Holocaust auf dem Teller verboten

Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka“ [1]
Charles Patterson, Psychotherapeut und Dozent für Geschichte in New York
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Im Jahr 2004 startete in der BRD und in Österreich die in den USA bereits ein Jahr zuvor angelaufene Plakat-KampagneDer Holocaust auf Ihrem Teller” der Tierschutzorganisation PETA (People for the ethical treatment of animals). „Auf Werbeplakaten und im Rahmen einer Wanderausstellung werden Fotografien von nationalsozialistischen Konzentrationslagern Abbildungen der Gefangenschaft und industriellen Tötung von Tieren gegenübergestellt, um die Unterdrückung tierlicher Individuen durch die menschliche Gesellschaft anzuprangern.“ [2] Dieser Kampagne schob das Bundesverfassungsgericht der BRD nach einer Klage mehrerer Repräsentanten des bundesdeutschen „Zentralrates der Juden in Deutschland“ (ZdJ) nunmehr einen Riegel vor. Der Kläger machte geltend, „der durchschnittliche Betrachter entnehme diesen Darstellungen, dass das Schicksal der abgebildeten Tiere und Menschen auf eine Stufe gestellt und die Behandlung beider Wesen als gleichermaßen verwerflich hingestellt werden sollten. Hierin manifestiere sich eine Beleidigung der Kläger als Opfer des Holocaust, indem der ihnen kraft Menschseins zukommende Achtungsanspruch verletzt und damit auch in die … geschützte Menschenwürde eingegriffen werde.“ [3]

Dem gab die Kammer Recht, welche die Menschenwürde über den Tierschutz stellte, und urteilte unter der Erwägung, „dass es zum personalen Selbstverständnis der heute in Deutschland lebenden Juden gehöre, als zugehörig zu einer durch das Schicksal herausgehobenen Personengruppe begriffen zu werden, der gegenüber eine besondere moralische Verantwortung aller anderen bestehe.

Obwohl das Grundgesetz der BRD in Artikel 3, Absatz 3 als Grundrecht festlegt, daß niemand „wegen … seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“ [4] dürfe und Grundrechte als wesentliche Rechte deklariert sind, die Mitgliedern der Gesellschaft gegenüber Staaten als beständig, dauerhaft und einklagbar garantiert werden, läßt das Bundesverfassungsgericht also eine im Geltungsbereich des Grundgesetzes „durch das Schicksal herausgehobene Personengruppe“ zu, der gegenüber besonders moralisch gehandelt werden müsse. Das mutet seltsam an.

Doch welche Vergleiche zwischen Tier und Mensch wären jetzt überhaupt noch möglich? Vielleicht könnte die Tierrechtsorganisation ab sofort Massentierhaltungen und Massenschlachtungen in einen visuellen Kontext mit den deutschen Opfern anglo-amerikanischer Luftangriffe setzen, denn auch hier gibt es eine Fülle an Bildmaterial verkohlter und verstümmelter Leichen, von ausgemergelten Gestalten und von Leichenbergen. Dies dürfte sogar straffrei sein, denn selbst der öffentliche Aufruf, etwa durch Parolen wie „Bomber Harris, do it again!“ oder „Little Bomb, do it again!”, „die völkerrechtswidrige Bombardierung Dresdens vom 13./14. Februar 1945 zu wiederholen, ist nicht strafbar.“ [5] Und Äußerungen wie: „Also das mit Dresden war damals ziemlich gut gewesen… Da gab es ordentlich Grillwürstchen“ [6] bleiben offensichtlich auch unbeanstandet. Die zivilen Opfer des völkerrechtswidrigen Luftkrieges bzw. deren Nachfahren sind nach Auffassung der Gerichte sicherlich keine „durch das Schicksal herausgehobene Personengruppe“. Hier gilt der Leitsatz des römischen Komödiendichters Publius Terentius Afer Terenz: „Quod licet Iovi, non licet bovi.

pelze_rest_petaAndererseits sind auch die Aktionen der Tierrechtsorganisation PETA seltsam. Sie wendet sich dagegen, daß Tiere von Menschen gefressen werden, man hat aber von ihr noch nie Protest gehört, wenn Menschen von Tieren oder Tiere von Tieren gefressen wurden. Wenn, dann sollte aber gleiches Recht für alle gelten. Sie bevorzugt Säugetiere, aber benachteiligt pflanzliche Lebewesen. Doch ist das Verspeisen von Baumfrüchten nicht auch Diebstahl? Ist der Verzehr einer Karotte etwa kein Mord?

Bereits diese einfache Weiterführung der Gedanken zeigt, daß die vom Menschen gezogene Grenze in schützenswertes und vernichtenswertes Leben eine willkürliche ist und die veganische Tierrechtsbewegung ein ebenso dekadentes Produkt der urbanen Zivilisation ist wie die Massentierhaltung und die Massenmenschhaltung. Denn die vorwiegend in großstädtischen Kiezen und kleinbürgerlichen Reihenhausidyllen sozialisierte Bewegung müßte es als Erfordernis der zivilisatorischen Gleichstellungsgesellschaft ansehen, die Masse mit billigen Produkten der Agrarindustrie abzuspeisen und somit vor allem in Ballungszentren dem Hunger und daraus resultierenden Revolten vorzubeugen.

Zwar meint PETA: „Das Ledersofa und die Handtasche sind das moralische Äquivalent der Lampenschirme, die aus der Haut derjenigen Leute hergestellt wurde, die in den Vernichtungslagern getötet wurden“ [7], doch bleibt die Frage unbeantwortet, ob die Ausrüstung der Menschheit mit industriell hergestellten Kunststoffgegenständen ökologischer und moralischer ist. Weiterhin werden Kinder gegen ihre Eltern aufgehetzt: „Da dir dein Papa falsche Lektionen darüber gibt, was richtig oder falsch ist, solltest du ihm beibringen, dass Angeln Mord ist. Und solange dein Papa nicht gelernt hat, dass mit so etwas nicht zu spaßen ist, solltest du deine Hündchen und Kätzchen von ihm fernhalten. Er ist so besessen davon, Tiere zu töten, dass diese die nächsten sein werden, die dran glauben werden.“ [8]

Anstatt sich in blinder Wut auf Angler und Jäger zu stürzen, die ebenso wie Kleinbauern immerhin noch eine Beziehung zum erlegten oder geschlachteten Vieh aufbauen und dieses vor der Tötung in weitgehend natürlichen Zusammenhängen belassen, sollten besser die Gründe hinterfragt werden, weshalb die Fleischwarenindustrie abgepacktes Billigfleisch en masse in Discountern verkauft, wer die Käufer bzw. ihre Beweggründe sind und ob das Konsumverhalten der Massengesellschaft die industrielle Nahrungszüchtung bedingt. Das aber sind soziologische Ursachen, und die haben nicht so süße Augen wie ein Hundebaby.

……………………………………………..
[1] Charles Patterson: „Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka – Über die Ursprünge des industrialisierten Tötens“, 2004. Zwar soll laut PETA auch der jüdischstämmige Soziologe Theodor W. Adorno behauptet haben: „Auschwitz fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt, es sind ja nur Tiere.”, doch bedarf diese dem üblichen Duktus Adornos entgegenstehende Äußerung eines Quellenbeleges. [Wilfried Breyvogel: „Eine Einführung in Jugendkulturen – Veganismus und Tattoos“, S. 108, 2005] Schließlich wies Adorno Vergleichbarkeiten in analoger Hinsicht ab: „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ [Adorno: Gesammelte Schriften, Bd. 10.1. Frankfurt/M. 1980]
[2] TierrechtsAktion Nord: „PETAs Kampagne „Der Holocaust auf Ihrem Teller“, o.J.
[3] Bundesverfassungsgericht: Beschluß vom 20.02.09 (Az: 1 BvR 2266/04 u. 2620/05)
[4] Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, 23.05.1949
[5] Westfalen-Blatt, 30.05.2005
[6] Telepolis: „Schweinesuppe“, 21.01.2006
[7] Wikipedia: „People for the Ethical Treatment of Animals”, Stand: 26.03.2009
[8] PETA-Flugblatt: „Dein Papa Tötet Tiere!“

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Eine Antwort

  1. Erlauben Sie, dass ich mich wundere?

    2008 wurde die Hetzerin Schwarzer mit dem Börne-Preis geehrt. In ihrer Dankesrede hat die die üblich absurden Vergleiche/Gleichsetzungen abgelassen. Diesmal zog sie (passend zu Anlass) Parallelen zwischen den verfolgten Juden und der angeblich bedauernswerten Lage der Frauen.
    Logisch und nachvollziehbar.
    Den Juden ging es nämlich früher so wie den Frauen heute: Sie überlebten die Arier im Durchschnitt um mehrere Jahre und verfügten über ein eigenes Ministerium, das nur damit beschäftigt war, weitere Vorteile für sie herauszuschlagen. Es gab einen einflussreichen Jüdischen Juristenbund. Von etlichen Gesundheitszentren bis zu besonders günstig gelegenen Parkplätzen war alles nur auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten. Durch Quoten und Milliardenunterstützung wurden sie auf beruflich besonders günstige Positionen gehievt. Vor Gericht erhielten sie für dieselbe Taten deutlich günstigere Urteile und in der Schule für dieselbe Leistung bessere Noten. Wenn ein Jude sich von einem Arier trennte, konnte er diesem oft mit Leichtigkeit den Kontakt zu seinen eigenen Kindern verwehren. Darüber hinaus wurden die Juden in der Presse immer und immer wieder als die besseren Menschen herausgestellt und hatten im Gegensatz zu den schwer arbeitenden Ariern vielfach die Möglichkeit, nach dem Mittagessen “Zwei bei Kallwass” zu gucken.
    So war es doch. Oder? Jedenfalls hat Schwarzer das so von der Kanzel gepredigt.

    Warum diese Vorrede?
    Nun, im Auditorium saß Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Als der diese unerträgliche Verharmlosung der Judenverfolgung hörte, stand er sofort auf und verließ wütend …

    Nein, tat er nicht. Im Gegenteil, er blieb artig sitzen und applaudierte unterwürfig.
    So fragen wir uns, ob es der gleiche Maßstab ist, den der Remmidemmiverein an alle anlegt. Oder ob es da vielleicht noch ein paar monetäre Interessen gibt, die den Maßstab mal da und mal dorthin verbiegen.
    In diesem Fall drängt sich schon Eindruck auf, dass er für Korn wichtiger ist, ein paar vom feministischen Gabentisch herabfallende Krümel vom Boden lecken, als die Ehre seines Volkes zu verteidigen.

    Zumal Korn auch im Nachgang nicht mal versuchte, diesen Eindruck zu entkräften.
    In Deutschland wagt ja ohnehin niemand was zu sagen. Außer … ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Es war die Hurenorganisation Dona Carmen, die sich traute, http://www.donacarmen.de/?p=249.
    Und hier die Blabla-Antwort des Korn: http://www.donacarmen.de/?p=253

    Nur zur Klarstellung:
    Mir gehen alle unzutreffenden Auschwitz- und anderweitigen Nazi-Vergleiche maximal auf den Zünder. Was PETA treibt ist genauso widerwärtig wie die Linken mit ihren hirnrissigen Gleichsetzungen von Auschwitz und Hartz-IV. Die Juden im dritten Reich wären froh gewesen, wenn es denen so „schlecht“ gegangen wäre wie hier unseren Hartzis.
    Meine Meinung. Aber ob Herr Korn das auch so sieht …

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