Giordano Bruno, Galileo Galilei und ein Holocaustleugner

Wir sprechen immer von einer informativen Gesellschaft, in Wahrheit ist sie desinformiert.“ [1]
Georg Ratzinger, Regensburger Alt-Domkapellmeister, Bruder des Papstes

papst-hitlergruss

BILD dir deine Meinung: Papst mit Hitlergruß

Ein Thema, das eigentlich so recht niemanden in der Welt interessiert hätte, nämlich die private Meinung eines Geistlichen zur technischen Umsetzbarkeit eines historischen Völkermordes, wird in den Mainstream-Medien nicht nur zum Papst höchstpersönlich delegiert, sondern zu einer Glaubensfrage in einem Kirchenkampf stilisiert. „Wir“ stellen uns in der Presse die Frage, ob der Papst unfehlbar sei, ob er abgesetzt werden könne, ob er sich entschuldigen müsse. „Wir“ sind die Damen und Herren aus den Redaktionsstuben, die kürzlich noch lautstark polternd nach Lebkuchenmesser wetzenden Schlangennazis fahndeten und nun nicht mehr Rechtsextremismusexperten zitieren, sondern Papstkritiker aller Couleur. Nach der Pannichl-Affäre soll der Meinungskonsument in die nächste Emotionsfalle tappen.

Doch nun sind die Empörungsjournalisten nicht mehr um den demokratischen Rechtsstaat besorgt, sondern um den wahren christlichen Glauben. So giftet Franz Josef Wagner, seines Zeichens Chefkolumnist im Axel-Springer-Verlag, süffisant in Deutschlands größtem Boulevardblatt: „Lieber Heiliger Vater, … ich betete auch dafür, dass Gott alle Ihre Mitarbeiter bestraft. Auch Ihren Privatsekretär Gänswein, der die Römerinnen mit seinem Tennisspiel entzückt…. Man hätte doch nur googeln müssen, um den Holocaust-Leugner zu entlarven. Im Internet hatte er all seine Scheußlichkeiten bekannt gegeben. Der Vatikan guckt nicht online, der Vatikan ist von gestern.“ [2] Amen!

Mittendrin mischte sich der Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg in einem Interview mit der heute erscheinenden Wochenzeitung „Die Zeit“ in den Streit ein. Zwar nimmt er den Papst vor antisemitischen Unterstellungen in Schutz, das Verhältnis zwischen Juden und katholischer Kirche bleibt für ihn jedoch suspekt: „Mein Vater hat mich gewarnt: Bei allen guten Absichten sollte ich sehr vorsichtig sein, denn was die Katholiken tatsächlich im Schilde führen, könne man nicht wissen.“ [3] Erstaunlich ist, daß der 58-jährige Oberrabbiner für die Einschätzung der Beziehung von Juden und Katholiken seinen Vater, den orthodoxen Zionisten Bela Akiba Eisenberg, zitieren muß. Direktere Konfontation suchte der TV-Moderator und ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden in der BRD, Michel Friedman: „Der Papst ist unglaubwürdig, ein Lügner und ein Heuchler“, er mache sich die Hände schmutzig, wenn er Leute wie Williamson umarme. „Nur der Ausschluss dieses antisemitischen Hetzers kann die Glaubwürdigkeit des Papstes zurückgeben.“ [4]

Während die postreligiösen Wächter seit Tagen den Kniefall des kirchlichen Oberhauptes vor ihrer politischen Korrektheit erwarten und jedermann seinen Senf über den Papst und dessen Unfehlbarkeit öffentlich absondern darf, kümmerte sich dieser um die realexistierenden Probleme der Welt und rief zu einem Ende der blutigen Auseinandersetzungen in Sri Lanka auf: „Angesichts der Nachrichten über die zunehmende Brutalität des Konflikts und die wachsende Zahl unschuldiger Opfer, appelliere ich eindringlich an die kämpfenden Parteien, die Menschenrechte und die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung zu respektieren. Sie müssen ihr Möglichstes tun, um die Sicherheit und die Versorgung von Verletzten und Zivilisten mit Nahrungsmitteln und Medizin zu gewährleisten.“ [5] Empörungsthema verfehlt – das stieß den selbstgefälligen Tugendhütern sauer auf.

Angesichts des massiven veröffentlichten Drucks wurde jedoch der vom Kirchenbann befreite Bischof Richard Williamson nebenbei zwar nicht vom Papst persönlich, so doch vom Vatikan aufgefordert, seine „absolut unakzeptablen Positionen“ aufzugeben. Williamson habe die Wahl, sich „von seinen Sätzen zur Shoah in absolut unzweideutiger, öffentlicher Weise zu distanzieren“ oder nicht „zu den bischöflichen Funktionen zugelassen“ zu werden. [6]

Grund genug für die neokommunistische Zeitung „Junge Welt“ zu spotten, daß dem „frommen Experten des Körperflüssigkeitsjournalismus“ Wagner im Verein „mit dem frommen Franz Müntefering“ der Clou gelungen sei: „…da knickten die Römer ein und forderten den Engländer zum Widerruf auf. Sie stellen damit den Holocaustleugner in eine Reihe mit Giordano Bruno, Galileo Galilei und vielen anderen.“ [7] Tatsächlich verspricht die künstlich hochgekochte Affäre nun erst wirklich spannend zu werden.

……………………………………………..
[1] Focus: „SPD-Chef ruft Katholiken zu Ungehorsam auf“, 04.02.2009
[2] BILD: „Post von Wagner“, 03.02.2009
[3] Der Standard: „Der Papst ist das Problem der Katholiken und nicht der Juden“, 04.02.2009
[4] Stern: „Der Papst ist ein Lügner und Heuchler“, 04.02.2009
[5] Radio Vatikan: „Vatikan/Sri Lanka: Papst fordert Ende der Gewalt“ , 04.02.2009
[6] Der Westen: „Pistole auf die Brust gesetzt“, 04.02.2009
[7] Junge Welt: „Wir sind Papst“, 05.02.2009

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: