Unerwünscht

In Zukunft, also im 20. Jahrhundert, werden diejenigen in einer Gesellschaft die eigentliche Macht ausüben, die fähig sind, ihre Sprachregeln in der Gesellschaft durchzusetzen. Dann ist die Wahl der Begriffe und der Sprache kein Nebenkriegsschauplatz, sondern dann wird der Kampf um die Sprache zur entscheidenden Schlacht.” [1]
Friedrich Nietzsche


Gleich drei Bündnisse wollen zeigen, dass die Rechten in der Elbstadt nicht erwünscht sind. [2] Es war ein klarer Sieg der Demokraten … Überall in der Stadt sah man Menschen mit weißen Rosen am Revers, und selbst unter einer Leuchtschrift, die seit den Tagen der DDR „Dresden grüßt seine Gäste“ verkündet, hing am Samstag ein Transparent mit der Aufschrift: „…auf Nazis verzichten wir!“ [3] Die „braunen Horden“ seien unerwünscht, rief die Bürgermeisterin den Menschen zu. Vereinzelt kam es zu Gewaltausbrüchen. [4]

Der Verfassungsschutz Thüringen konstatierte bereits vor 10 Jahren, daß „,Sprachschöpfungen’ großen Stils stets ein konstitutives Merkmal totalitärer Ideen“ wären, und „dass sich bei allen ideologischen Unterschieden übergreifende inhaltliche Gemeinsamkeiten ausmachen lassen“. Die „große Gemeinsamkeit“ bestünde „im Inhaltlichen, nämlich darin, dass sich … über jede ideologische Divergenz hinweg deutliche Freund-Feind-Definitionen finden (,wer nicht für uns ist, ist gegen uns’), die zudem eine eindeutige, zwar unterschiedlich formulierte, im Kern jedoch gleichlautende Botschaft zum Umgang mit unliebsamen Zeitgenossen transportieren. Die Botschaft lautet: bekämpfen, vernichten.“ [5]

Hannah Arendt, die „Begründerin der modernen Totalitarismusforschung“, nennt als eines der charakteristischen Merkmale totalitärer Ideologien „die Bildung einer eigenen Sprache zur Abgrenzung nach außen und zur Homogenisierung nach innen.“ Diese Erkenntnis ist weder auf eine rechte oder linke Massengesellschaft beschränkt, sondern war und ist seit jeher Herrschaftsinstrument. Jede Gesellschaft bzw. ihre Machtelite hat ihren Duktus, ihre Euphemismen und Dysphemismen, um das aus der eigenen Sichtweise heraus definierte „Gute“ und „Böse“ für die Massen begreifbar zu machen. Allerdings weckt der Mißbrauch der Sprache durch eine Psychomacht genauso Widerstände, wie sie willige Anhänger findet.

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