Abgesang der Spaßgeneration

Vor den Untergang haben die Götter die goldenen Schüsseln
und nicht die Kohlrüben gesetzt.
“ [1]
Joachim Fernau, Schriftsteller


brd_auswanderung_migration

Wir haben ein Problem. Ein großes Problem.“ Der Direktor des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung und Medien, Dr. Martin Pape malte bei einer Fachtagung über die „Intergrationsregion Ruhr” im Juni 2009 den Teufel an die Wand, der herniederkäme, wenn sich die Spaß-und-Spiele-Nachkriegsgeneration nicht ausreichend um Menschenimporte bemühe: „Wenn wir nicht bis 2050 mindestens 50 Millionen Zuwanderer aufnehmen, wird es uns nicht gelingen, unseren Status zu halten. … Mich interessiert nicht, dass wir schrumpfen. Mich interessiert die Überalterung.” [2] Dr. Pape referierte bereits im Jahr 2008 in kommunalen Fachtagungen über „Personalentwicklung im Zeichen demografischen Wandels“ und plädierte für eine „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“ [3]. Damit näherte er sich dem Problem des Personalnotstandes der BRD GmbH aus der Perspektive eines in wohlstandschauvinistischen Denkschemata verhafteten Verwaltungsbeamten an.

Nicht ganz korrekt bemerkte Pape, daß „der Deutsche im Schnitt“ gut 40 Jahre alt sei, „der Iraner gerade mal 21, der Palästinenser 19.“ Dieses Zahlenmaterial dürfte schon etwas älter sein, so ist nach Schätzungen aus 2007 der durchschnittliche Iraner mittlerweile auf 26 Jahre gealtert und der BRD-Bewohner zählt bereits 43 Lenze, wobei der Abstammungsdeutsche stramm auf die 50 zugehen dürfte. Dementsprechend führte Asli Sevindim, Direktorin des Themenfeldes „Stadt der Kulturen” der Kulturhauptstadt 2010 (als welche die „Metropolregion Ruhr” auserkoren wurde), den Anwesenden vor Augen, „es dürfe nicht sein, dass Deutsche sich von Migranten unterschieden und diese als ,etwas, das passend gemacht werden muss’ betrachteten. Dabei müssten sie unbedingt dazugehören und in eine zukünftige Definition von ,deutsch’ eingerechnet sein. Sevindim: ,Das ist kein Luxusproblem, sondern eine Standardaufgabe.’

Dr. Martin Pape forderte in dieser Stringenz eine Absenkung des durchschnittlichen Bevölkerungsalters „durch zwei Millionen jährliche Einwanderer“. Wenn die Vergreisung nicht „kompensiert werde, hätten nicht nur die öffentlichen Haushalte, dann hätte jeder Einzelne ein Problem: Verarmung.“ Daher „könne es sich eine Gesellschaft nicht leisten, Kinder von Migranten durch den Rost des Bildungssystems fallen zu lassen.“ 400 Millionen investierte Euro, damit „kein Migrant ohne Schulabschluss bliebe“, würden sich in Kürze auszahlen.

Es ist nicht nachvollziehbar, wie diese Milchmädchenrechnung zustande gekommen ist. Es reicht leider nicht, im Alle-Menschen-sind-gleich-Muster anonyme Paßbesitzer statistisch zu addieren, um daraus ein zukünftiges Bruttosozialprodukt zu ermitteln. Je unbegabter eine Menschengruppe, desto größer ist der Bedarf ihrer Alimentierung und desto geringer ihr volkswirtschaftlicher Nutzen. Man könnte auch – das wäre die billigste Lösung – die Hürden zur Erlangung eines Schulabschlusses senken, so wie man das Niveau des Abiturs stetig senkte, um mit 30 % Abiturabgängern, die freilich oftmals weder fehlerfrei die deutsche Sprache noch die Grundlagen der Bruchrechnung beherrschen, als überaus gebildete Gesellschaft zu gelten. Das tröstet aber nicht darüber hinweg, daß sich der durchschnittliche Intelligenzquotient der BRD-Gesellschaft seit Jahrzehnten im Abwärtstrend befindet, innovative Ideen mangels Begabung immer seltener werden und ein Heer von Fachidioten das Tafelsilber vergangener Jahrhunderte verwaltet.

Es ist sicherlich kurzfristig von staatsökonomischem Vorteil, bei eigener Geburtenbeschränkung fertige Arbeitskräfte für Handlangerdienste zu importieren, wie in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts. Es verschlechtert sich jedoch die volkswirtschaftliche Situation, wenn die eingewanderte Unterschicht anderer Länder die sozialen Vorzüge der Gemeinschaft nutzt, wie es immer stärker seit den 80er Jahren geschah. Aberwitzig ist es jedoch, die Nachkommen des Unterschichts- und Handlangerproletariats mit hohem Aufwand auf ein Niveau heben zu wollen, das den gesellschaftlichen Zusammenbruch verhindern soll. Völlig abwegig ist auch die Vorstellung Papes, daß sich eine kinderlose, degenerierte Spaßgeneration in einem großen Vergnügungshospiz den Lebensabend mit Hilfe importierter, freiwillig schuftender Rentensteuerknechte versüßt.

Dieser Vorstellung frönt allerdings auch der Generalsekretär der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD), der Mexikaner Angel Gurría, der von Paris aus „für Deutschland wegen seiner stark alternden Gesellschaft eine langfristig angelegte Zuwanderungspolitik“ fordert, „sonst könnten in einigen Jahren Arbeitskräfte fehlen“. Mit der Wirtschaftskrise verbuchen „die insgesamt 30 OECD-Länder zum ersten Mal seit den 80er Jahren einen deutlichen Rückgang der Arbeitsmigration … Gurría forderte die Migliedsländer auf, ,eine bedarfsgerechte, faire und effektive Migrations- und Integrationspolitik’ einzuführen.“ Bedarfsgerechte Arbeitsmigration … Der Mensch wird als „Humankapital“ Wirtschaftsfaktor und Ausbeutungsobjekt, beliebig austauschbar, und ganz offen spricht Gurría den Bedarf der seniler werdenden Bundesrepublikaner an billigen Haushaltssklaven mit möglichst geringer Intelligenz an: „In Zukunft werde Deutschland wegen der demografischen Entwicklung auch einen Bedarf an niedrig qualifizierten Zuwanderern haben, etwa bei häuslichen Dienstleistungen oder in der Pflege. “ [4] Wer diese unterbelichteten Pflegekräfte bezahlen soll oder ob diese ihre Tätigkeit aus reiner Liebe zu anmaßenden Rentnerbataillonen ausführen, verrät der globalisierende Humankapitalverteiler Gurría nicht.

Herzlich lachen darf man aber auch über die Einfältigkeit mancher Einwanderer. So berichtet der Spiegel [5] über den Kölner Kioskbesitzer Mehmet Somsum, der im Jahr „1972 aus Anatolien eingewandert“ war und der mitsamt seiner drei Kinder neuerdings die Grünen statt der SPD wählt: „Die haben Deutschland abgewirtschaftet. Als ich nach Deutschland gekommen bin, wart ihr die Nummer eins auf der ganzen Welt. Und heute?“ Ja heute. Heute sind die Grünen die letzte Hoffnung für jene, welche die Reste des fast aufgefressenen Kuchens „gerecht“ verteilt haben möchten.

Was Mehmet Somsum, Angel Gurría und Dr. Pape nicht bedenken: Wenn bildungs- und kulturferne Menschen einwandern, die von der Gesellschaft alimentiert werden müssen, während die geschröpften Eliten immer zahlreicher das Land verlassen, dann hilft es gewiß nicht, die verbliebenen Eliten bis hinunter zum Mittelstand noch fester an die Steuerkandare zu spannen und hochqualifizierte Steuerflüchtlinge ebenso wie die ausgefallenen Kinder der Begabten durch beliebige Ausländerimporte quantitativ zu ersetzen, zumal eine insolvente BRD GmbH keine sehr große Attraktivität ausstrahlt. Mehmet Somsums Kinder & Co. haben allerdings noch die Perspektive, aus einer „abgewirtschafteten“ BRD heim ins türkische Reich flüchten zu können oder die aktuelle „Nummer eins auf der ganzen Welt“ mit der eigenen Anwesenheit solange zu beglücken, bis auch diese Nummer abgewirtschaftet ist.

Während Asli Sevindim, Direktorin einer „Kulturmetropole Ruhr“, noch die „zukünftige Definition von ,deutsch’“ politisch korrekt anpassen und Dr. Martin Pape jährlich zwei Millionen begeisterte Steuerzahler zur Alimentierung eines besitzstandsverwöhnten Rentnerheeres ins Land pumpen will, während Angel Gurría die Einfuhr unterbelichteter Paladine bevorzugt, „kursieren bei deutschen Sicherheitsbehörden streng vertrauliche Listen, die soziale Brandherde quer durch Deutschland benennen.“ [6] Zu diesen Regionen, in denen „in absehbarer Zeit soziale Unruhen, Krawalle und Revolten“ wahlweise gegen die Politik, soziale Mißstände oder zwischen verschiedenen ethnischen Bevölkerungsgruppen entbrennen könnten, zählen nicht nur die problembelasteten Viertel größerer deutscher Städte, sondern auch das Ruhrgebiet, welches von den Adepten der Humankapitalisten immer noch wahlweise als „Intergrationsregion” oder als „Kulturmetropole“ verklärt wird.

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