Unerschrocken

Die Heuchelei ist ein privilegiertes Laster, das mit seiner eigenen Hand aller Welt
den Mund verschließt und in Ruhe seine Straflosigkeit genießt.
“ [1]
Molière

Die Auseinandersetzung mit als extremistisch definierten oppositionellen Strukturen ist ein sicherlich nachvollziehbares Anliegen jedes Staatswesens bzw. seiner Administratoren, welche bestehende Strukturen zu erhalten gedenken. Wenn jedoch die Ebene der sachlichen Auseinandersetzung verlassen und auf persönliche Denunziation mit dem Ziel der Stigmatisierung einzelner Menschen umgesattelt wird, sollte das bei allen Demokraten Anlaß zur Kritik sein.

In höchstem Maße skurril war daher die am 25. April 2009 vollzogene Verleihung des Luther-Preises „Das unerschrockene Wort“ inklusive 10.000 Euro Steuergeldern an die im linksextremistischen Milieu verstrickte Journalistin Andrea Röpke durch die Honoratioren der 15 Lutherstädte. Wollte man sich einerseits fragen, warum gerade eine Person, die mit subtiler Polemik, persönlicher Anprangerung und schlechter Recherche ihre Brötchen nicht nur in linksextremistischen Postillen verdient, einen honorablen Preis umgehängt bekommt, so wird die Situation etwas klarer, wenn man sich vor Augen hält, daß dieser Preis nach dem Religionsführer Martin Luther benannt ist. Schließlich warnte dieser bereits im Jahr 1562 vor „rechten Teufeln“, die „unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück“ seien [2]. Eine Tradition, die es zu pflegen gilt, auch für Andrea Röpke, die laut eigener Aussage „mit einer fürchterlichen Verbissenheit gegen Rechts“ arbeitet [3].

Die Oberbürgermeister der 15 Lutherstädte wurden im Vorfeld der Preisverleihung mit stichhaltigen Quellenangaben darauf hingewiesen, daß die blauäugig als „Leuchtturm im braunen Sumpf“ [4] bejubelte Journalistin ihre fulminanten Leuchtsignale auch im extremistischen Milieu funkt, und Verfassungsschutzbehörden darauf aufmerksam machten, daß die Organisition VVN-BdA, in der sie offensichtlich Mitglied war oder ist, „häufig nicht ohne Erfolg, sich als demokratischer Partner zur Aufklärung über Rechtsextremismus anzubieten“ versuche. „Sie vermittelt jedoch Ansichten, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes nicht zu vereinbaren sind, und ist daher in ihrer Gesamtheit als Grundlage für eine demokratische Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus nicht geeignet.“ [5]

Der Oberbürgermeister von Zeitz bedankte sich für die Aufklärung, sah aber seine Hände gebunden:

„Dr. Volkmar Kunze“
22 April 2009 01:58:55
Re: Lutherpreis der Lutherstädte 2009

Sehr geehrte Frau Xxxx,

herzlichen Dank für Ihre Information. Ich bin aber nicht mehr in der Lage, hier irgendwie einzuwirken, weil die Jury bereits vor sechs Monaten entschieden hat. Ihre Informationen sind für mich sehr interessant. Ich hoffe, dass die Preisverleihung am Samstag ohne Zwischenfälle stattfindet.

Freundliche Grüße
Ihr
Volkmar Kunze
Oberbürgermeister in Zeitz ab Donnerstag

Drei Tage später fand die Preisverleihung statt. In einer offiziellen Meldung hieß es daraufhin: „Dr. Volkmar Kunze würdigte Frau Andrea Röpke … als beispielhaftes Verhalten in der Gesellschaft.“ [6] Damit ist der nächste Kandidat für den Preis „Das unerschrockene Wort“ bereits im Rennen.

……………………………………………..
[1] Molière: „Dom Juan ou le Festin de pierre V, 2“, 1665
[2] Doctoris Martini Lutheri: „Der achte und letzte aller Bücher und Schriften des teuren seligen Mans Gottes“, Jena 1562, S. 95
[3] Stattzeitung für Südbaden, Ausgabe 68, 04/2007
[4] Susanne Erbes: „Der Leuchtturm im braunen Sumpf. Von der Preisverleihung für außergewöhnliche Recherchen“, Friedrich-Ebert-Stiftung, 28.11.2007
[5] LfV Baden-Württemberg – Mitteilung: „Geplante Ausstellung der VVN-BdA in Baden-Württemberg“, 01/2007.
[6] Projekt Pflaster-Info-Agentur: „Das unerschrockene Wort- geht an Andrea Röpke“, 02.05.2009

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7 Antworten

  1. Natürlich hätte diese unerschrockene Frau diesen Junker Jörg enttarnt.

  2. Ja, dieser als Christ getarnte Neonazi hätte nur einmal „Epost“ statt „Email“ sagen müssen, dann wäre er seinen Job als Bibelübersetzer los gewesen.

  3. Verdächtig schon seine Bibelübersetzung in deutsche Sprache. Damit hat er sich disqualifiziert.

  4. da wollen wir aber mal feste, feste die däumelein drücken, daß angesicht der brisanz des themas das sie anspricht, nicht demnächst depressionen auftreten und es ihr in einer sms alles zuviel wird.

  5. „seine Bibelübersetzung in deutsche Sprache“
    … noch dazu in Nazi-Schrift

  6. @volker stramm
    Danke für die Veröffentlichung dieser sicherlich streng geheimen Nazi-Korrespondenz. In diesem mit Nazicodierungen versehenen Flugblatt kann der investigative Journalist mehrmals das Wort „Volck“ erkennen. Dagegen muß man verbissen arbeiten: völkische Nationalisten haben in unserer von Mitmenschlichkeit geprägten Christenherde nichts zu suchen! Solche Typen wie Luther wollen mit ihren widerwärtigen Thesen nur in die Mitte der Gesellschaft vorrobben. Aber: gemeinsam gegen Rechts – mein Freund ist Ausländer – wir zeigen Zivilcourage – Nazis raus!

    Dieses Flugblatt gehört auf den Scheiterhaufen! Und diese Faschistenbuchstaben sollten von einer fortschrittlichen Regierung von Amts wegen verboten werden – sowas kann doch kein/e aufgeklärte/r Mensch_in lesen!

  7. Daß das noch keine weiteren Schlagzeilen gemacht hat.

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