Wahlvermieser

Metzger wählen

Immer wieder kommen sie aus ihren finsteren Löchern gekrochen, die Wahlverächter und Demokratiequerulanten, die einem die Teilhabe am größten Spektakel des Parlamentarismus vermiesen wollen. Doch nicht zur Wahl zu gehen, bewirkt auch nicht mehr, als an ihr teilzunehmen!

Wahlen sind nicht mehr und nicht weniger, als ein kollektives Ritual: Die einzelne Stimme wiegt natürlich nichts, aber man ist – gleichberechtigt mit Kretins, Verbrechern, Spitzbuben, Dummköpfen und einigen Naivlingen – Teil eines Großen und Ganzen, das seiner Obrigkeit Absolution erteilt. Und das ist doch auch ein erhebendes Gefühl!

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Geldbombe

FDP Lichter aus

Schlimme Zeiten für die FDP: Kaum ist sie aus dem bayerischen Landtag geflogen, schon mutmaßen die Wahlastrologen einen Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) in den Bundestag: „Rechtspopulistisches Potenzial könnte Bernd Lucke helfen, die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken.

Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner rechnet vor: Zwei bis drei Prozent der Wähler seien „eingefleischte Anhänger der AfD, die den Euro satthaben. Dazu kommen rund fünf Prozent Protestwähler, die mit dem politischen System unzufrieden sind und einer Partei ihre Stimme geben, die den Etablierten den meisten Ärger macht. Wenn nur die Hälfte davon AfD wählt, ist sie im Bundestag.

Allerdings, so wird berichtet, ginge der jungen Partei kurz vor der Wahl das Geld und damit die Puste aus. Ein Kommentator resümiert: „Der Afd fehlen eben die Geldkoffer mit 100TDM oder auch ein Ex-Staatsparteienvermögen oder die gewerkschaftlichen Zuwendungen unter Genossen oder die Großzügigkeit der Windmüll(er)-Branche oder der Hoteliers …“ Dafür habe die basisdemokratische AfD mehr Freunde, zumindest bei Facebook: „Mit mehr als 66.000 Freunden ist die Partei in dem sozialen Netzwerk beliebter als alle etablierten Parteien; die SPD hat weniger als 55.000 Facebook-Fans, die CDU kommt auf 45.800“.

Die dort initiierte „Geldbombe“ brachte in 40 Stunden über 400.000 € ein. „Das Gros offenbar deutlich kleiner als 100 Euro, wenn man die Zählerstände so beobachtet. Nur 5 grössere Spenden zwischen 5000 und 9999 Euro. Hier zahlen die Zahlmeister der Nation (Vertreter des Mittelstandes !) im Moment in ihre Zukunft ein.

Werbespott

Welchen Erkenntnisgewinn zieht man aus den Wahlwerbespots von Parteien, wenn Filmsequenzen bei Bildagenturen gekauft werden, um mit beliebigen Schauspielern für vorgeblich authentische Ziele zu werben? Worin sollte sich die Parteienwerbung unterscheiden gegenüber Werbung für Dosenspaghetti, Damenunterwäsche oder Staubsauger?

Nachdem herauskam, daß die NPD ebenso wie die FDP und ein finnischer Quarkproduzent in ihren Werbesendungen die gleiche glücklich radelnde slowenische Familie benutzen, stellt sich die Frage, wie authentisch die anderen Darsteller in dem NPD-Werbespot eigentlich sind.

So fällt insbesondere bei dem Darsteller „Holger Apfel“ auf, daß er die Hand zwanghaft nach vorn streckt, um das im diesjährigen Wahlkampf bei allen Parteien so unsäglich bemühte „Sie“, „Wir“, „Du“ oder „euch“ zu schwurbeln. Darstellerin „Sigrid Schüssler“ hingegen schlenkert vor der Kulisse eines trostlosen Militärgeländes lustig herum, bevor ein rumänisches Quartett Werbung für einen Sommerurlaub in Kanada macht.

Die NPD ist ebenso glücklich wie die FDP: Geld und Aufwand gespart und trotzdem den billigen Quark an das fernsehglotzende Stimmvieh gebracht. Die slowenische Familie hingegen ist zu bedauern. So hatte der Bundesverfassungsschutz ihre Konterfeis bereits in das NSA-Computersystem zur biometrischen Erfassung potentieller Rechtsterroristen übertragen, die Bundeszentrale für politische Bildung sie in einer Veröffentlichung als warnendes Beispiel neonazistischer Verkehrssünder abgebildet und die Antifa während einer vom DGB finanzierten Slowenienreise an deren Wohnhaus die Scheiben eingeworfen und die Fahrräder demoliert.

Duell der Schweine

Volksreis

Neulich wurden wir gefragt: „Vor der Bundestagswahl duellieren sich Ferkel und Schweinstück. Gibt es noch Wähler, welche diese Sauerei unterstützen?

Da können wir nur mit den Schultern zucken. Keine Ahnung, wir kennen zum Glück keinen persönlich, schließlich pflegen wir anständigen Umgang.

Bild oben: Wahlplakat wie vorgefunden. Es ist schrecklich, wenn demokratische Parteien Ostasiaten mit Kabelbindern in der Schädeldecke abbilden. Was soll uns das sagen?

DSDS-Show

Bäumchen wechsel dich

Deutschland sucht den Superpräsidenten (DSDS), aber die Kandidaten für die Präsershow sollen sich nicht vor der Jury vorstellen dürfen. Der Ältestenrat des Parlaments überlegt, „auf eine Vorstellung der Präsidentschaftskandidaten in der Bundesversammlung zu verzichten. So solle verhindert werden, dass sich der NPD-Kandidat Olaf Rose öffentlich präsentiert.“ Blind-Vote sozusagen.

In der Jury zur Wahl des Staatsoberhauptes sitzen auch drei Wahlmänner der NPD, über deren Platzierung im Saal gestritten wird. Bei der letzten Präsidentenwahl, die den Schnäppchenjäger Wulff ins Amt hievte, hatten die NPD-Leute hinter den Grünen gesessen. Weil die Grünen jedoch eine Angehörige eines Opfers der mutmaßlichen Terror-NSU „unter ihren Wahlleuten haben, wollten sie die Nachbarschaft zur NPD diesmal aber nicht hinnehmen. Auch die Union lehne eine räumliche Nähe zu den NPD-Vertretern ab. Unter ihren Wahlleuten ist Mevlüde Genç, die 1993 beim fremdenfeindlichen Brandanschlag in Solingen mehrere Angehörige verloren hatte.

Die NPD-Leute stießen aber auch bei der SPD auf Ablehnung. Der Sohn des SPD-Wahlmannes Horst Schulze hatte sich vor 6 Jahren in Thüringen an einer braunen Rostbratwurst die Zunge verbrannt. Die FDP hingegen zieht ihren Vorsitzenden Philipp Rösler ins Feld. Röslers Mutter sei einst von einem amerikanischen GI bedrängt worden, dessen mutmaßlicher Onkel Kontakte zu dem Bruder eines ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS gehabt haben soll.

Die NPD-Wahlmänner wiederum wollen nicht hinter, sondern vor den Grünen sitzen, weil eigentlich die Nazis die Ökobewegung initiiert und die Grünen bloß darauf aufgesattelt hätten. Allerdings würden sie auch gern neben der FDP Platz nehmen, weil diese in den 1950er Jahren noch unter dem Banner Schwarz-Weiß-Rot auftrat. Wahlmänner_innen von Die Linke wünschen allerdings nicht neben der CDU zu sitzen, da sie Angst vor Rache-Ohrfeigen wegen des Kiesinger-Vorfalls haben. Die Piraten wollen wenn, dann nur im Winkel von 35° und in 4 Metern Abstand schräg vor der SPD sitzen, weil der Vetter des Uroßvaters eines französischen Sozialisten den Seeräuberhauptmann Schogugumil erschossen hatte.

Die Sendung „Deutschland sucht den Superpräsidenten“ scheint also spannend zu werden. Wie wird das Endergebnis aussehen, wenn die Parteien im Plenarsaal „Bäumchen wechsel Dich“ und „Mein rechter, rechter Platz ist leer“ spielen?

Partystimmung

Ein denkwürdiger Ausspruch im Vorfeld der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin aus einem Artikel der FAZ [1]:

Berlin ist das Feiern wichtiger als das Vorankommen. Wer feste Termine hat, weil er einer geregelten Arbeit nachgeht, ist Teil einer Minderheit. Nur 42 Prozent der Berliner finanzieren sich aus eigenem Erwerbseinkommen. Die anderen leben vom Staat, weil sie alt, arm oder arbeitslos sind. Kein Wunder, dass es die bürgerlichen Parteien hier besonders schwer haben.

Wir gratulieren auch der Seeräuberpartei zur Vervollkommnung des bunten Reigens.
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Sarazzismus

Europas besten Tischtennis-Unterricht anbieten zu können war unser Ziel“ [1]
Sarazzistische Volkspartei

Deutschland fürchtet sich. Im ehemaligen Land der Dichter und Denker ist neben dem Rassismus, Faschismus und Kapitalismus eine weitere Massenbewegung in der Wiederkunft, die allen Demokraten von der KPD bis zur CDU das Fürchten lehrt: der Sarazzismus. Es ist nicht die Partei der Braun- oder Blauhemden, sondern jene der Knitterhemden. Ihr Motto lautet: „bügelfrei“. Doch was will diese geheimnisvolle Bewegung wirklich? Da hilft ein Blick auf ihre gut frequentierte Internetseite.

Zunächst erst einmal entschuldigt sich die Sarazzistische Partei für Thilo Sarrazin: „Dr. Thilo Sarrazin hat sich manchmal etwas unglücklich bzw. mißverständlich ausgedrückt. Deshalb hier unsere Öffentliche Entschuldigung.“ Das ist gut und das ist wichtig. Vorsicht ist jedoch noch wichtiger, weshalb sich die SVP auch „von allen eventuellen auch zukünftigen Äußerungen“ Sarrazins distanziert, die irgend jemandem sauer aufstoßen könnten.

Dann aber das Hauptanliegen: „Verschenken Sie nicht Ihre wertvolle Stimme an eine rechte Partei. … Verschenken Sie also Ihre Stimme nicht sinnlos, sondern geben Sie Ihre Stimme nur der Sarazzistischen Patei. Und da von Wahlforschern 26% Wählerstimmen vorausgesagt werden, geht Ihre Stimme auch auf keinen Fall verloren.“ Einige Absätze weiter heißt es: „Meinungsforschungs-Institute sagen der SPV 26%-44%-56% der Wählerstimmen zur Bundestagswahl 2013 voraus.

Die Schlacht ist also so gut wie gewonnen, alle linken und rechten Diktatoren können ihre Reisekoffer packen. Schließlich „will die SPV Deutschland in die ERSTE ECHTE DEMOKRATIE DER ERDE verwandeln“ und die „sich als Demokratie tarnende Diktatur“ abschaffen. Das sollte angesichts der elitären Parteiführung kein Problem darstellen: „Das Team, das Sarrazins Reformideen umsetzt, blickt auf 30 Jahre Erfahrung in allen großen Parteien und auf 40 Jahre Erfahrung mit Wissenschaft zurück.“ Parteichef Kai Schulze besticht in seinen unglaublichen Fähigkeiten, die in Arbeitszeugnissen und Teilnahmebescheinigungen öffentlich einsehbar sind.

Doch auch die Volksgesundheit liegt der Volkspartei am Herzen. Neben BeTaTesh wird Tischtennis als zweite große Volkssportart empfohlen, weshalb ein SVP-Schulungslager für modernstes Tischtennis in Köln eingerichtet wurde: „Europas besten Tischtennis-Unterricht anbieten zu können war unser Ziel. Erfahren auch Sie, dass wir dieses Ziel erreicht haben.“ Das Trainingslager für Anfänger bis Hochleistungsspieler kostet 50 Euro Teilnahmegebühr: „Nur, wenn mindestens 5 Überweisungen eingegangen sind, findet das Trainingslager auch statt. Maximalteilnehmerzahl:27

Der Sarazzismus, welcher nach dem Marxismus, Leninismus, Stalinismus und Maoismus nun die fünfte personenbezogene Weltanschauungsbewegung ist, leitet ihren Namen indes nicht von Thilo Sarrazin ab, sondern – wie investigative Journalisten des Mitteldeutschen Rundfunks mühevoll recherchierten [2] – von dem Pseudonym Ines Sarazz, unter welchem in den 1970er Jahren an der Universität Marburg gesellschaftskritische Texte verteilt wurden.

Mutti Merkel zittert vor der Bewegung, doch die knitterhemduniformierten Sarazzisten stehen bereit für den Marsch auf Berlin. Die Rettung Deutschlands ist jedoch erst vollbracht, wenn der Schulze Bundeskanzler ist!

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