Fromme Helene

Gestern hatte ich einen bösen Trunk gefasset.“ [1]
Martin Luther am 29. Juli 1534

Noch im vorigen Jahr hatte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bischöfin Margot Käßmann erklärt: „Fasten bringt eine Chance für einen neuen Blick auf das Leben.“ Und auf die Frage, worauf sie gerade verzichte: „Ich verzichte auf Alkohol.“ [2] Heuer aber zeigte sie, daß ein „neuer Blick auf das Leben“ auch mit Alkohol möglich ist. So rauschte Frau Bischöfin mit ihrem klimakillenden VW Phaeton und 1,54 Promille an einer roten Ampel vorbei und mußte daraufhin einem Verkehrspolizisten das Röhrchen blasen.

Dabei soll die Bischöfin gelallt haben, sie hätte nur ein Glas getrunken. Der Promillewert entspricht jedoch etwa 1,5 Litern Bier oder 0,75 Litern Wein. [3] Das zeigt, daß die Ausschankgläser im Raum Hannover eine beachtliche Größe besitzen. Ob die Bischöfin nun zum Idiotentest muß oder von ihrem Klerus abgesägt wird, ist offen. Luther jedenfalls übersetzte bereits vor 465 Jahren die Prophezeiung der wackelnden Krone: „Wehe der prächtigen Krone der Trunkenen von Ephraim, der welken Blume ihrer lieblichen Herrlichkeit, welche stehet oben über einem fetten Tal derer, die vom Wein taumeln!“ [4]

Hatte bereits der bekannte Comiczeichner Wilhelm Busch das traurige Schicksal der frommen Helene in Bilder gegossen [5], so meinte Luther gnädig mit Blick auf Frau Käßmann: „Der Wein und die Weiber bringen manchen Jammer und Herzeleid, machen viele zu Narren und zu wahnsinnigen Leuten. Wollen wir darum den Wein wegschütten und die Weiber umbringen?“ [6] Wie obiges Bild zeigt, gibt es auch andere Möglichkeiten der Entsorgung.

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Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör!

»Nein!« – ruft Helene – »Aber nun
Will ich’s auch ganz – und ganz – und ganz –
und ganz gewiß nicht wieder tun!
«

Sie kniet von ferne fromm und frisch.
Die Flasche stehet auf dem Tisch.

Es läßt sich knien auch ohne Pult.
Die Flasche wartet mit Geduld.

Man liest nicht gerne weit vom Licht.
Die Flasche glänzt und rührt sich nicht.

Oft liest man mehr als wie genug.
Die Flasche ist kein Liederbuch.

Gefährlich ist des Freundes Nähe.
O Lene, Lene! Wehe, Wehe!

O sieh! – Im sel’gen Nachtgewande
Erscheint die jüngstverstorb’ne Tante.

Mit geisterhaftem Schmerzgetöne –
»Helene!« – ruft sie – »Oh, Helene!!!«

Umsonst! – Es fällt die Lampe um,
Gefüllt mit dem Petroleum.

Und hilflos und mit Angstgewimmer
Verkohlt dies fromme Frauenzimmer.

Hier sieht man ihre Trümmer rauchen.
Der Rest ist nicht mehr zu gebrauchen.

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