Femen-Interview

Femen Würstchen

Eine eulenfurz-Reporterin sprach mit den Mitgliedern der Tittytainment-Crew „Femen“ über ihre Showeinlage in Dresden.

eulenfurz: Hallo Detlef, hallo Werner!

Beide: Hallo Eule!

eulenfurz: Ihr ward am 13. Februar in Dresden, um dem Chef der Bomberflotte, die Dresden in Schutt und Asche legte, zu danken. Warum?

Detlef: Wir finden es geil, Nazis zu killen. Und nichts Geileres gibt es, als die Vorstellung, gleich ein paar Hunderttausend von ihnen auf einen Streich abzumurksen.

eulenfurz: Das ist eure Ansicht, die nicht jeder teilt. Kommen wir zu der Aktion …

Detlef: … die ein geiles Medienecho ausgelöst hat.

eulenfurz: Ja, das ging herum, die BILD-Zeitung konnte sogar noch ein paar Busenfotos im Regionalteil unterbringen, auch wenn einige Leser wegen der Größe der Brüste protestiert haben sollen.

Detlef: Das ist unverschämt! Wir haben erst vor kurzem mit der Geschlechtsumwandlung begonnen, da wird noch einiges zu erwarten sein. Und daß der Chirurg eine Pfeife war, lag nicht an uns.

eulenfurz: Stimmt, wir waren auch verwundert. In Dresden-Neustadt waren eure Brustwarzen noch dran, vor der Semper-Oper dann plötzlich ab. In der BILD-Zeitung kann man beide Zustände direkt miteinander vergleichen. Was war passiert.

Werner: Die sind uns leider, als wir uns mal eben über die Augustbrücke gebeugt hatten, einfach abgefallen und in den Fluten der Elbe untergegangen.

Detlef: Unser Geschlechtschirurg hat aber schon die Klage am Hals, er muß uns neue annähen! So geht das nämlich nicht, am Ende fallen uns noch die Brüste ab und das war’s dann mit den Nacktprotesten.

eulenfurz: Na hoffentlich nicht, auch wir hätten dann keinen Gesprächsstoff mehr! Ihr habt aber dann vor der Semper-Oper auch nochmal ordentlich Werbung für Halberstädter Würstchen gemacht. Seid ihr noch nicht vegan?

Detlef: Also bitte, ein bißchen Geld brauchen wir auch, und die BILD zahlt so gut auch nicht, zumal sie nach Körbchengröße abrechnet.

eulenfurz: Tatsächlich? Gegen derartig diskriminierende Zustände vorzugehen, da habt ihr noch einiges zu tun. Danke, Werner und Detlef, Mitglieder der Femen-Crew, für euer Statement.

Detlef: Ja, war geil!

Werner: Bitte. Adios!

.

Dresden Nazifrei

Dresden Reichsparteitag

Alljährlich das gleiche Spiel in Dresden: Pünktlich zum 13. Februar marschierten „tausende Rechtsextremisten“ (Sächsische Zeitung) auf, um ihrem Haß freien Lauf zu lassen und an die zivilen Opfer demokratischer Kriegsführung zu gedenken, während „zehntausende Menschen“ (Sächsische Zeitung) gegen diese Rattenschänder und Kinderfänger demonstrierten, tatkräftig unterstützt von einigen Hundert friedlichen Gewalttätern. Immer schon stand fest, daß die Neon-Azis kamen, um von Natur aus unschuldige Linksaktivisten zu Brandschatzungen, Plünderungen und Randalen zu provozieren und den pervers mißbrauchten freiheitlichen Rechtsstaat auf eine harte Geduldsprobe zu stellen.

In diesem Jahr aber waren sie besonders perfide: So wurde ihnen angeboten, auf dem Hinterhof eines Nettomarktes im Gewerbezentrum Pieschen II eine zeitlich begrenzte Standkundgebung abzuhalten, allerdings ohne Schuhwerk, Gürtel, Schals und Mützen, damit sie sich im Schutze von Polizeikräften und unzähligen Überwachungsdrohnen mit Eiern und Kot bewerfen lassen können, aber sie sagten ihr diesjähriges Schaulaufen kurzerhand ab. Als Begründung gaben sie an, ihr Ziel erreicht zu haben, nämlich aus der BRD ein faschistoid-totalitäres Herrschaftsgebilde zu machen, in welchem Meinungsäußerungen der Opposition bestenfalls noch als Farce möglich sind. Schließlich gab es auch unterm Führer Adolf keine Demonstrationen, welche die herrschende Meinung in Frage stellten, und solche Zustände wieder herbeigeführt und dabei alle anständigen Demokraten ordentlich genasführt zu haben, sei allein ihr Verdienst.

Bild oben: Illuminationen wie beim Reichsparteitag in Nürnberg – einmal aus der Luft und einmal aus der Nähe betrachtet – lassen jedes Faschistenherz höher schlagen.

.

Obamas Entschuldigung

Dresden 1945

Dresden ist ein Symbol für die Gräuel der Alliierten, schreibt Spiegel-Online, kein US-Präsident wagte sich je dorthin – jetzt besuchte Barack Obama die aus Ruinen neu aufgebaute Stadt. Für das Staatsoberhaupt war es ein schwerer Gang, der auch die Deutschen bewegte.

Warum? Obama steht ratlos dort, wo früher einmal die barocke Altstadt von Dresden war. Seit dem Massaker der Alliierten am 13. Februar 1945 existiert die alte Stadtstruktur nicht mehr. „Warum“, will der US-Präsident von Ernst Kembusch wissen. Warum löschten die Alliierten damals diese Stadt aus?

Der rüstige, ältere Herr mit schlohweißem Haar hat keine Antwort. „Die haben das einfach so gemacht“, sagt er. Dresden war kein Ort der Wehrwölfe, selbst die wahnwitzige Vergeltungslogik der Alliierten kann das Furchtbare nicht erklären. Kembusch weiß ja nicht einmal, warum er damals überlebte.

Zehntausende oder gar Hunderttausende Menschen dagegen starben.

Barack Obama ist an diesem traumhaften Spätsommertag nach Dresden gekommen, um Abbitte für den Albtraum von vor fast 69 Jahren zu leisten. Obama besichtigt gemeinsam mit BRD-Präsident Joachim Gauck und dem Überlebenden Kembusch die wenigen Überreste des Grauens. Die DDR-Führung verfügte nach dem Krieg, daß Dresdens Ruinenstadt wieder aufgebaut wird.

Jeder Deutsche kennt Dresden. Die Bombardierung der Stadt stellt eines dieser historischen Ereignisse dar, die im kollektiven Gedächtnis einer Nation bleiben. Und die in diesem Fall auch das Verhältnis zu den Amerikanern konstituieren. Deshalb sollte es niemanden verwundern, dass man noch heute Besucher in Dresden treffen kann, alte Männer und Frauen, deren Blick auf die USA von diesem schrecklichen Ereignis geprägt ist. Allerdings ist Dresden auch bis heute kein einfaches innerdeutsches Thema, weil damals auch Emigranten aus Deutschland zusammen mit den Allierten mordeten.

Obama ist der erste US-Präsident, der Dresden besucht. Auch ein Regierungschef war noch nicht hier. Knapp sechs Jahrzehnte hat es gedauert, bis ein hoher Repräsentant der USA diesen Ort der anglo-amerikanischen Schande besucht. Trotz der deutsch-amerikanischen Freundschaft, die in diesem Jahr schon ihren 50. Geburtstag feiert. Trotz der vielen Städtepartnerschaften, der zig Schüleraustausche.

Tränen am Erinnnerungsbuch

Wahrscheinlich musste erst einer wie Barack Obama Präsident in den USA werden, um an diesen Ort kommen zu dürfen. Obama sagt Sätze wie: „Als US-Präsident ahne ich und als Mensch fühle ich, was diese Entscheidung für Deutschland und die Deutschen bedeutet.“ Die Menschen fühlen, dass er es wirklich so meint.

Obama ist so bewegt, dass er leise schluchzend in eines der ausliegenden Erinnerungsbücher schreibt: „Mit Entsetzen, Erschütterung und Abscheu stand ich vor dem, was hier unter alliiertem Kommando geschehen ist. Demütig und dankbar habe ich die Einladung angenommen. Ich darf heute Zeugnis ablegen, dass es ein anderes, friedliches und solidarisches Amerika gibt. So soll es bleiben. Barack Obama“.

Er zögert. Und legt schließlich seine Arme um Gaucks Schultern. Einen langen Moment verweilen sie so, kurz darauf kommt es noch zu einer Dreier-Umarmung mit dem Überlebenden Kembusch.

In seiner Ansprache in dem Dorf liest der bundesdeutsche Präsident dann ein Gedicht über die Mütter von Dresden vor:

Als sie in Nürnberg saßen,
die Großen zum Gericht,
fragten in Dresden die Mütter:
Ruft man uns nicht?
Aus den Kellern wollen wir kriechen
und starren in euer Gesicht.
Wir Rest der Mütter von Dresden;
die anderen leben ja nicht.

Unmenschliches zu ahnden,
so sagt ihr, sei eure Pflicht!
Da sind wir!
Bessere Zeugen findet ihr nicht!

Wir starrten in unser Kinder
verkohltes Angesicht.
In unseren Fingern zerfiel er,
den wir geboren ins Licht.

Zu Nürnberg, ihr Großen,
nun saßt ihr zu Gericht.
Ruft ihr die Mütter
von Dresden nicht?

Sport frei!

Alljährlich zum 13. Februar bzw. den anliegenden Wochenenden treffen sich in Dresden Rechte, Linke und Polizisten zu einem Kräftemessen. Ging es den Rechten zunächst um eine demonstrative Trauer „um die Opfer angloamerikanischer Kriegsverbrechen“, so wollten die Linken „Naziaufmärsche verhindern“. Der Polizei kam die Aufgabe zu, die genehmigten Märsche der Rechten abzusichern und Chaoten jeglicher Couleur die Leviten zu lesen. In den Medien las sich das jedesmal so, daß zehntausende Menschen einen Aufmarsch von Nazis verhindert hätten und die auf dem rechten Auge blinde Polizei zu überzogenen Maßnahmen gegenüber den Menschen gegriffen habe, welche lediglich ihr Grundrecht auszuüben versucht hätten, nämlich gegen Faschisten Zivilcourage zu zeigen.

In diesem Jahr rüsten die zivilcouragierten Menschen allerdings massiv auf. Auf der Internetseite www.dresden-sportfrei.com bieten sie Waffen an, um „Nazis die rote Karte“ zeigen und „direkt in die Offensive“ gehen zu können. Im Sortiment befinden sich Schlagstöcke, Tränengasgranaten und Quarzsandhandschuhe. Neben technischen Geräten zur Abwehr polizeilicher Überwachung oder zum Abhören des Polizeifunks wird auch das Pepperball Gewehr Tippmann A5 feilgeboten. Das „feuert bis zu 15 Geschosse pro Sekunde ab“. Die Munition kann der Antifaschist „hier im Shop gleich dazubestellen“. Das Gewehr sei „treffsicher aus 30m Entfernung“ und habe ein Highlight: es „durchschlägt in Nahbereich auch Helmvisiere“.

Auch das mit dem Grimme Online Award, einem Preis der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem poldi-Award für die „beste Online-Initiative im Bereich ,Wissenschaft, Bildung und Kultur‘“ ausgezeichnete Internetportal Indymedia Deutschland teilt in eigenwilliger Grammatik begeistert mit: „Seit mehreren Wochen läuft bereits erfolgreich das Projekt ,Dresden Sportfrei‘. Das Portal für sportlich aktive Antifaschist_innen bietet eine ganze Reihe an technischen Equipment für den Einsatz in Dresden.

Wir erwarten nun in den öffentlichen Medien ein Trommelfeuer von Empörungsschreien und Assoziationsketten, so wie sie ausfallen würden, wenn Rechtsextremisten ein solches Waffenarsenal für dartig zielgerichtete Zwecke anbieten würden. Deswegen schalten wir den Rotfunk die nächsten Tage gar nicht erst an. Sport frei!

Sowjetjugend

Wir werden dort sein, wo die Nazis sind.“ [1]
Judith Förster, Bündnis Dresden Judenfrei

In jener Stadt, in welcher Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ihre Flitterwochen verbrachten, bevor Karl seine Homosexualität entdeckte und glücklich wurde, in Dresden also, marschierten am letzten Wochenende wieder mehrere Tausend Gedankenverbrecher auf, deren finstere Gedanken unermüdlich allein darum kreisen, uns die 1989 gegen die Rechtsextremisten erkämpfte Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit wieder wegzunehmen. Weswegen wir die Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit selbst abschaffen sollten, damit diesen Meinungsbanditen nichts mehr übrig bleibt, was sie abschaffen können.

Denn es ist wahrlich verbrecherisch, wenn Gedankenverbrecher das in der DDR-Verfassung implementierte Versammlungs- und Demonstrationsrecht nur dazu mißbrauchen, um alle aufrechten Demokraten der Deutschen Demokratischen Republik zu provozieren. Es wäre doch sinnvoll, nur Demonstrationen zuzulassen, welche unserer weisen Sowjetführung huldigen, möglichst am 1. Mai, der extra arbeitsfrei ist, damit unsere fleißige Regentschaft die Huldigungen auch empfangen kann. Der Sowjetrat sollte also jeden Anmelder unerwünschter Demonstrationen und Versammlungen wegen §86p – Provokation der Demokratie – vor ein Standgericht stellen: Vor das Standgericht der vorbildlichen Sowjetjugend, welche die ewiggestrigen Rattenfänger und ihre unbelehrbaren Gefolgsratten öffentlich steinigen darf.

Leider gab es auch in diesem Jahr in Dresden uniformierte Einheiten, welche sich schützend vor die Gedankenverbrecher stellten. Der Vizepräsident des Sowjetrates, Wolfgang Thierse, klagte in einem Interview des Staatsfunkes MDR: „Die Polizei ist vollauf damit beschäftigt, die Gedankenverbrecher zu beschützen. (…) Das ist sächsische Demokratie.“ Die friedensfeindlichen Demonstrationskriminellen hätten nach Thierses Meinung eben nicht geschützt werden dürfen. Man hätte sie besser der berechtigten Empörung der Sowjetjugend als Steinwurfzielscheiben ausgesetzt, um ein für alle mal Ruhe zu haben.

Ohne Grund wurde die friedliche Sowjetjugend von der Polizei überfallen. Andreas Arnold (59), Vize-Chef der Polizeidirektion Oberes Elbtal/Osterzgebirge, verteidigte die Polizeiwillkür im konterrevolutionären Duktus und versuchte feige, sich der Verantwortung zu entziehen: „Ich kann es nicht hinnehmen, dass Polizisten auf eine Stufe mit den Feinden unserer Sowjetunion gestellt werden. Das ist eine Beleidigung der sowjetischen Beamten. Eine solche Äußerung von einem der höchsten Repräsentanten der Sowjetunion ist schockierend und macht mich sprachlos.“ Seitdem kam nie wieder ein Wort aus seinem Mund, den er im Gulag sowieso nur zum Suppelöffeln benötigt.

Auch der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen sowjet-Union, CDU-Chef Lars Rohwer, macht vor allem die Gedankenverbrecher – welche unter der kriminellen Terrordevise „Dem Recht auf Gedenken – Der Wahrheit eine Gasse“ ihren widerwärtigen Faschismus zelebrierten – zu Recht für die harmlosen Gewalttätigkeiten der provozierten Sowjetjugend verantwortlich, besitzt aber die unverfrorene Frechheit, bei den Ausschreitungen der autonomen Jugend eine kleine Mitverantwortung der SED herbeizuhalluzinieren, wo doch jeder weiß, daß die Autonomen autonom agieren, also nur sich selbst verantwortlich sind. Leider besitzt die SED noch nicht die uneingeschränkte Macht, Lars Rohwer, diesen tückischen Zweifler an der Friedfertigkeit des Stalinismus, zur Strecke zu bringen.

SED-Generalsekretär Klaus Ernst-Thälmann sprach sich für ein grundsätzliches Demonstrationsverbot für Gedankenverbrecher aus. Es sei „ein unerträglicher Zustand, dass Feinde des Arbeiter- und Bauernparadieses die stalinistische Freiheit nutzen, um gegen Stalinisten vorzugehen“, sagte Ernst-Thälmann der Nachrichtenagentur dapd. Darüber hinaus forderte er ebenso wie NVA-Politoffizier Holger Hövelmann ein neues Verbotsverfahren für Gruppierungen, welche als Konkurrenten um die Futtertröge der Macht weggebissen gehören und sich somit gegen die sowjetische Grundordnung richten.

Friedfertige Sowjetjugend im Kampf gegen faschistische Provokateure

Weiterlesen

Dresdenduell 13/2/10

Die Strategie stand von Anfang an fest.“ [8]
Bernd Merbitz, Landespolizeipräsident Sachsen


In Dresden haben Tausende Menschen mit einer Menschenkette gegen den Aufmarsch von Neonazis protestiert“, so schlagzeilt die breitgefächerte Qualitätspresse [1]. Da waren sie wieder, die in den letzten Jahren, je zahlreicher sie wurden, von Rechtsradikalen zu Rechtsextremisten mutierten: Tausende von Neonazis, diesmal je nach Gusto 5000 bis 10000 dieser Spezies. Aber nicht nur Neonazis trafen sich in Dresden, um ihren alljährlichen Trauermarsch zu zelebrieren, sondern, wie die Zeitungen zu berichten wissen, auch Menschen, welche mutig gegen die Neonazis demonstrierten.

Diese Menschen bildeten eine Menschenkette, nachdem Oberbürgermeisterin Orosz Dresden zur Festungsstadt ausgerufen hatte: „Wir machen Dresden zur Festung gegen Intoleranz und Dummheit.“ [2] Die Neonazis bildeten keine Menschenkette, was nicht nur daran lag, daß man diese dann als Neonazikette hätte bezeichnen müssen, sondern weil sie zusammengepfercht wie die Untermenschen hinter Gittern darauf harrten, daß sie ihre gerichtlich abgesegnete Demonstration wahrnehmen dürfen. Dabei hatte das Gericht in weiser Voraussicht das Demonstrationszeitfenster auf 5 Stunden begrenzt, damit jene, welche die Demonstration verhindern wollten, abends noch rechtzeitig in ihre warmen Stammkneipen kommen.

Zwar ist das Blockieren genehmigter Demonstrationen eine Straftat [9], und die Organisatoren der Blockade riefen im Vorfeld zu dieser Straftat auf, doch pfiff Oberstaatsanwalt Christian Avenarius seine Strafverfolger plötzlich zurück, welche in regem Amtseifer eine rotlackierte Internetseite hatten sperren und Plakate beschlagnahmen lassen. Später bedauerte er die „Mißverständnisse“ im Landeskriminalamt Sachsen und meinte: „Das passiert schon mal im Eifer des Gefechts.“ Man dürfe jetzt nicht etwa annehmen, daß ein Kriminalamt Kriminelle verfolge. Generell sei die Blockade einer Demonstration zwar „eindeutig strafbar“. Vorerst sollte es aber keine weiteren Durchsuchungen und Beschlagnahmungen bei den Straftätern geben. [4]

Staatsanwalt Avenarius brabbelte noch etwas von „braunen Dumpfbacken“, wofür er wohl von Nazis und Negern gleichermaßen mit Anzeigen überhäuft werden dürfte, ließ dann aber jene gewähren, die unter dem Motto: „Lieber ein Abszeß am After, als ein deutscher Burschenschafter!“ auch diesmal ihre und ihrer Gesinnungsgenossen schmerzenden Hämorrhoiden am frostigen Asphalt zu laben gedachten. Am Tag X, es herrschten Minusgrade in Dresden, halfen dann laut Sächsischer Zeitung [2] nur noch Die Ärzte, welche via Lautsprecher: „Steh auf, wenn du am Boden liegst“ sangen. Viele konnten nicht mehr, sie waren einfach festgefroren.

Die Frontberichte aus der Frontstadt, verbreitet von Hunderten vielfältigen Qualitätsmedien der bunten Presselandschaft und verfaßt von Zehntausenden kritischen Journalisten, verkündeten denn auch in analogem Duktus jubilierend den Sieg der Menschen über die Neonazis [5]:

Erstmals seit mehreren Jahren verhindern Dresdner Bürger mit einer massiven Menschenkette und Gegendemonstranten mit gezielten Störungen den traditionellen “Trauermarsch” Tausender grölender Neonazis.

Wie üblich wollten die braunen Dumpfbacken den 13. Februar, der die Zerstörung der Stadt durch Bombenangriffe der Alliierten im Zweiten Weltkrieg markiert, für ihre geschichtsklitternde Täter-Opfer-Umkehrung missbrauchen. Dass dies vereitelt wurde, ist ein ermutigendes Zeichen. Und ein Beleg dafür, dass Bürgersinn, Solidarität und Zivilcourage notwendige Werte sind, um Demokratie dort zu unterstützen, wo dem Staat die Hände qua Grundgesetz gebunden sind.

Was sollte falsch daran sein, die Unzulänglichkeiten des Grundgesetzes bezüglich falsch verstandener Grundsätze wie der Versammlungsfreiheit zu umgehen? Zwar trotteten die Neonazis bei ihren früheren Trauermärschen immer schweigend durch die Stadt und es galt Alkoholverbot, aber bekanntlich grölen Neonazis sogar, wenn sie schweigen. Der Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow redete denn im Radiosender MDR auch nicht nur von alkoholisierten Faschisten, sondern sprach zudem der „Thüringer Polizei und Innenminister Peter Huber (CDU) ,ein dickes Lob’ aus“ und freute sich wie ein lieber Volkspolizist über Anzeigen wegen Landfriedenbruchs gegen 183 rechte Protestanten. Kurz zuvor jedoch rammelte sich Ramelow in Dresdens Straßen noch mit Ordnungskräften, wie die Nachrichten der Aktuellen Kamera (siehe Filmclip unten) belegen, weil er mit einem Trupp Autonomer zwei mit seinen Lieblingsfeinden vollbesetzte Busse zu stürmen versuchte.

Als es in Dresden langsam dämmerte, sahen die Neonazis wohl ihre von Orosz und Avenarius beschworene Dummheit und Dumpfbackigkeit dahingehend ein, daß ihr Vertrauen in die bundesdeutsche Rechtssicherheit, eine gerichtlich genehmigte Demonstration auch wahrnehmen zu können, reichlich naiv gewesen war. Im thüringischen Gera sollen gegen 21.45 Uhr noch einige von ihnen so spontan demonstriert haben [6], wie ihre rotlackierten Pendants in Dresden, welche am Nachmittag mit wehenden „Fahnen linker Gruppierungen, von Jusos über VVN bis MLPD“ eine „Versammlung am Albertplatz, die eigentlich gar nicht genehmigt“ war, durchgeführt hatten. [2] Einfach so, ohne artig einen Richter um Erlaubnis zu fragen. Brisant ist diesbezüglich ein Bild in der Basler Zeitung [7], welches „die randalierenden Neonazis“ mit Helmen und Schlagstöcken bewaffnet zeigt, und zwar bei hellstem Tageslicht. Wahrscheinlich wollte sich auch Frau Sonne das nächtliche Spektakel nicht entgehen lassen.

Die Polithooligans von rinks und und lechts streiten sich derweil, ob es beim Duell der Mannschaften „Demokratische Zivilcourage“ gegen „Freiheitlicher Rechtsstaat“ nun 1:0 steht oder 1:12 . Schließlich führten die rechtsradikalen Rechtsextremisten ihren Trauermarsch bereits zwölfmal friedlich durch. Mannschaftstrainer Bernd Merbitz, in seiner Freizeit auch Landespolizeipräsident von Sachsen, griente derweil in die Kamera und meinte augenzwinkernd: „Die Strategie stand von Anfang an fest.“ [8]

Weiterlesen

Frevler

Eine Lüge ist umso effizienter, je perfekter sie die Erwartungen der Belogenen bedient.“ [1]
Sabine Rückert, Die Zeit


Als die Dresdner Synagoge pünktlich vor dem Reichskristallnacht-Jahrestag mit Parolen wie „Fuck the Juden, Monkey!“, „Schei8 Juden“ oder „Killers of Children“ und Symbolen wie „verkehrt drehendes Hakenkreuz“ = „Davidstern“ beschmiert wurde, waren die Meinungs- und Empörungshysteriker wieder außer sich. Das Jüdische Gemeindezentrum wurde mit Blumen überschüttet, Innenminister Markus Ulbig (CDU) und Landespolizeichef Bernd Merbitz führten Kondolenzbesuche beim Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde durch und Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sprach von einer entsetzlichen Tat: „Die Tat unmittelbar vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht zeigt, wie wichtig der gemeinsame Widerstand gegen rechtes Gedankengut ist“. [2] Auch die Fraktionssprecherin Christiane Filius-Jehne der Grünen im Dresdner Stadtrat war schwer betroffen: „Die offensichtlich von Neofaschisten begangene Tat ist unerträglich“.

Deutschsprachige Islamisten verorteten eine „fremdenfeindliche Tat“, die vor der Urteilsverkündung im Mordfall Marwa (rußlanddeutscher Migrant erstach ägyptische Migrantin) „besonders erschreckend“ sei. Dresden habe aus Sicht der Islamisten „ein Problem mit dem Rassismus“, da Sachsen als Hochburg der NPD gelte, welche dort Jugendzeitschriften verteile und „auch der Mörder von Marwa El-Sherbini [...] in dem vergangen Prozess durch NPD-Parolen“ aufgefallen sei. [3] Der katholische Dresdner Bischof Joachim Reinelt sprach hingegen von einem Sündenfall: „Diese Tat ist ein unglaublicher Frevel.“ Es sei unfaßbar, wie feige, schändlich und verabscheuungswürdig zum 71. Jahrestag der nationalsozialistischen Pogromnacht die Gefühle aller Dresdner und besonders der jüdischen Mitbürger verletzt worden seien. [4]

Ob Bischof Reinelt entsprechend der in der deutschen Rechtsgeschichte des Mittelalters getroffenen Unterscheidung des „Frevels“ diese Tat als „Schandtat gegen etwas Geheiligtes“ oder als „Ungericht“, die schwerste Art von Vergehen überhaupt, wertete, ließ er offen. Der Frevel als Sünde konnte im christlichen Mittelalter durch Strafen wie Züchtigung und Haarabschneiden gesühnt werden, Ungericht hingegen wurde durch Verstümmelung oder Hinrichtung geahndet.

Mittlerweile wurde der neofaschistische Frevler von einer „Sonderkommission Rechtsextremismus“ (Soko REX) ermittelt. Es handelt sich um einen 39-jährigen algerischen Staatsbürger, der in Dresden wohnt und mit hoher Wahrscheinlichkeit muslimischen Glaubens ist. „Auf Grund von Videoauswertungen und Zeugenaussagen konnten die Ermittler den Weg des Mannes nach der Tat rekonstruieren. Gegen ihn wird wegen Volksverhetzung in Tateinheit mit dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.“ [5]

Ob die Tat nun in der Statistik rechtsextremistischer Straftaten oder jener migrantistischer Straftaten eingereiht wird, bleibt abzuwarten, auch, ob der Täter der katholischen Kirche überantwortet wird, auf daß sie den Frevler vor den Augen des HErrn die Haare abschneide und ihn verstümmele. Vielleicht wird der algerische Phantomnazi aber auch von Seinesgleichen gezüchtigt, weil er sich hat erwischen lassen. Denn wenn die Nazi-Provokateure schon aus Algerien importiert werden müssen, um die die Statistik rechter Straftaten den Anforderungen des Jahresplanes der steuergeldfinanzierten Anti-Rechts-Initiativen entsprechend in die Höhe zu treiben, dann sollten sie sich gefälligst nicht so dumm anstellen.

Natürlich bliebe auch die Möglichkeit, die Flucht nach vorn anzutreten und dem Hakenkreuzschmierer von Dresden so wie der Hakenkreuzritzerin von Mittweida einen Zivilcouragepreis um den Hals zu hängen. Weil er die Öffentlichkeit so wunderschön plakativ auf den erschreckenden Dresdner Antisemitismus aufmerksam gemacht hat.

Weiterlesen

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 248 Followern an