Nahrungsvorsorge

Immer wieder hört man von sogenannten Verschwörungstheoretikern, man solle sich für demnächst unweigerlich auftretende Krisenfälle wappnen, sei es durch die Bevorratung mit Kraftstoffen, Waffen, Nahrungsmitteln und alternativen Zahlungsmitteln oder mit der Zugänglichkeit zu bestellbarem Land und der Herstellung von Notgemeinschaften.

Doch auch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat im Internet eine Seite zur Ernährungsvorsorge geschaltet, auf welcher der Grundnahrungsmittelvorrat für einen bestimmten Zeitraum tabellarisch aufgelistet wird. Eingeteilt ist er in Getreideprodukte, Brot und Kartoffeln, Gemüse und Hackfrüchte, Obst, Getränke, Milch und Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Eier sowie Fette und Öle. Damit weiß jede ordentliche Hausfrau um den nächsten Einkauf Bescheid.

Mittels eines Vorratskalkulators kann dezidiert ermittelt werden, wie groß die Vorräte für eine Anzahl an Personen über einen bestimmten Zeitraum sein müssen. Eine fünfköpfige Familie etwa sollte für 28 Krisentage neben 67 Kg Getreideprodukten und Kartoffeln auch 280 Liter Wasser bunkern. Das sind zwei haushaltsübliche Badewannen voller Wasser, die in der Speisekammer oder dem Ziehbrunnen vor der Haustür vorrätig zu halten sind.

Eine dunkle Speisekammer oder ein kühler Keller sind zur Lagerung der Lebensmittel sowieso von Nöten. Omas Tiefkühltruhe allein reicht nicht aus, denn wie das Bundesministerium mitteilt, könnte es im Krisenfall mit der Energieversorgung eng werden: „Beachten Sie bei Ihrer Planung jedoch auch, dass mit bestimmten Notfallsituationen bisweilen auch ein Stromausfall verbunden sein kann. Aus diesem Grund berücksichtigt unser Beispiel nicht die Möglichkeit tiefgekühlter Vorräte.“ oder „Sie sollten auf den zeitweiligen Ausfall von Energie vorbereitet sein und Lebensmittel bevorraten, die auch ungekocht verzehrt werden können.“ Gefahr drohe zudem von Schimmel, Salmonellen, Staphylokokken und Clostridium botulinum.

Beruhigend hingegen ist, daß ein länger als 28 Tage dauernder Krisenfall laut Vorratskalkulator nicht vorgesehen ist.

Weiterführende Broschüren beschäftigen sich mit dem Haltbarmachen von Lebensmitteln oder tragen Titel wie „Für den Notfall vorgesorgt“ und „Trinkwasser“. Weitere Maßnahmen zur Vorsorge erläutert Ihnen vertrauensvoll Ihr zuständiger Verschwörungstheoretiker.

Umfrage: Eurokrise

Eine unserer letzten Umfragen lautete: „Wie sichern Sie sich vor der Eurokrise?“ Das Ergebnis konnte klarer nicht sein: 40 Prozent unserer Leser investieren in Schnaps, was in etwa dem Anteil anonymer Alkoholiker an der Gesamtbevölkerung entspricht. 20 Prozent der Befragten sichern sich gar nicht vor dem Euroverfall. Wie sollten sie auch – laut Armutsbericht der Bundesregierung haben etwa 20 Prozent der Bürger nicht einmal einen Notgroschen, welcher in wertbeständige Dinge umgetauscht werden könnte.

17 Prozent ziehen Edelmetalle vor, 10 Prozent Immobilien. Wertgegenstände wie Aktien, Maschinen, Währungen und „Anderes“ fallen unter „ferner liefen“. Daß niemand in Kunstobjekte (0,0 Prozent) investieren möchte, mag zunächst erstaunen, sind doch gewöhnlich seelentröstende Güter gerade in einer Krise von hohem Wert. Doch auch Herr R., den wir diesbezüglich auf der Straße befragten, rümpfte angewidert die Nase: „Die heutige Kunst ist überbewertet, ich investiere doch nicht in des Kaisers neue Kleider. Und Müll gibt es auch nach dem Zusammenbruch noch en masse!

Wir danken allen Beteiligten für ihre Stimme.

Teuro

Deutschland wird finanzpolitisch an den Folgen dieser Politik ersticken.“ [1]
Otmar Issing, ehemaliger EZB-Chefvolkswirt

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Eine ältere Dame geht in eine Bank, und will dort ein Sparbuch eröffnen und 1000 Euro einzahlen.

Dame: “Ist mein Geld bei Ihnen auch sicher?
Kassierer: “Klar doch!
Dame: “Und was ist, wenn Sie pleite machen?“
Kassierer: “Dann kommt die Landeszentralbank auf!
Dame: “Und was, wenn die pleite machen?
Kassierer: “Dann kommt die Bundesbank auf!“
Dame: “Und wenn die pleite macht?
Kassierer: “Dann tritt die Bundesregierung zurück, und das sollte Ihnen nun wirklich die 1000 Euro wert sein!

* * *

Claudia Roth, Frank-Walter Steinmeier und Angela Merkel fliegen über Deutschland.

Sagt Roth: “Wenn ich einen 100-Euro-Schein runter werfe, dann freut sich ein Deutscher!

Sagt Steinmeier: “Wenn ich zehn 10-Euro-Scheine runter werfe, dann freuen sich zehn Deutsche!

Sagt Merkel: “Wenn ich hundert 1-Euro-Stücke runter werfe, dann freuen sich hundert Deutsche!“

Dann sagt der Pilot: “Wenn ihr nicht bald euer Maul haltet, dann werfe ich euch runter und es freut sich ganz Deutschland!

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Drei Frauen unterhalten sich: “Mein Mann ist Arbeiter. Er taucht Kekse in Schokolade und verdient monatlich 800 Euro.

Mein Mann ist Automechaniker. Er taucht Kotflügel in Farbe und verdient monatlich 1300 Euro.

Mein Mann ist Politiker. Er taugt gar nichts und verdient monatlich 20000 Euro!

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Bilanz der Verblödung

Am besten lebt es sich in einer untergehenden Kultur, wenigstens anfangs,
wenn man noch von den Ideen und dem Fleiß der Vorväter zehren kann.
“ [1]
Volkmar Weiss, Intelligenzforscher


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Um langfristige Entwicklungen einer Industriegesellschaft nachvollziehen und treffgenau vorhersagen zu können, sind historische und soziologische Analysen sinnvoll. Löblich ist auch der optimistische Elan von linken Gruppierungen, die nun, über 100 Jahre nach dem Beginn des Begabungsschwundes im deutschen Volk, Plakate mit Parolen fertigen: „Der Kampf gegen die Dummheit hat gerade erst begonnen“, bei welchen die im Motiv zusammengebundenen Schnürsenkel sicherlich die pfiffige Metapher für die Zerschlagung eines gordischen Knotens darstellt.

In einem Zusammenhang mit seinem Buch „Das Reich Artam“ [1] resümierte der Intelligenzforscher Vokmar Weiss den „Kreislauf der Bevölkerungsqualität und der politischen Verfassungen der Industriegesellschaft“, wobei das Wertvolle jenes Buches nicht in seiner schlichten Handlung oder den walserschen Obszönitäten besteht, sondern in jenen Kapiteln mit den Veranschaulichungen der Fragen, welche den Auf- und Abstieg von Gesellschaften beinhalten. Die Subsumierung von Oswald Spenglers Darstellungen eines Kulturverfalls und Wilhelm Hartnackes Warnungen vor dem Begabungsschwund bietet sicherlich Stoff für Thriller, die in populärwissenschaftlichem Gewande interessante Aspekte vermitteln können, wobei der verarbeitete Anteil wissenschaftlichen Inhaltes und seichter Unterhaltung immer einer Abwägung geschuldet ist, welche Klientel man erreichen möchte.

Wenn wir die Geschichte vergangener Hochkulturen überblicken – das allen bekannte Beispiel ist die Geschichte des Römischen Reiches – so fällt auf, daß lange vor dem äußeren Zusammenbruch ein innerer Verfall einsetzte. Von einem gewissen Punkt an gab es fast nur noch Mißerfolge. Die Wirtschaft stagnierte und die Finanzen des Staates, der Städte und der Gemeinden gerieten immer stärker in Unordnung, die Zahl der Unterstützungsempfänger stieg von Jahr zu Jahr, obwohl jeder neue Herrscher mit dem erklärten Ziel antrat, diese Zahl zu senken. Die Sicherheit der Bürger war gefährdet, das Auftreten von Mann und Frau hatte sich ebenso verändert wie das Verhältnis von Jung und Alt. Die gesamte Gesellschaft schien wie von einer Krankheit befallen zu sein und unfähig geworden, richtige Entscheidungen zu treffen und auszuführen. Obwohl keiner den Niedergang wollte, steuerten die Staaten und ihre Menschen mit innerer Folgerichtigkeit auf einen Abgrund zu, so als wäre es ihr eigentliches Ziel, in den Abgrund zu stürzen.

dummheit_menschen_abgrund

Eine Kultur im Aufstieg setzt eine gewisse Anzahl von Menschen voraus, so daß nicht alle damit beschäftigt sein brauchen, nur für ihre täglichen Bedürfnisse zu sorgen, sondern viele gering Qualifizierte die alltäglichen Arbeiten für wenige Hochqualifizierte verrichten, sie entlasten und ihnen damit die Möglichkeit geben, ihre speziellen Begabungen zum Nutzen aller einsetzen zu können. Die Völker Kerneuropas, die seit mehreren Generationen fleißig gearbeitet, bescheiden gelebt und vom Einfallsreichtum ihrer Begabten profitiert hatten, erreichten um 1800 und dann in den folgenden Jahrzehnten immer ausgeprägter, daß sich ihre Lebensbedingungen tatsächlich und fühlbar verbesserten. Seit es Hygiene gab, Impfungen und steigende landwirtschaftliche Erträge, erhöhte sich die Geburtenzahl und die Sterblichkeit der Säuglinge und Kleinkinder ging sehr stark zurück. Die Einwohnerzahlen stiegen. Als die Eisenbahn größere Transportleistungen und damit die Versorgung großer Binnenstädte ermöglichte, konzentrierten sich die Menschen in den städtischen Ballungsräumen. Ein neues Zeitalter hatte begonnen, das unendlichen Fortschritt zu versprechen schien.

Der Aufstieg zu einer Hochkultur verläuft ebenso wie der Abstieg über viele Generationen, ehe sich letzterer im eigentlichen Zusammenbruch in katastrophaler Weise beschleunigt. Der Aufstieg geht mit einem langsamen Anstieg der Zahl und des Anteils der Begabten, die folgerichtig denken und schließen können, einher. Umgekehrt bewirkt die Abnahme der geistigen Fähigkeiten, das Seltenerwerden der Begabten, einen langsamen Verfall der Kultur. Der Niedergang wird stets durch die Ausdünnung der Elite eingeleitet, denn allein ihr Wirken hat zur Folge, daß eine Volkswirtschaft ihre Konkurrenzfähigkeit behält oder verliert. Eine Hauptforderung der überfüllten Gesellschaft ist deshalb stets die nach der Enteignung der Besitzenden. Bereits im total überfüllten alten Rom versuchte man, die sozialen Spannungen durch Umverteilung und Enteignung der Besitzenden zu beheben, jedoch ohne Erfolg. Hat ein Volk erst einmal den Zenit seiner Entwicklung durchschritten, so werden instinktiv von der Mehrheit alle Vorschläge abgelehnt, die geeignet wären, den Niedergang zu hemmen oder gar zu stoppen. Ohne daß den Massen die Folgen bewußt sind, bejubeln sie in einer Demokratie mit allgemeinem Stimmrecht – so als wären sie biologisch gesteuert – stets jene Maßnahmen, die ihre momentane Lage erleichtern, die aber mit Sicherheit zu einer mittel- und langfristigen Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage führen und in einer Katastrophe enden.

Ein Tier, das kein Revier beherrscht, hat keine Nachkommen. Auch sämtliche Kulturen der Menschen haben sich ursprünglich nach dem Grundsatz entwickelt: Nur der, der etwas besaß und gesund war, gelangte zur Heirat und zur Fortpflanzung. Solange der allgemeine Wohlstand gering war, fanden die Armen und die Besitzlosen meist keinen Partner. Bis um 1850 gab es fast überall Heiratsverbote für Besitzlose. In Mitteleuropa hatte ein Ehepaar auf einem Vollbauerngut im Durchschnitt sechs oder sieben Kinder, von denen vier das Heiratsalter erreichten, die anderen jedoch früher starben. Ein Ehepaar mit nur einem Haus und wenig Land hatte drei oder vier Kinder, von denen nur selten mehr als eines das Heiratsalter erreichte. Da die Zahl der Vollbauernstellen aber begrenzt war, mußte in jeder Generation ein Teil der Kinder eine neue Existenz gründen, wobei die Untüchtigen oder wenig vom Glück Begünstigten einen sozialen Abstieg in Kauf nehmen mußten, der wiederum die Überlebenschancen ihrer Kinder verringerte. Es fand ein Ausleseprozeß statt, der den Alltag unserer Vorfahren bis an die Schwelle der sogenannten Moderne bestimmte, ja ihre Voraussetzung war. Größere Kinderzahlen und höhere Aufwuchszahlen fand man nur bei den Besitzenden. Sie konnten Frau und Kinder ernähren, sie benötigten Erben als Nachfolger für Haus, Hof, das Geschäft oder den Betrieb. Die Wohlhabenderen waren aber meist auch die Klügeren, die Gesünderen. So vermehrten sich unter den ungünstigen Lebensbedingungen vor 1850 die Tüchtigen, die Gescheiten stärker als die Untüchtigen. Mit ihrem Fleiß und ihren Einfällen verbesserten die Tüchtigen die Lebensbedingungen für das gesamte Volk. Diese Voraussetzungen erlaubten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nun auch den Armen, den Dummen und den Trägen die Aufzucht einer großen Kinderschar.

Bereits während des 19. Jahrhunderts begann der Prozentsatz der auf Unterstützung und Hilfe Angewiesenen unaufhaltsam zu steigen. Die Dörfer, in denen sie Heimatrecht hatten, waren verpflichtet, Alte und Erwerbsunfähige zu unterstützen. Als die Zahl der Menschen, die in das Umland der großen Städte abgewandert waren, über alle Maßen anwuchs, sahen sich sie Dörfer außerstande, den Verpflichtungen des Heimatrechts nachzukommen. Um das Elend der verstädterten Massen zu lindern, erließ Bismarck die ersten Sozialgesetze, um den Forderungen der nach allgemeiner Gleichheit drängenden Sozialisten und Kommunisten die Spitze zu nehmen. Während die Leistungsfähigen begannen, die Zahl ihrer Kinder zu beschränken, sanken die Kinderzahlen bei den Leistungsschwachen erst Jahrzehnte später. Für ihre Kinder forderten und erhielten sie staatliche Unterstützung. Auf diese Weise begann die Züchtung der Dummheit.

Nach 1900 bekamen die Armen im Durchschnitt die meisten Kinder. Die Armen waren und sind aber oft auch die geistig und körperlich Schwächeren. Ein Volk aber, das zu einem wachsenden Prozentsatz aus kränklichen, defektbehafteten oder auch nur leistungsschwachen Individuen besteht, an die ständig steigende Solidaritätszahlungen geleistet werden, wird als Volk allmählich leistungsschwächer. So wie Tiere ihre Potenz durch Balzen zur Schau stellen, so unterstreichen beim Menschen Sozialprestige und Prestigekonsum den sozialen Status. In aufsteigenden Gesellschaften haben die Männer mit der größten Potenz, die Erfolgreichsten, auch die attraktivsten Frauen und die meisten Nachkommen. In Gesellschaften jedoch, die sich dem Gipfel des Zyklus’ nähern, verkommt das Balzen von Mann und Frau immer mehr zum Selbstzweck. Ihr Modebewußtsein, ihre Automarke, ihre Prestigereise auf die Seychellen und ihr Gurren auf den Fernsehschirmen stehen in keinem Zusammenhang mehr mit der Zahl und der Qualität ihrer Nachkommen.

Beim Menschen ist es nicht anders als bei den Tieren. Fördert man die Vermehrung von Ackergäulen, erhält man auch Ackergäule und keine Rennpferde. Die Leistungskraft eines Volkes steht aber in einem direkten Verhältnis zur Prozentzahl der vorhandenen Klugen und Tüchtigen. Schon als Maurermeister braucht man einen IQ von mindestens 105, um richtig kalkulieren zu können. Die Konstruktion einer neuen technischen Anlage setzt einen IQ von 124 und höher voraus. Der Prozentsatz der Personen mit einem IQ über 105 – der bei einem tüchtigen Volk … etwa 40% ausmachte – steht damit in einem direkten Zusammenhang mit dem Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt. Die Klugen und Tüchtigen lassen sich nicht durch Schule und Ausbildung je nach Bedarf erzeugen, ihre Zahl ist vielmehr genetisch angelegt, wie die der Rennpferde auch.

Mangel an Entfaltungsmöglichkeiten und Raumenge wird von der Oberschicht in anderer Weise und viel früher wahrgenommen als von der Unterschicht, am stärksten jedoch von der nach oben strebenden Mittelschicht. Die gebildeten Mittleren reagierten deshalb als erste auf Raumenge mit Geburtenbeschränkung. Als sich um 1880 die Menschen vom Land und den Kleinstädten auf der Suche nach Arbeit und Brot in den gewerbefleißigen Dörfern rund um die großen Städte ballten, die mit den industriellen Vororten rasch zu Großstädten und Millionenstädten zusammenwuchsen, da war mit dieser Ballung der Menschen der Aufstieg der Sozialisten verbunden, die Forderung nach Gleichheit und dem allgemeinen Stimmrecht. Beeindruckt von dem entstandenen Gedränge und den sich verringernden Chancen zum sozialen Aufstieg, begannen die Gebildeten und Verantwortungsbewußten mit der Empfängnisverhütung, die den notwendigen Zusammenhang von Ursache und Folge im Chaosszenario herstellt.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein starben wegen der ungesunden Lebensverhältnisse in allen großen Städten mehr Menschen, als geboren worden sind, und die großen Städte konnten ihre Einwohnerzahl nur durch ständige Zuwanderung halten und dann sogar mehren. … Aber unter welchen Voraussetzungen? Unsere Vorfahren hatten genau darauf geachtet, daß pro Generation nur die Personenzahl in der Stadt als Bürger aufgenommen worden ist, deren Gewerbe und Arbeit in der Stadt gebraucht wurde. Wer Bürger werden wollte, mußte bereit sein, sich an Art und Sprache der Stadt anzupassen. Diejenigen, die in der Stadt keine Arbeit hatten, mußten die Stadt wieder verlassen. Ein Heer von Proletariern, das auf Staatskosten gefüttert wurde, wie in der Endphase Roms – solche Zustände konnte und wollte sich keine gesunde Stadt leisten. Die Einwanderungspolitik einiger Länder, wie z. B. Neuseelands, versuchte … genau das zustande zu bringen, was früher die Grundlage jeder wirtschaftlich blühenden Stadt war.

Hat eine Art, hat eine Bevölkerung oder hat gar die gesamte Menschheit den Raum überfüllt, so wendet sich die Evolution gegen die betreffende Population als Ganzes, und Einzelschicksale spielen in dieser Katastrophe keine große Rolle mehr. Bei Überfüllung des Raumes ist im göttlichen Plan der Natur vorgesehen, vor allem die Nachkommen zu schädigen, so daß sich sowohl ihre Quantität wie ihre Qualität vermindert. Unabdingbare Voraussetzung für eine große Schar gesunder Kinder ist die Zahl vitaler Frauen. Muß aber infolge Überfüllung die Geburtenrate rückläufig werden und sollen die Nachkommen wenig lebenstüchtig und in ihrer Konstitution schwächlich sein, so muß primär das weibliche Geschlecht insgesamt, ganz besonders aber in seiner durch nichts ersetzbaren Fortpflanzungsfunktion geschädigt werden. Das geschieht am wirkungsvollsten, indem man es aus seiner jahrtausendealten, gegenüber dem männlichen Geschlecht andersartigen, Stellung entfernt und auf seine völlige Gleichstellung im Arbeits- und Berufsleben drängt.

Die europäische Nation, die als erste in dem irgendwann im 17. Jahrhundert einsetzenden Zyklus eine hohe Bevölkerungsdichte erreichte, waren die Franzosen. Das aufstrebende Bürgertum spürte die Beschränkung der Reichweite am ersten und heftigsten, aber das Streben nach Veränderung erfaßte auch die unteren Schichten. Im Gedränge stört der andersartige, höhergestellte Mitmensch am meisten, während der gleiche noch am ehesten erträglich ist. Dieser Zwang zur Gleichheit verlangt die Beseitigung der Individuen, die aus einer Masse herausragen und das Streben nach einem für alle erreichbaren und daher relativ niedrigen Niveau auf sämtlichen Gebieten, und die staatlich organisierte Umverteilung, die wiederum die Zentralisierung der Verwaltung voraussetzt. Unter der Losung „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ dezimierte die Französische Revolution, als erste Revolution in unserem Zyklus, nicht nur die Aristokratie, sondern köpfte alsbald jeden aus der Masse herausragenden Geist, und zum ersten Mal sanken danach die Geburtenzahlen in einem vom unaufhaltsamen Fortschritt befallenen Land (also in Frankreich) dramatisch. Da in anderen Ländern weder mit dem Ventil der überseeischen Auswanderung noch mit dem Verheizen der Söhne in den Schützengräben des Weltkriegs genügend Dampf abgelassen werden konnte, brach sich die Gleichheitsideologie in Form von Kommunismus und Sozialdemokratie Bahn und gipfelte in den Revolutionen von 1917 und 1918 in Rußland und Deutschland.

Die Judenpogrome in der Ukraine, die Hunderttausende Juden nach Mitteleuropa trieben, sind nichts anderes als eine weitere Erscheinungsform des Kampfes gegen das Ungleiche im enger werdenden Raum gewesen. Waren in der sozialen Oberschicht die Angehörigen einer anderen Rasse oder eines anderen Volkes besonders häufig vertreten, so wurden sie früher oder später zwangsläufig zur Zielscheibe, nicht nur die Juden. Regionale Wirtschaftseliten wie die Chinesen in Südostasien, die Libanesen in Westafrika, die Inder in Ostafrika, … die Deutschen in Ost- und Südosteuropa …, die Kreolen in Lateinamerika, die Weißen in Südafrika, die Armenier in Kleinasien – sie alle wurden früher oder später zum Gegenstand von Terror und Vertreibung, ja Ausrottung. Wer bei demokratischen Wahlen die Masse gegen eine rassisch, ethnisch und sozial abgehobene Wirtschaftselite aufbrachte, hatte gute Chancen, die Wahlen und die Macht zu gewinnen.

Der sich über mehrere Jahrhunderte erstreckende Zyklus, der vom Ende des 17. Jahrhunderts bis in die Mitte des 21. Jahrhunderts ablief, bestand aus Auf- und Abstieg, jedoch niemals geradlinig, sondern innerhalb der Grundrichtung wellenförmig, manchmal beschleunigt, manchmal gebremst. Wann war der Umkehrpunkt erreicht, von dem an es kein Zurück mehr gab? Es ist im übertragenen Sinne der Punkt, an dem der Brennsatz der Rakete erlischt. Von diesem Punkt an verläuft der Flug nach den Gesetzen einer ballistischen Kurve, anfänglich noch steigend, dann aber langsam umkippend und schließlich immer rascher abwärts stürzend. Für das Deutsche Reich lag dieser Punkt zweifellos bereits zwischen den Jahren 1880 und 1890. Dieser Punkt ist nicht zu verwechseln mit dem Scheitelpunkt einer Kultur, von dem es dann mehr oder wenig schnell, aber ständig abwärts geht. Dieser Zenit, erkennbar vor allem an der Weltgeltung der deutschsprachigen Wissenschaft, lag nach 1918.

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