Extremitymainstreaming

Das Internetportal netzwerkrecherche führte unlängst ein Interview mit der/m GleichstellungsbeauftragtemN der Bundesregierung, MenschIn Stefan Pingel-Beinlich, über Extremitymainstreaming.

netzwerkrecherche: Guten Tag, Frau Stefan Pingel-Beinlich …

Pingel-Beinlich: Hi, ich möchte von vornherein klarstellen, daß ich nicht als „Frau“ oder „Fräulein“ angesprochen werden möchte, sondern geschlechtsneutral als „MenschIn“. Selbst bei Duzfreunden lege ich Wert darauf, „Stefan—ie“ genannt und „StafanIe“ angeschrieben zu werden.

netzwerkrecherche: Natürlich, Frau MenschIn, wir werden uns bemühen, jeglicher Diskriminierung aus dem Wege zu gehen. Wo wir gleich beim Thema wären: Könnten Sie den Begriff „Extremitymainstreaming“, der auf Wunsch Ihrer Partei demnächst gesetzlich verankert werden soll, näher erläutern? Bedenken Sie dabei bitte, daß Sie hier im Portal von netzwerkrecherche ein besonders kritisches Publikum erwartet.

Pingel-Beinlich: Zunächst: Es gibt kein kritisches Publikum! Auf dem XXVII. Klausurtag der BundesbeauftragtInnen wurde die Gleichheit aller MenschInnen festgelegt. Sie werden sich daran gewöhnen müssen, daß die Diskriminierung jeglicher Art von Publikum geächtet ist und gegebenenfalls auch strafrechtliche Konsequenzen haben kann. Ich weise Sie sowieso noch einmal darauf hin, daß Ihre antimodernistische Großschreibung der SubstantivInnen und die damit verbundene Diskriminierung von VerbInnen und AdjektivInnen der MenschInnenheit unangenehm in die AugInnen gefallen ist.

„Extremitymainstreaming“ umfaßt mehr als nur die Gleichstellung aller menschlichen GliedmaßInnen. Einerseits sollen zukünftig alle MenschInnen nur noch vier GliedmaßInnen besitzen, weshalb den bisher als „Männer“ klassifizierten MenschInnen eine GliedmaßIn zu entfernen wäre. Dies fällt auch in den Bereich des „Gendermainstreaming“.

Andererseits ist die seit Langem anhaltende Unterscheidung in ArmInnen und BeinInnen ein Akt der Diskriminierung eines der beiden GliedmaßInnenpaare. Warum sollen nicht linkeR ArmIn und rechteR BeinIn ein Paar bilden dürfen, warum nicht drei GliedmaßInnen zusammen glücklich werden? Leider haben FüßInnen derzeit nicht die gleichen motorischen Fähigkeiten wie HändInnen, was aber nur eine Frage des sozialen Umfeldes ist. Zunächst erst einmal sollte hier die Gleichheit der GliedmaßInnen vor den LebewesInnen gelten. Ziel wäre also, den MenschInnen wieder das Laufen auf allen vier GliedmaßInnen beizubringen.

Und genau dieser Aspekt ist drittens die Gewähr für die Gleichstellung aller MenschInnen mit den TierInnen, wobei wir leider feststellen mußten, daß einige TierInnen über weitaus mehr GliedmaßInnen verfügen, etwa SpinnInnen. Hier wird man bei einigen TierInnenarten restriktiv eingreifen müssen.

netzwerkrecherche: Aber meinen Sie denn, daß sich diese Art von Gleichstellung ohne den Widerstand von Mensche … äh … Innen wird umsetzen lassen? Denken Sie, daß etwa die Männer … MännerInnen? … also die mit den bisher fünf Gliedmaßen, sich jenes eine freiwillig werden entfernen lassen?

Pingel-Beinlich: Gewiß. Gleichstellung, die Liebe zu allen anderen auf gleicher Augenhöhe, ist ein Grundbedürfnis aller MenschInnen. Um den ExtremistInnen entgegenzutreten, die aggressiv gegen unsere liebokratische Gesellschaft kämpfen, muß mit allen Mitteln vorgegangen werden: mit liebokratischer Bildung, mit finanziellen Fördermitteln oder mit Verboten.

netzwerkrecherche: Sollte man in der Liebokratie wirklich mit Verboten arbeiten?

Pingel-Beinlich: Ihren Einwand habe ich erwartet. Doch rückblickend auf vergangene Zeiten stellt man als aufgeklärteR MenschIn fest, daß Verbote damals etwas Abscheuliches waren, welche die MenschInnen hinsichtlich notwendiger Aufklärung knechteten und unterdrückten. Zum Glück aber leben wir heute im Zeitalter der Vernunft, und da sind Verbote vernünftig, weil sie die MenschInnen vor Unvernunft schützen.

Nehmen wir das Beispiel des rückständigen Sportes „Fußball“. Verständlich, daß immer mehr RechtsextremistInnen dieser Leidenschaft frönen, weil damit die FüßInnen bevorzugt und die HändInnen diskriminiert werden, ja die demokratische Mitbeteiligung der HändInnen wird dort noch regelrecht unterdrückt. Das steht dem Extremitymainstreaming diametral entgegen.

Bei fortschrittlichen Vereinen wird von geschlechtsneutralen MenschInnen auf allen Vieren gelaufen und mit diesen gespielt, wobei als Foul gewertet wird, wenn eine GliedmaßIn bevorzugt oder benachteiligt wird. Es gibt je MENSCHschaft … ja, der Begriff „Mannschaft“ wurde endlich verbannt … jeweils nur noch 11 LinksaußenstürmerInnen, welche sich bei Spielen linksherum im Kreise drehen, um die Unendlichkeit und Uneinholbarkeit des Fortschritts zu repräsentieren.

netzwerkrecherche: Das klingt alles sehr befremdlich, aber plausibel. MenschIn Pingel-Beinlich, wie sind Ihre Zukunftsvisionen für die glückliche MenschInnenheit?

Pingel-Beinlich: Sie leisten sich eine/n FauxpasIn nach der/dem anderen, wir werden Ihre journalistische Akkreditierung überprüfen lassen … Es sei Ihnen in Ihre StammbuchIn geschrieben, daß bereits Ihre FragIn nach einer „glücklichen MenschInnenheit“ impliziert, daß wir alle TierInnen und auch die MaterieInnen und AntimaterieInnen vernachlässigen und damit diskriminieren.

Sie werden Sich daran gewöhnen müssen, daß die WeltIn im Wandel ist. Wir werden es in nicht allzu ferner Zukunft erleben, daß etwa die/der BundeskanzlerIn ein/e EselIn, die/der BundesgesundheitsministerIn ein/e SchweinegrippevirIn oder die/der BundesfinanzministerIn ein/e ElsterIn ist. Die Sprache wird irgendwann global gleichgestellt, dabei auch alle BuchstabInnen. Zum Zwecke der Antidiskriminierung und der Verständlichmachung der geschlechtsneutralen Sprache – Sie merken die Problematik hier bei unserem Gespräch – werden wir uns nur noch mit „u u u u u u“ verständigen und dabei alle GliedmaßInnen gleichberechtigt benutzen. Unser/e WeltpräsidentIn aber wird ein/e SteinIn, die/den wir gefunden haben, nämlich die/den SteinIn der WeisInnen.

netzwerkrecherche: Vielen Dank, MenschIn Pingel-Beinlich, für Ihre rosigen … äh, bunten Zukunftsaussichten. Auch unser gleichwertiges Publikum wird Ihnen handfußklatschend zustimmen.

Frau Stefan Pingel-Beinlich ist GleichstellungsbeauftragteR der Bundesregierung und VorsititzendeR des Ausschusses „MenschInnen mit vier GliedmaßInnen“. Sie lehrt an der Freien UniversitätIn Berlin im Fach Sozialsoziologie und ist Mitohneglied in der Partei „Die BuntInnen“.

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12 Antworten

  1. […] ist ein Mann, hält sich aber für eine Frau, er ist Chef einer Kirche, glaubt aber nicht an Gott. Chris Korda, Sohn des Schriftstellers Michael […]

  2. Großer Text, ich bin aber beim Lesen ständig über die Innnenen gestolpert, ich Ewiggestriger. Müsste man die Buchstaben nicht irgendwie auch gleichstellinnennen? Oder sowas?

  3. Ja, eben nur noch „u u u u u u u“, aber kein „u“ großgeschrieben oder zu lang gesprochen, sondern alle gleich. Lettermainstreaming.

    Wir haben heute schon von einer bellenden BundesministerIn eine zähnefletschende Verwarnung erhalten, weil wir das Pingel-Beinlich im Text mehrmals als „Frau“ und „MenschIn“ klassifiziert haben, und nicht als „SäugetierIn“.

    Aber mal ehrlich: Wenn wir das täten, würde sich nicht die PflanzInnen und SteinInnen benachteiligt fühlen?

  4. Ich glaube, die ‚-Innen‘-Schreibweise ist nicht mehr ganz aktuell. Heißt es derzeit nicht z.B. ‚Mensch_in?‘ – um irgendein weiteres Geschlecht (oder waren es vielleicht sogar ‚Geschlechtslose‘ …. oder Geschlechtskranke?) angemessen zu repräsentieren? Ich meine mich sogar zu erinnern, daß derzeit bis zu 6 aktive Geschlechter (eigentlich) repräsentiert werden müssten – nicht gerechnet die bereits erwähnten ‚Geschlechtslosen‘ und ‚Geschlechtskranken‘. Mhh – das wären schon Stücker acht; ob wir das Dutzend Geschlechter noch voll bekommen??

  5. Ach, da wir gerade die Geschlechtsproblematik problematisieren – hier noch ein schöner Bericht über einen aktuellen Versuch die Gerechtigkeit der Geschlechter_in(nen) herbeizuwingen…

    http://fact-fiction.net/?p=3682#more-3682

  6. 6 aktive geschlechter? wo sollen die denn alle herkommen?

    übrigens klingt „geschlechter“ diskriminierend, sollte es nicht besser „geguter“ heißen?

  7. # krümel

    Ich muß da leider passen – ich kann mich nicht mehr an die einzelnen Bezeichnungen erinnern. Ich kann mich lediglich dafür verbürgen: Ich habs gelesen … wann und wo auch immer (‚wo‘ ist gut … auf irgendeiner linken Seite natürlich – man surft halt so herum, bleibt irgendwo hängen, denkt sich schließlich: Und da hast Du doch wirklich geglaubt, noch schräger gings nicht; aber wie man sieht …) – es standen auch die einzelnen Bezeichnungen da (natürlich irgendwelches völlig Verqueres zuzsammenkonstruiertes Zeug) und ich bin … na ja, nicht absolut, aber fast absolut sicher, daß es es sich um 6 aktive Geschlechter handelte. Aber man speichert sich halt nicht alle Seiten…

    Ein weiteres Geschlecht bzw. geschlechtliche Orientierung finden Sie hier:

    http://gesamtrechts.wordpress.com/2010/01/31/ohne-worte-was-die-linken-im-moment-so-bewegt/

    Das gezeigte Bild wurde auf ‚indymedia‘ (wo sonst?) vorgestellt und war dann reichlich schnell verschwunden – aber einige andere Seiten haben es gesichert.

  8. autsch.
    >ist mitohneglied in der partei….<
    in der/die parteiIn_Innen.
    um die pluralIn_Innen nicht zu diskriminieren 😀

  9. Wir streuen Asch_in auf unsere Haupt_innen!

  10. Ich fürchte, die Kommunikation wird in Zukunft doch sehr viel schwieriger als sie es in früheren Zeiten je war.

  11. Das wird jede/r sicherlich gern inkauf nehmen, wenn nur alle MenschInnen gleich – so wie ein/e Ei_in dem/der anderen – und damit glücklich sein dürfen.

  12. Ja. Das befürchte ich.

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