Teilhabe

Teilhabe

Integration“ ist eine verschlissene Floskel des Propagandaapparates, welche sowohl bei Autochthonen, als auch bei Migranten nur noch Hohnlachen erzeugt. Dementsprechend kündigte die niedersächsische Landesregierung an, diesen Begriff nicht mehr verwenden zu wollen und stattdessen von einem „selbstverständlichen Anspruch auf Teilhabe und Partizipation“ zu sprechen. Sozialministerin Cornelia Rundt forderte zudem eine bessere „Willkommenskultur“.

Der „selbstverständliche Anspruch auf Teilhabe und Partizipation“ ohne erfolgte Integration ist quasi der Rechtsanspruch der ganzen Erdbevölkerung auf das Eigentum deutscher Bürger. Der als Euphemismus gedachte Begriff „Integration“ ist verbraucht, das, was er versinnbildlichen sollte, offiziell gescheitert. Zwangsläufig muß er durch besser klingende Worte ersetzte werden, bis auch diese an der Lebenswirklichkeit scheitern und in einigen Jahren pejorativ konnotiert sind, weil sie mit „Sonderprivilegierung“ und „Machtübernahme“ assoziiert werden.

Der nunmehr geltende „selbstverständliche Anspruch auf Teilhabe und Partizipation“ impliziert, dass seitens der zugewanderten Migranten keine Bringschuld mehr besteht, sich in die deutsche Mehrheitsgesellschaft einzufügen, sondern diese sogar vielmehr einen „selbstverständlichen“ – wohl auch rechtlichen – Anspruch darauf haben.[…]

Rhetorische Kampfbegriffe, Umbenennen etablierter Vokabeln sowie Einschleusen neuer Termini sind probate Instrumentarien jeder Diktatur zum Relativieren, Verschleiern, Leugnen akuter Problematiken u. dramatischer Fehlentwicklungen, um das Volk von der Realität fernzuhalten.

Wir schrieben bereits vor zweieinhalb Jahren bezüglich der Forderung der hessischen Landtagsabgeordneten Mürvet Öztürk, „kulturunsensible“ Begriffe wie „Migrationshintergrund“ oder „Integrationsprozeß“ abzuschaffen: Die Herrschaft über die Begriffe, welche multimedial in die Hirne der Meinungskonsumherde getrichtert werden, führt zur Herrschaft über die Urteilsfähigkeit der Masse.

Doch nicht überall stößt die von den Machthabern verordnete Lingua Dominata auf Ablehnung: Der in Hamburg gestrandete PoCrikaner Marimbo Karamba möchte seinen Anspruch auf Teilhabe und Partizipation umgehend wahrnehmen und fordert für sich und seine Refugee-Kollegen von der Sozialministerin Rundt den Dienstwagen, das private Drittauto sowie die Schlüssel zur Eigentumswohnung und zur Ferienvilla.

Unerwünscht

In Zukunft, also im 20. Jahrhundert, werden diejenigen in einer Gesellschaft die eigentliche Macht ausüben, die fähig sind, ihre Sprachregeln in der Gesellschaft durchzusetzen. Dann ist die Wahl der Begriffe und der Sprache kein Nebenkriegsschauplatz, sondern dann wird der Kampf um die Sprache zur entscheidenden Schlacht.” [1]
Friedrich Nietzsche


Gleich drei Bündnisse wollen zeigen, dass die Rechten in der Elbstadt nicht erwünscht sind. [2] Es war ein klarer Sieg der Demokraten … Überall in der Stadt sah man Menschen mit weißen Rosen am Revers, und selbst unter einer Leuchtschrift, die seit den Tagen der DDR „Dresden grüßt seine Gäste“ verkündet, hing am Samstag ein Transparent mit der Aufschrift: „…auf Nazis verzichten wir!“ [3] Die „braunen Horden“ seien unerwünscht, rief die Bürgermeisterin den Menschen zu. Vereinzelt kam es zu Gewaltausbrüchen. [4]

Der Verfassungsschutz Thüringen konstatierte bereits vor 10 Jahren, daß „,Sprachschöpfungen’ großen Stils stets ein konstitutives Merkmal totalitärer Ideen“ wären, und „dass sich bei allen ideologischen Unterschieden übergreifende inhaltliche Gemeinsamkeiten ausmachen lassen“. Die „große Gemeinsamkeit“ bestünde „im Inhaltlichen, nämlich darin, dass sich … über jede ideologische Divergenz hinweg deutliche Freund-Feind-Definitionen finden (,wer nicht für uns ist, ist gegen uns’), die zudem eine eindeutige, zwar unterschiedlich formulierte, im Kern jedoch gleichlautende Botschaft zum Umgang mit unliebsamen Zeitgenossen transportieren. Die Botschaft lautet: bekämpfen, vernichten.“ [5]

Hannah Arendt, die „Begründerin der modernen Totalitarismusforschung“, nennt als eines der charakteristischen Merkmale totalitärer Ideologien „die Bildung einer eigenen Sprache zur Abgrenzung nach außen und zur Homogenisierung nach innen.“ Diese Erkenntnis ist weder auf eine rechte oder linke Massengesellschaft beschränkt, sondern war und ist seit jeher Herrschaftsinstrument. Jede Gesellschaft bzw. ihre Machtelite hat ihren Duktus, ihre Euphemismen und Dysphemismen, um das aus der eigenen Sichtweise heraus definierte „Gute“ und „Böse“ für die Massen begreifbar zu machen. Allerdings weckt der Mißbrauch der Sprache durch eine Psychomacht genauso Widerstände, wie sie willige Anhänger findet.

Weiterlesen

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 245 Followern an