Erbrochenes

EUdSSR

Ein Gedicht geht um die Welt, ein poetisches Meisterwerk von dem begnadeten Dichter Max Zimmering, welcher vor einigen Jahren für sein schriftstellerisches Schaffen den Nationalpreis der DDR erhielt. Zu Großväterchen Stalins diesjährigem Geburtstag brachte er als Geschenk ein Gedicht dar, das eindeutig von einem Herzen kam, „drin es glühte“.

Das Bundeszensuramt hatte es mühelos passiert, und so wurde es von den Werktätigen der Kombinate und Produktionsgenossenschaften in das Repertoire sozialistischer Literatur freudig aufgenommen.

Eine Mutter sah ich einen Brotlaib brechen,
und ich hörte sie von Josef Stalin sprechen,
und es kamen aus dem Herzen, drin es glühte,
Worte, ganz erfüllt von stiller, kluger Güte.

Kinder, sagte sie, eins sollt ihr nie vergessen:
Daß wir heute unser Brot in Frieden essen,
daß wir in den Nächten ohne Ängste ruhen,
daß sich wieder füllen unsre leeren Truhen,

daß ihr lernen dürft und spielen könnt und lachen,
ist, weil Josef Stalins weise Augen wachen
und weit über alle Länderfernen blicken
und Vertrauen zu den Unterdrückten schicken,

die sich mutig gegen Tod und Teufel wehren
und auch ihren Kindern eine Lehre lehren:
Daß die Völker nicht in Barbarei versanken,
dafür müssen wir Genossen Stalin danken.

Zwar stand die Frage im Raum, ob die in der ersten Zelte genannte Mutter den Brotlaib im Ganzen oder bereits zerkaut bricht, doch erstaunte es unsere Genossen weitaus mehr, daß – möglicherweise bedingt durch unsauberes Durchschlagpapier – andere Fassungen des Gedichtes in den Betrieben kursierten.

Vom Kombinat für Politplatschquatsch wurde uns folgende Version zugestellt:

Eine Mutter sah ich einen Brotlaib brechen,
und ich hörte sie vom Euro sprechen,
und es kamen aus dem Herzen, drin es glühte,
Worte, ganz erfüllt von stiller, kluger Güte.

Kinder, sagte sie, eins sollt ihr nie vergessen:
Daß wir heute unser Brot in Frieden essen,
daß wir in den Nächten ohne Ängste ruhen,
daß sich wieder füllen unsre leeren Truhen,

daß ihr lernen dürft und spielen könnt und lachen,
ist, weil Brüssels weise Augen wachen
und weit über alle Länderfernen blicken
und Vertrauen zu den Unterdrückten schicken,

die sich mutig gegen Tod und Teufel wehren
und auch ihren Kindern eine Lehre lehren:
Daß die Völker nicht in Barbarei versanken,
dafür müssen wir dem Euro danken.

Bei der PGH Eulenfurz kursierte eine andere Variante:

Eine Mutter sah ich Fast-Food-Essen brechen,
und ich hörte sie von Übelkeiten sprechen,
und es kamen aus dem Magen, drinnen es rumorte,
speiende Stöße bis an jede Pforte.

Kinder, sagte sie, eines sollt ihr nie vergessen:
Daß wir heute Pferdefleischlasagne essen,
daß wir in den Nächten wohlgesättigt ruhen,
daß wir falsche Bio-Eier sammeln in den Truhen,

daß ihr Gameboy spielen könnt und lachen,
ist, weil Frollein Merkels weise Augen wachen
und weit bis zum Hindukusche blicken
und Vertrauen zu den Untertanen schicken,

die sich mutig gegen Kotzgebrechen wehren
und auch den Migranten eine reine Lehre lehren:
Daß die Deutschen nicht in Barbarei versanken,
dafür müssen wir Genossin Merkel danken.

Vom LPG-Vorsitzenden Friederich wurde uns hingegen folgender Text zugesandt:

Sahra Wagenknecht sah ihren Hummer ich erbrechen,
und ich hörte sie vom Kommunismus sprechen,
als die Stromsparlampe still verglühte,
gelb im Hain der Biodiesel blühte.

Kinder zu gebär’n hat sie vergessen
zuviel Kaviar hat sie gefressen
will sie weiter fern der Arbeit ruhen
muß dem Bourgeois sie an die Truhen.

Kann sie weiter lernen, spielen, lachen,
sollen andere sich doch Gedanken machen,
und ihr pünktlich Biohummer schicken,
währenddes kann sie den Oskar … … pflegen,

der sich mutig noch des Tods erwehrt,
nebenher Genoß’ und Freund das Fürchten lehrt.
Stalin, Ulbricht und Chavez sind tot.
Aber über allem weht das Banner hummerrot.

Dies zeigt doch, daß nicht nur die hohe Kunst der Poesei von den Arbeitern und Bauern gepflegt wird, sondern daß auch die Kritik am kapitalistischen Klassenfeind – mag er auch eine rote Mütze aufhaben – den Grundtenor unseres sozialistischen Kollektivs ausmacht.

Ins literarische Volkseigentum gehen die drei Werke zweifelsohne ein, doch fragen wir unsere Leser, welches davon des noch zu initiierenden Max-Zimmering-Preises würdig wäre?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: