Soziale Unwörter

Wo man Bücher verbrennt

Die Nationale Armutskonferenz (nak) setzt sich seit Jahren engagiert für sprachliche Armut ein und möchte angesichts des in der BRD-Bevölkerung konstatierten IQ-Rückgangs von 102 auf 97 (innerhalb der letzten zehn Jahre) an der Installation einer behindertengerechten Sprache arbeiten. Dafür haben die Armutskonförderierten eine Liste verbotener Begriffe veröffentlicht, welche ihnen von Mitgliedern ihrer Betroffenheitsinitiativen zugesendet wurden. Unter den 23 Unworten befinden sich äußerst gefährliche Begriffe, wie etwa „Alleinerziehend“, „Arbeitslos“, „Missbrauch“ oder „Wirtschaftsflüchtlinge“.

Auch der Begriff „Illegale“ sei illegal, schließlich müsse man als Begründung „tatsächlich nur die Losung entgegenhalten: ,Kein Mensch ist illegal’“. Das ist nachvollziehbar, denn bspw. in das Büro der nak, Blücherstr. 62/63, 10961 Berlin, einbrechende Diebe können niemals illegal sein. Ebenso seien „Flüchtlingsfrauen“ vollkommen „überflüssig“. Nicht etwa, weil sie sich aus Angst vor politischer Verfolgung durch dunkle Tyrannen in ihre Röcke gepullert hätten, sondern „weil das Wort Flüchtlinge beide Geschlechter umfasst“. Zudem sei es „ähnlich diskriminierend wie Arztgattin“ oder LehrerIn oder Bürger_in.

Allerdings sind die Sprachbereiniger der Geistigen Armutskonferenz nicht ganz auf dem neuesten Stand. So wurde beim letzten Refugee Camp beschlossen, daß die negativ konnotierten „Flüchtlinge“ durch den pcdt. Sammelbegriff „Geflüchteten/Refugees/PoC/Roma/Migrant*innen/…“ zu ersetzen seien.

Der Berliner Linguist Viktor Klempner hatte in seinem umfangreichen Werk „Sprache der letzten Republik (SLR)“ vorgeschlagen, den halben Duden auf den Index zu setzen, um nach Jahrtausenden dunkler deutscher Geschichte nun endlich eine herrschaftsfreie Sprache zu designen. So seien selbst im Rahmen des Critical Whiteness geäußerte Sätze wie „Ich bin eine nicht unterdrückt geborene, Bafög-beziehende, frauisierte Weiße und mein Wissen basiert auf dem Wissen von PoCs“ kritisch, weil Begriffe wie „Unterdrückung“, „Bafög“, „Frau“, „Weiß“ und „Wissen“ andere Menschen deklassieren können.

Daß sich auch PoCker dieser SLR zu befleißigen haben, ist dabei naheliegend. So wurde bspw. ein aus Nigeria stammender Negerianer beim Abschlußplenum des „Voice Refugee Forum“, als er „von Opfern des Rassismus“ sprach, von einer „herrschaftssensiblen Weißenangeherrscht, daß diese Floskel lediglich in der Form „negativ von Rassismus Betroffene“ zu äußern sei.

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5 Antworten

  1. […] Quelle und weiterlesen: Eulenfurz […]

  2. Wir verweisen in diesem Zusammenhang gern auf das Lexikon SOS der gefährlichen Worte in der deuschen Sprache. http://rundertischdgf.wordpress.com/2012/12/07/deutschlands-probleme-negerkuss-oder-mohrenkopf/

  3. >>daß es gefälligst „negativ von Rassismus Betroffene“ zu heißen habe.<<

    Wobei alle kritischen Weiß*innen darauf achten sollten, dass „negativ“ nicht wie „negertief“ klingt.

  4. Im Grunde genommen, möchte man das gar nicht kommentieren, um das grassierende Deppentum nicht noch aufzuwerten.

    • Interessant ist, daß die gerade noch mit dem Leben davongekommenen Flüchtlingsfrauen offenbar keine anderen Sorgen haben, als sich in ihrem Gastland durch dort gewöhnliche Begriffe beleidigt zu fühlen.

      Vielleicht aber dienen diese inoffziösen Spracherziehungsmaßnahmen auch der Konditionierung der Gefolgschaft.

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