal. Brutal ist es bspw., wenn bei den zahlreichen Übergriffe von Türkenhorden auf Deutsche selbst noch auf das am Boden liegende Opfer eingetreten und auf seinem Kopf herumgesprungen wird.
    Auch sind solche Taten keineswegs beispiellos, wie die zahllosen Morde der Kommunisten, wie bspw. die des Massakers von Katyn, zeigen, bei denen die Menschen auch durch Kopfschuss getötet wurden. Und die Juden im von ihnen besetzten Palästina schießen den Palästinensischen Kindern auch vorzugsweise in den Kopf.

    „… ist diese Äußerung von einer massiven Menschenverachtung geprägt, die ich unsäglich und unerträglich finde!“
    Heul‘ doch.

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