Gefahr!

Was sind sie nun? Die neuen Machthaber oder geborene Verlierer, Clanchefs oder geschundene Kreaturen, hippige Jugendliche oder Ewiggestrige? Ein Reinhard Mohr analysiert in der Zeitung WELT die „Macht der neuen Nazis“ und den Typus des Nazi-Untermenschen: Gleichzeitig dumm und abgrundtief abstoßend wie mächtig und anziehend. Ein pornografisch-lüsternes Substrat über braune Brunnenvergifter und faschistische Mädchenverführer.

Es ist gut, daß diese Fragen auch in den vielen von der WELT beworbenen Büchern á la „Rechter Terror“, „Die Zelle“ oder „Neue Nazis“ gestellt werden. War das Thema bis vor einem Jahr für das Publikum zum Gähnen langweilig und mußte selbst Anti-Nazi-Literat Toralf Staud mangels Nachfrage schon Bücher über sich und das Wetter schreiben („Wir Klimaretter“), so kamen die mysteriösen Dönermorde genau zum richtigen Zeitpunkt. Der Absatz boomte, hysterisierte Kreise deckten sich mit Alarmismus-Literatur über die neuen Menschenschinder ein und die Klimarettung wurde vorübergehend auf Eis gelegt.

Auch wir wollen schon seit Monaten von unseren Lesern wissen, welche Person oder welche Truppe als die Gefährlichste empfunden wird (Wahlurne auf der rechten Bildleiste). Das Ergebnis ist beeindruckend: unangefochten ist für 77 % der Wähler die Bundesregierung die gefährlichste Gruppierung, weit abgeschlagen folgt ein Mittelfeld mit dem schlangenbestickten Mannichlmörder, dem rosaroten Paulchen Panther, der Wackelfilm-Terrortruppe Al Quaida und dem dauerpenetranten Doku-Moderator Adolf Hitler. Erst im Feld der Bummelanten trotteln die RAF und der NSU. Der rechte Terror trägt also trotz der vielen Bücher, Filme und Nachrichten über das braune Schreckgespenst in puncto Gefährlichkeit die rote Laterne. Kein Wunder, hatte die NSU-Terrorbrigade die Bekanntmachung ihrer Schandtaten mittels Bekennerschreiben bis zuletzt tunlichst vermieden, was freilich jetzt durch die Medien intensiv nachgeholt wird.

Wir alle wissen, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, und so bitten wir unsere Leser – bevor wir bei 1000 Stimmen die Wahlurne endgültig schließen – vom demokratischen Stimmrecht Gebrauch zu machen, unserer geliebten Bundesregierung einen Persilschein auszustellen und der medial vermittelten Gefährlichkeit der rechten Gefahr gefälligst auch im eigenen Empfinden Ausdruck zu verleihen.

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2 Antworten

  1. Reblogged this on Gerswind.

  2. Prof. Tim Jackson, über den ich ganz zu Beginn meiner Blog-Zeit schon einmal berichtet habe (in dem nach wie vor fundamentalen Artikel „ Wie unser Wirtschaftssystem die Erde tötet “) hat sich unlängst auch in der ZEIT seine Gedanken gemacht darüber, wie unser Wirtschaften und Konsumieren unsere eigenen Lebensgrundlagen (und nicht zuletzt auch die zukünftiger Generationen) kaputt macht. In „ Wir Unersättlichen “ plädiert er für einen Wohlstand ohne den Zwang zum ewigen Wachstum, welches ja im Grunde primär nötig ist, um dieses Wirtschaftssystem am Laufen zu halten und die allfälligen Schwächen und Probleme zu kaschieren. Ich kann die Lektüre dieses Artikels wieder einmal nur empfehlen, bringt er doch vieles von dem, um das es auch im Konsumpf geht, prägnant auf den Punkt!

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