
Aus jenen Vorfällen heraus, bei welchen im Berliner Casinius-Kolleg Jesuitenlehrer „sexuellen Mißbrauch“ an ihren Schülern begangen haben sollen, entspann sich im und um das „AutorInnenkollektiv Dr. Hilde Benjamin“ eine revolutionäre Diskussion über die politische Deutung aus Sicht des gefestigten Klassenstandpunktes. Dieser Diskurs der fortschrittlichsten Elemente unserer noch in bornierten Schemata verhafteten Gesellschaft soll Strukturen aufbrechen, die das Grundelement der Unterdrückung von Lebewesen und NichtlebewesInnen darstellen, und wird von uns aus diesem Grunde den Werktätigen und NichtwerktätigInnen zur geistigen Erfrischung zusammengefaßt dargeboten.
So argumentiert das AutorInnenkollektiv, „dass die heuchlerische bürgerliche sexualmoral des systems kirche es ist, was zu den übergriffen ihrer mitbrüder“ führe und prognostiziert nach dem Verbot des „sexualrepressiven zölibates“: „Die befreiung zur befriedigung eines bedrüfnisses beugt schlimmeren kompensationshandlungen vor, die straftaten wären.“
Hier stellt sich für weltanschaulich aufgeklärte MitbürgerInnen allerdings die Frage, ob als „Straftaten“ definierte Taten nicht selbst einer „heuchlerischen bürgerlichen rechtsmoral des systems bürgertum“ entstammen und die ausführenden „Straf“-Täter zudem diskriminieren.
Das Problem der Diskriminierung ist denn auch Diskussionsgegenstand zwischen dem wissenschaftlich-marxistischen AutorInnenkollektiv (Harry Tisch, Steinzeitmarxist und politbuerokrat) sowie den pragmatisch-antidiskriministischen AutorInnen von netzwerkrecherche.
GenossIn Harry Tisch vermeldete zunächst zwei weitere Exzesse aus der klerikalfaschistischen Szene. So seien die „knabenschändungen nur die spitze des eisberges“, das AutorInnenkollektiv sei „da an zwei sachen dran, die schon lange von der katholischen kirche vertuscht werden“:
zwei rauhaardackel aus dem katholischen tierheim im oberpfälzischen groschlattengrün zeigten auffälligkeiten, als sie ihre ausbildung zum grubenhund für saarländische zechen antreten sollten. wir vermuten zoophile exzesse.
und auch in der aufbahrungshalle des kirchlichen bestattungsinstituts in hundeluft (lkr. wittenberg) soll sich ein nekrophilieskandal zugetragen haben. leider schweigt das mutmaßliche opfer beharrlich. die genossin dr. hilde benjamin hätte in einem solchen fall unbeirrbar gehandelt und nach dem rechtsgeschichtlichen vorbild der leichensynode von 897 das opfer zur zeugenaussage bewegt!
Beschämt und betroffen darüber, daß zwischen der notwendigen Aufklärung über das faschistische Milieu auch Tendenzen einer Sexualmoral mitschwingen, die eines fortschrittlichen GenossIn unwürdig sind, antworteten wir im Sinne der Befreiung der Mensch_innenheit und ihrer Fortschreitung zur Glückseligkeit:
Sehr geehrter Genosse Harry, der progressive Schritt zum Kommunismus, die Postulierung der Gleichheit, wird sich dorthin bewegen, daß MenschInnen auch mit TierInnen intensivere Liebesbeziehungen aufbauen dürfen.
Allerdings … wird auch diese Diskriminierung der Nichtgeliebten durch sich liebende Zweier- und Dreierpärchen dereinst beendet.
In der glücklichen kommunistischen Endgesellschaft liebt sich jedes mit allem, wo und wann es gerade Lust hat.
Aus der Fragestellung heraus, welcher Doppelname als Nachname dann noch zutreffend wäre, ergab sich die Zielvorstellung, den Menschen von seiner belastenden traditionalistisch-faschistischen Vorprägung auch in dieser Hinsicht zu befreien:
Warum soll Transgender Müller, nur weil er/sie heute eine Ziege liebt, heiraten müssen und HerrIn Müller-Ziege heißen?
Wo morgen doch vielleicht schon wieder ein/e SchweinIn oder ein/e HuhnIn der geliebte Partner ist.
Deswegen ist in der kommunistischen Gesellschaft der Strichcode zur individuellen Personifizierung aller Lebewesen ausreichend, wobei darauf geachtet werden sollte, daß niemand mit zuvielen dicken Strichen diskriminiert wird.
GenossIn Steinzeitmarxist:
… nicht nur das elterliche erziehungsrecht, sondern auch das recht der eltern, einem kind namen zu geben, ist ein erzreaktionäres ärgernis auf dem weg zu einer befreiten gesellschaft.
alleine schon dadurch, dass eltern ihr kind “franz”, “mordechai” oder “mohammed” nennen dürfen, drücken sie ihm einen stempel auf, der sie des aberglaubens verdächtig macht.
aus diesem grunde ist die idee mit dem strichcode die ideale lösung, um menschen identifizierbar zu erhalten. zahlencodes alleine wären immer noch missbrauchsanfällig, da zb nazis mit ihnen arbeiten.
GenossIn Harry Tisch verweist darauf, „dass mensch nur eine abart des tieres ist“ und es somit „für die kriminalisierung und ausgrenzung zoophiler keinerlei rational haltbare begründung“ gäbe. Weiterhin seien auch die Nekrophilen rechtlich gleichzustellen:
wir sollten auch den kampf gegen die diskriminierung nekrophiler intensivieren. sie dürfen derzeit nicht nur nicht heiraten oder eine eingetragene lebenspartnerschaft eingehen, sondern haben auch keinen anspruch auf gesetzliche witwenrente. aus meiner sicht ein skandal.
andererseits wird am ende die witwenrente aller für alle stehen, wenn die kommunistische gesellschaft verwirklicht ist. denn wenn die freie sexualität herrscht und die ausbeutung beseitigt ist, bildet das gemeinvermögen die grundlage für die witwenrentenansprüche aller gegen alle.
Daß dieses Denken noch spätkapitalistischen Kategorien verhaftet ist, mußten wir klarstellen:
Genosse, warum Witwenrente als Relikt kapitalistischer Versorgungsversprechen?
Der Kommunismus benötigt weder Geld noch Ausbeutung. Alle LebewesInnen, auch WitwInnen, gehen frei und wann sie wollen in den Konsum oder ins Magasin und nehmen sich, was sie für das glückliche Leben wünschen.
Und in Richtung des GenossIn Steinzeitmarxist:
Auch mit Strichcodes könnte Diskriminierung betrieben werden, etwa wenn ein/e LebewesIn mehr Striche hätte als ein/e andere/r.
Eltern?
Fort-Pflanzung ist ein reaktionäres Relikt, das die MenschInnenheit auf ihrem Weg zum Fort-Schritt immer wieder behindert und zurückgeworfen hat. Schon aus Gründen der ungerechten Bevorteilung heterosexueller und damit der Diskriminierung anderweitiger PartnerInnenschaften muß menschliche Fortpflanzung abgeschafft und in die Hände des kommunistischen Gemeinwesens gelegt werden, wobei die Gentechnik neue Möglichkeiten eröffnet:
Damit es keine Diskriminierung durch den Phänotyp gibt, sollten die Gene aller LebewesInnen zu einem Brei verrührt und daraus das glückliche LebewesIn der kommunistischen Zukunft geschaffen werden: geschlechtslos, impotent, grau und debil.
Verweist GenossIn politbuerokrat noch darauf, daß das Diskriminierungspotential von Strichcodes bei Zebras erforscht werden könnte, so hält GenossIn Harry Tisch noch einmal fest, daß es gemeinsame Ahnenketten von Menschen und Affen bzw. von Menschen und Pferden geben müßte, wie das Vorkommen von Nazis bzw. von Jessica Parker naheläge.
Bei der visionären Fortschreitung des Fortschrittes waren sich das AutorInnenkollektiv und netzwerkrecherche insoweit einig, daß Liebe kein Verfügungsmittel einiger weniger Menschen sein darf, welche die Definitionshoheit über den Begriff der Liebe innehaben und ihre Umsetzung reglementieren, und auch nicht ungerecht verteilt sein darf, sondern allen LebewesInnen frei, gleichmäßig und kostenlos zur Verfügung stehen muß. Allerdings würden noch Defizite bei der praktischen Umsetzung der liebokratischen Weltrevolution bestehen:
Erschütternd ist hingegen, daß man im Land des einstigen geistigen und technologischen Fortschrittes die Gleichheit aller Menschen zu leugnen beginnt. Damit katapultiert sich die Sowjetunion ins tiefste Mittelalter zwischen Rasse-Günther und Nazi-Rieger!
Es steht zu befürchten, daß die ethnogenderkommunistische Weltrevolution diesmal nicht in Leningrad, sondern in Merkelmania (ehem. Berlin) ihren fulminanten Siegeszug beginnen muß.
Vor allem die MenschInnen im Orient lechzen regelrecht nach der Befreiung aus den traditionalfaschistischsexistischen Fesseln und wünschen sich nichts sehnlicher als transgenderische Beziehungen.
PS: Die “Kommission für eine gerechte Sprache ohne Diskriminierung” sucht noch nach einer Alternative zum Begriff “Transgender”, in welchem auch nekrophile, sodomitische, pädophile, transphänotypische usw. Liebesbeziehungen eingeschlossen sind.
Hier versprach das AutorInnenkollektiv Unterstützung. GenossIn Harry Tisch wandte allerdings ein:
…eine zu sehr auf die phänotypische gleichheit bedachte betrachtungsweise vernachlässigt und diskriminiert formen der sexuellen zuneigung, die sich abseits jener zu organismen und damit sich regender materie verorten. wollen wir wirklich ein unwerturteil fällen oder in reaktionär-regressiver intoleranz verharren gegenüber menschinnen, die sich zu nicht organischer materie hingezogen fühlen, sondern stattdessen etwa zu haushaltsgeräten, gebäudebestandteilen, kleindungsstücken oder gerüchen?
was wir brauchen, ist umfassendes “state of aggregation mainstreaming”. keine materie soll mehr auf grund ihres aggregatzustandes vor- oder nachteile haben. vor dem urknall war diese form der gleichheit auch verwirklicht und das kann nur bedeuten, dass die segregation zwischen den unterschiedlichen erscheinungsformen der materie doch auch nur ein vorgriff auf sündenfall der erfindung des privateigentums und damit der ausbeutung des menschen durch den menschen sein kann.
GenossIn Steinzeitmarxist fügte hinzu
… was einen der schlimmsten skandale im heutigen spätkapitalismus darstellt und aus meiner sicht zurzeit noch aktueller, ist die kriminalisierung der anthropophagen sexualität – einer alternativen lebensweise, die gleich zwei der großen menschheitsprobleme auf einmal bekämpft: den hunger in der welt und die überbevölkerung.
Die gesamte Arbeiterklasse und alle NichtwerktätigInnen in Stadt und Land können also hoffen, daß ihre Befreiung vom Joch der unzumutbaren spätkapitalistischen Sexualzustände zügig vonstatten geht, auch wenn die in geschichtlich längst überkommenen Parteibünden organisierten Erzreaktionäre der Sozialisten, Grünen und Liberalen ihr Ablenkungsmanöver des Gendermainstreamings dazu mißbrauchen, den Unterdrückten revolutionären Fortschritt vorzugaukeln, um in Wahrheit jedoch durch die einseitige Bevorteilung jede Liebes- und Lebensform zu diskriminieren, die sich außerhalb des engen Rahmens genderneutraler Entfaltungsmöglichkeiten bewegt.
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