Schlampenmarsch

Schämt euch, ihr Schlampen!“ [1]
Deniz Yücel

Der Schlamp ist laut Duden lediglich „ein unordentlicher Mensch“ [2], der in seinem weiblichen Vorkommen nicht etwa in die Schlamp_in, sondern recht altmodisch in die Schlampe gegendert wird. Diese sei eine „1. unordentliche, in ihrem Äußeren nachlässige und ungepflegte weibliche Person“ und „2. Frau, deren Lebensführung als unmoralisch angesehen wird“ [2]. Alles in allem keine Attribute, mit denen sich anständige Frauen schmücken möchten.

Mittlerweile gibt es aber auch in Mitteleuropa sogenannte Schlampenmärsche, bei denen Frauen, Männer und alle Verwirrten, die sich zwischen beiden Geschlechtern nicht entscheiden können, für ein „Recht auf sexuelle Selbstbestimmung“ demonstrieren. Das heißt, sie wollen als „(mitteldeutsch und norddeutsch salopp abwertend) Schlunze; (landschaftlich) Schluse, Vettel, Zottel; (landschaftlich abwertend) Lusche, Schlampampe; (landschaftlich umgangssprachlich abwertend) Ruschel; (landschaftlich, besonders süddeutsch) Stranze; (landschaftlich veraltend) Strunze“ [2] durch die Städte schlampieren dürfen, ohne von der überall lauernden Vergewaltigerverschwörung vergewaltigt zu werden.

Nein heißt Nein!“ meinen sie und glauben, darüber mit einem Täter debattieren zu können. Ganz bestimmt werden domestizierte Vergewaltiger angesichts der Ansammlung barbusiger Kampflesb_innen, langbeiniger Dirnen und kurzgeschorener Männer_innen mitsamt ihres Anhanges östrogenisierter Pantoffelpudel fortan von ihrer wüsten Lüsternheit ablassen und sich dem Schlampenmarsch einreihen, um kostenlos „Titten und Ärsche“ von selbsternannten Schlampen beglotzen, aber nicht begrapschen zu dürfen. Denn natürlich überstieg auch in „Dortmund die Zahl der gezückten Fotoapparate die der Demonstranten“. So wird berichtet [3]:

Mit Hut, bis zur Brustwarze entblößtem Busen und Hotpants ist Joelle aus Köln eines der begehrtesten Fotomotive. Sie empört sich, wie sich Fotografen auf sie stürzen und streckt ihnen wie zum Schutz ihr grell grünes Plakat entgegen. “Schweigen ist keine Zustimmung”, steht darauf geschrieben. “Ich demonstriere gegen die Instrumentalisierung des weiblichen Körpers, weil ich nicht darauf reduziert werden will, wie ich rumlaufe”, sagt sie. Das sei der Grund, warum sie beim Schlampenmarsch mitmacht.

Der Schlampenmarsch ist also die beste Gelegenheit für etwas unförmigere Frauen, die es bislang noch nicht auf den Laufsteg geschafft haben, endlich wahrgenommen zu werden, und für Qualitätsmedien, zwischen den fortdauernd drögen und schlechten Nachrichten etwas auflagesteigernden Schweinskram zeigen zu können. Immerhin hat Joelle aus Köln mit der Instrumentalisierung ihres Körpers nun die Aufmerksamkeit, die sie wollte.

……………………………………………..
[1] taz: „Schämt euch, ihr Schlampen!“, 10.07.2011
[2] Duden online, Stand: 22.08.2011
[3] Ruhr Nachrichten: „Aufreizender Protest beim Schlampenmarsch“, 14.08.2011

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3 Antworten

  1. Schon allein “Marsch” geht meines Erachtens nach gar nicht. Gar nicht !
    Das erinnert so an marschieren.Also Autobahn. Geht ja auch nicht.

  2. Schlimm auch die Feinstaubbelastung während des Schlamp_innenmarsches. Sogar Mundschutz muß getragen werden.

  3. Verstösst aber auch ein Stück weit gegen das Vermummungsverbot.
    Das macht ein Stück weit auch betroffen.
    Wenn das das Ordnungsamt oder der ABV sieht – weia .

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