Merda d`Artista

Künstlerscheisse

Die Wikipedia-Definition des Kitsches, welche man sich antun kann, wenn dieses, zu einem Begriff verdichtete, vernichtende Urteil gefällt wird, ist aufschlußreich in der Hinsicht, daß dort ausschließlich die Perspektive der Hedonisten und Defaitisten dargestellt wird.

Es mag sicherlich schwierig sein, über 100 Jahre nach der großen Kulturblüte Europas, in Zeiten von Fotografie und Computeranimationen, bei Hollywood-gesättigten Konsumenten in der gegenständlichen Kunst noch Originalität zu erreichen. Die Dekonstruktivisten verfolgen zwanghaft diese immer wieder neue, individuelle „Originalität“ ihrer Darstellungen und Installationen.

Die Kommunikationssoziologin Elena Esposito, welche sich mit Modetheorie beschäftigt, stellt fest, daß „die Neuheit als solche immer neu werden muss, weil sie sich selbst verbraucht, gerade in dem Moment, wo etwas als neu dargestellt wird, wird es sofort alt. Das produziert eine weitere Paradoxie, ab einem gewissen Punkt ist die Suche nach Neuheit alt. Die Suche nach Überraschung überrascht nicht mehr, weil man gerade das erwartet. Und die Mode muss nach Wegen suchen, dieses Problem zu lösen. Und dann bietet es sich an, nicht nach Schönheit zu suchen, sondern eben nach dem Hässlichen.

Kunst ist zur Mode geworden, das war sie aber nicht immer. Man könnte an dieser Stelle langatmige Analysen verfassen, warum die handwerkliche Kunst in einer industriellen Massenkultur zwangsläufig in die Ecke eines „Kitsches“ gerückt wird, beziehungsweise, warum eine Grenzziehung schwer fallen muß. Was erwartet man von Kunst und welche Gunst kann man ihr selbst erweisen?

Kurt Glaser konstatierte im Jahr 1920 im Almanach des Verlags Bruno Cassirer: „Es ist so leicht, an eine Banalität zu glauben, und es ist so schwer, Kunst zu sehen, es ist so leicht, sich als Anhänger des sauren Kitsches mit revolutionärer Gebärde in die Brust zu werfen und über alles, was süß schmeckt, das Urteil zu sprechen, so schwer, die Qualität zu erkennen, die nicht nach süß und sauer zu beurteilen ist.

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5 Antworten

  1. Es heißt ja nicht umsonst, daß Kunst von Können kommt. Also von der Fähigkeit, etwas richtig gut zu machen, meisterhaft. Schöne Werke im unteren Artikel.

    • Der ganze Spruch lautet: „Kunst kommt von Können; käme es von Wollen, hieße es Wulst!

      Es ist aber nicht verkehrt, auch das Wollen des Künstlers zu betrachten, um zu einer Gesamteinschätzung zu gelangen. Beides, sowohl das Handwerkliche, als auch das Ziel, das der Kunstschaffende verfolgt, sollten sich dem Betrachter vermitteln.

      • „…auch das Wollen des Künstlers…“

        …besteht – jedenfalls bei sog. „moderner Kunst“ (Beispiel etwa Fettecken und angenagelte Leberwürste) – ganz offensichtlich darin, schlicht Geld zu erhalten. Von Leuten, die jeden künstlich aufgeschütteten Misthaufen als Kunst betrachten (können).

        Gäbe es nicht ein Publikum, welches in überbordender Intellektualität jeden Pubs zur Kunst erklärte, würde mancher
        Kulturbetrieb zusammenbrechen.

        • Ganz so pauschal ist das sicherlich auch nicht richtig. Es gibt viele „moderne Künstler“, die glauben ernsthaft an ihre Kunst, und daß es solche sei. Sie haben eben auch eine „moderne“ Kunstdefinition antrainiert bekommen.

          Und natürlich, so sagt sich der moderne Künstler, nur mit „echter Kunst“ bekommt man auch richtig Geld und findet seine, mediale Sprachrohre besetzenden, wohlgesonnenen Kritiker. Und weil vor allem mit Absurdität, Oszönität, Provokation und Perversion das große Geld zu machen und Kritiker-Lob einzuheimsen ist, käme ein karrierebewußter Künstler nie auf die Idee, etwas zu fertigen, dem auch nur der geringste Ruch des „Kitsches“ anhaften könnte.

          So ist es wohl vor allem die Kritikerzunft bzw. die veröffentlichte Meinung, welche all jene, die sich als Künstler befähigt sehen (aber auch das Kunst suchende Publikum), nach ihrer Pfeife tanzen läßt.

          Womit sich auch die ganze Erbärmlichkeit jener zeitigt, welche der Mode und dem Zeitgeist hinterherhecheln – sie würden auch ganz anderen Moden nachlaufen, dressierte man ihnen diese nur an!

  2. In Wikipedia sei die „Perspektive der Hedonisten und Defaitisten“ zu finden, zu dem, was Kitsch ist oder sei.
    Müßig ist es sicher, vor dem Umkehrschluss warnen, dass alles, was im Sujet nicht als Kitsch gesehen werden mag, gleich Kunst ist.
    Es kann jedem leicht widerfahren, dass seine Sicht von dem, was er als Kunst meint, als „elitär“, „reaktionär“, simpel, ignorant und wie auch immer bezeichnet wird. Da gilt das banale Wort, dass sich über Geschmack einfach nicht streiten läßt.
    Das, was man als Zeitgeist bezeichnet, das zivilisatorisch (nicht kulturell) erreichte und wahrgenommene mittlere Maß, gebieten die Urteile über das, was man als „wert“ ansieht. Die Leute, welche dies definieren, sitzen in den Redaktionsstuben, den geisteswissenschaftlichen Instituten der Universitäten, Akademien und Stiftungen. Und, wie sie nicht erst seit 1968 dorthin gelangt sind, muss hier nicht unbedingt erörtert werden.
    Zur Adelung von Schrott- und Dreckkultur trug das Feuilleton bürgerlicher Zeitungen nicht unwesentlich bei, ob FAZ, Zeit oder Welt etc.
 Da dürfen sich Kunsthistoriker, Soziologen, Donaldisten oder sonstige Geistesgiganten aus einem akademischen Prekariat als Redakteure auch zu Kunstsachverständigen aufblasen.
 In puncto Kunst wird allenthalben die „normative Kraft des Quasulatorischen“ gepflegt – wie von Lehrmeistern wie Habermas vorgegeben.

    Michael Klonovsky meint:
    „Seit ihre Hervorbringung keine mehr erfordert, nennt man die Kunstwerke „Arbeiten“.
 Es fragt sich, warum die moderne bildende Kunst immer noch in den Feuilletons der Zeitungen behandelt wird und nicht gleich im Wirtschaftsteil.“

    Und Ephraim Kishon:
    “Die moderne Kunst ist ein Welt-Bluff, die größte Betrügerei, die es je gab. Ein Jahrhundert lang dauert’s schon, und niemand sagt ein Wort – wagt ein Wort zu sagen -, weil der ist sofort von der Kunstmafia in den Massenmedien erledigt.

    Das zum entscheidendsten Aspekt „moderner Kunst“.

    http://altmod.de/?p=290

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