Disco-Tanten

Reizüberflutung

Seit langem schon müssen sich Menschen, die in ihrer Freizeit nichts mit sich anzufangen wissen, vor der Glotze von sogenannten Talgshows langweilen lassen, in welchen Schmierenkomödien jedweder Art inszeniert werden – überproportional von senilen Männern, die sich aus monetären Gründen oder aus Eitelkeit vor unterbelichtetem Publikum präsentieren.

Endlich aber mischt sich eine Fachmännin in die Talg-Thematik ein. Gesche Joost, Quotenprofessor_in für Genderdesign der Telekom und Frauenbeauftragte in P€€r Schweinstücks dreiköpfigem Kompetenzteam, möchte nicht nur die Belange der Telekom in das öffentliche Interesse rücken, aus Dank dafür, daß dereinst SPD-Finanzminister Eichel mit Telekom-Aktienwucher auf Kosten von Millionen geprellten Kleinanlegern Milliarden an Euro einfahren konnte. Sie möchte auch mehr Frauen in Talgshows sehen.

Dem Stuhlkreis-Beobachtungsboard PPQ gegenüber klagte sie, daß im Schutzgelderpressungsfernsehen immer wieder Talgshows stattfänden, „zu denen die Veranstalter keine weiblichen Diskutanten einladen“. Der Genderrat der Universität der Künste Berlin wiederum bemängelte kurz nach Veröffentlichung des Interviews, daß „das Herrfrau Joost“ sich einer diskriministischen Sprache bediene, welche, wenn sie „Diskutanten“ sage, die Diskuonkels ausschließe. Geschlendergerecht wäre allein die Bezeichnung „Diskumensch_innen“.

Gesche Joost entschuldigte sich umgehend und distanzierte sich von dem Unwort. Sie hätte das so gemeint, daß in den Talgshows „weibliche Disco-Tanten“ eingeladen werden müßten, um die Lethargie beim chronisch angeödeten Fernsehpublikum zu vertreiben. Das Auftreten von Disco-Tanten würde den Show-Charakter dieser Schmierenkomödien unterstreichen, ohne „das geistige Niveau von Diskussionen“ zu beeinträchtigen. Dies bliebe „das gleiche (nämlich knapp über 0)“.

Suchtfloskeln XI

NSU Beate Zschäpe Sex

Fragen, die das Volk bewegt XI – Possierliches, das die Internetgemeinde den großen Gockel gefragt hat, bevor sie zu uns klickte.

Vierzig mal führte allein die Suche nach „Beate Zschäpe Sex“ bzw. „sexy“ zu uns, aus welchen Gründen auch immer. Offenbar gibt es ein hohes lüsternes Potential an dem Glamour-Sternchen des deutschen Showprozeßbusiness, welches laut begeisterter Fans nach dem Schauprozeß „eine Karriere in Hollywood machen“ will und das sich zum zweiten Prozeßtag „noch schicker als letzte Woche“ (Die Welt) präsentierte: „Sie trägt einen grauen Anzug, wieder große Ohrringe, die aber noch besser zu sehen sind, weil sie die Haare zu einem buschigen Pferdeschwanz nach hinten gebunden hat.

Weiterhin wurde der Begriff „zschäpe“ in Verbindung mit Titten, nackt, ficken, nude, Schlampe, heute show, hat schöne titten, heiß, sexleben, votze, ist sexy, Hakenkreuz Tattoo, +große Titten, sex mit beiden, sex dritt u.v.a.m. gesucht. Eine kleine Auswahl des abstrusen Restes (ggf. mit Anmerkungen und Hilfestellungen):

riesenschlangen im wohnzimmer
neger anders benennen
weißer als neger angemalt - verboten
schwarzer neger - noch nicht verboten
muschi auf kopierer
verbotene nazi wörter
dildo eule
merkels marionettentheater - schattenkabinett
nuttengeld überweißen? - Geldwäsche?
hitler silikontitten
nationalsozialistischer obergrund thüringen
beate müller auf der party gefickt
schornsteinfeger zombie
mädchen an genitalbereich angefasst
titten und furzgeruch
wie kann retten meine haus von schlangen - Mannichl fragen!
hitlerschnurbart verboten
udo lindenberg furzt - Nein, das ist eines seiner Lieder.
bimbo fotze
tom und jerry selbstmord
mundlos bauchschuss
merkel als schlampe und hure
angela merkel nackt
schimpanse mit anzug

Wurzeln und Würste

Hörnchen

Es wäre heute nicht mehr schicklich, bezüglich der im letzten Jahr stattgefundenen Totschlägerei am Alexanderplatz zu formulieren, daß „in der deutschen Hauptstadt ein siamesischer Rassenmischling von Osmanen ermordet“ worden sei. Das politisch korrekte Kauderwelsch führt allerdings zu solch skurrilen Formulierungen von Nachrichtensprechern, daß seinerzeit „ein Junge mit thailändischen Wurzeln erschlagen“ wurde. Der unbefangene Radiohörer mag sich wundern, daß exotische Gehölze sogar für derartige Missetaten Verwendung finden.

Daß das ß auch heute noch durchaus seinen Sinn hat, wurde uns bei einem mitgelauschten Interview der Leipziger Scherenschnipplerin Prof. Annette Schröter einmal mehr deutlich. Auf die Frage der Moderatorin bezüglich einer Ausstellung „Zu diesen Rundgängen kommen ja tausende Kunstinteressierte, das hat so ein bißchen fast Volksfestcharakter, oder wie erleben Sie das?“ antwortet Frau Professorin in gepflegtem Sächsisch: „Joah, das ist eigentlisch, also isch find das recht schön, natürlisch, man trifft jede Menge Freunde, Begannte, man trinkt da mal’n Bier, dort’n Wein, und [lacht] ist da ein Würstchen …“.

Wir haben eine Weile darüber gegrübelt, warum sich die Honoratiorin inmitten der gunstbeflissenen Volksmenge als Würstchen empfindet, assoziierend mit „armes“ oder „kleines“. Vielleicht, weil sie zwischen den anderen „Günstlern“ nicht gebührend wahrgenommen wird? Dann aber fiel uns das ß ein, und daß Frau Professorin die armen Würstchen wohl eher zu vertilgen pflegt. Mit viel „Gädschub“ oder „Sämpf“.

Staatsverspottung

Anklagebank

Heer, Sturm und Stahl heißen die Anwälte der NSU-Terrorbraut Beate Zschäpe, welche sich wegen Pflege einer gutbürgerlichen Fassade in einem Schauprozeß mit zahlreichen Zuschauern aus dem In- und Ausland zu verantworten hat.

Der Literat Georg M. Oswald, welcher laut Wikipedia den F.A.Z.-Lesern bislang mit „ironischen Kurzgeschichten über Themen aus der Arbeitswelt“ auffiel, wittert in den Nachnamen der Anwälte eine Naziverschwörung. Zschäpe habe sich die Namen ausgesucht, „um zu provozieren“, denn „Symbolik spielt bei einem Verfahren wie diesem eine große Rolle.

In dem Science Fiction-Magazin Die WELT schreibt er, Rechtsradikale seien „sehr geschickt darin, mit Symbolen zu spielen. Sie tun das schon längst nicht mehr mit Hakenkreuzen und SS-Runen“, sondern mit den Namen ihrer Rechtsanwälte bei ihren Prozessen. Damit wollten sie den Staat verspotten. Auch die Hauptangeklagte im NSU-Prozeß wolle „uns etwas damit sagen“. Ein Terrorist schließlich werde „nichts unversucht lassen, ihm [dem Staat, sic!] Hohn zu sprechen.

Hohn ist, wie angedeutet, ein Gestaltungsmittel rechtsradikaler Symbolik, die immer wieder sehr geschickt zum Einsatz gebracht wird“, meint Oswald. Dies wäre eigentlich für einen Verteidiger Grund genug, „das Mandat niederzulegen“. Andernfalls müsse man vermuten, daß die Anwälte „mit der Instrumentalisierung ihrer Namen einverstanden“ seien. Dies beträfe auch die Reporterin der Frauenzeitschrift BRIGITTE. Wegen ihres Namens Lena Kampf läge der Verdacht nahe, daß diese als Pressesprecherin der braunen Untergrundarmee fungiere.

Oswald deckt aber auch die perfide Vorgehensweise der NSU-Terroristen auf, „indem sie ihre Taten nicht so aussehen ließen, wie ,man‘ sich rechten Terror vorstellt, sondern wie ,türkische Milieumorde‘.“ So heimtürkisch getarnt stellten sich „die Morde des NSU“ den Ermittlern „überzeugend als Gewalttaten unter türkischen Einwanderern dar“. Geschickt habe es die Psychokompanie der NSU-Armee via Fernhypnose verstanden, „die Fantasie der Ermittler zu lenken und die eigenen Ressentiments in deren Köpfe einzupflanzen.

Was allerdings in Georg M. Oswalds Kopf eingepflanzt ist, entzieht sich jeglicher Diagnose.

Badekappe

Badekappenglatze

Er ist fast so berühmt wie der ominöse Schlangennazi, welcher den Passauer Oberhauptpolizeikommissar Alois Mannichl mit einem Lebkuchenmesser malträtierte: Der Badekappennazi mit dem schönen Spruch „Meine Ehre Heist Treue“ auf der Birne.

Das Hautmalereiboard PPQ konstatierte, daß der Tätowierer Dummheit heißen müsse. Auf einem ausführlicheren Bild ist zu erkennen, daß der bekritzelte Glatzkopf bei einer Demonstration abgelichtet wurde, bei welcher Fahnen der im Jahr 2008 verbotenen Magyar Gárda („Ungarische Garde“) geschwenkt wurden. PPQs Kommentarschreiber Volker recherchierte weiter und stellte erschrocken fest, daß der Kopfspruchträger ein kosmopolitisches Nazitalent zu sein scheint.

Denn die Zeitung Die Welt bezeichnete ihn als „Anhänger der Partei Jobbik im ungarischen Wahlkampf“, das israelische YNetNews identifizierte ihn als niederländischen Antisemiten, die ebenfalls israelische Haaretz hat ihn als „Einwohner der Nazi-Hochburg Jamel“ geoutet und das türkische Magazin Aydinseszeigt dem Publikum, wie es sich einen Nationalsozialistischen Untergründler vorzustellen hat“.

Wenn das mal nicht sogar der Passauer Lebkuchenmörder höchstpersönlich ist, der seinen Tat- und Wohnort je nach Bedarf und Fotograf wechselt, wie das Chamäleon seine Farben.

NSU-Lotterie

public viewing

Nein, man wollte auf uns nicht hören, daß ein Public Viewing auf dem Reichsparteitagsgelände die gerechteste aller Lösungen wäre. 16 Jahre nach den tödlichen Schüssen auf zwei zukünftige Hamburger Filmemacher schauen die Mainsumpfmedien blöd aus der Wäsche:  „Die Redakteure, die sich seit Jahrzehnten mit dem Naziterror in Deutschland beschäftigen, haben keinen Berichterstatterplatz bekommen im größten Naziprozess seit Jahrzehnten.“ Speziell für die Berliner Regionalpostille Tagesspiegel heißt dies: „Frank Jansen, in Sachen Extremismus einer der anerkanntesten Journalisten, für seine Arbeit ausgezeichnet unter anderem mit dem Wächter- und dem WolffPreis, mit der Ossietzky-Medaille und dem Bundesverdienstkreuz, Berichterstatter von unzähligen Prozessen, hat verloren bei der NSU-Lotterie“. Was für eine Niete!

Beklagt wird das „Windhundverfahren“, das schon in seiner Begrifflichkeit makaber wäre: „Flink wie Windhunde …, das hätte Adolf Hitler gefallen“. Dem lahmarschigen Tagesspiegel wird von irgendwelchen Wald- und Wiesenjournalen nun eine Nase gedreht, und beleidigt resümiert das beim Schauprozeß auf den Horchposten verwiesene Blatt: „Einen Platz am braunen Sumpf hat jetzt die polnischsprachige Redaktion von ,Radio Lora München’, die den Stand der Germanistik auf den polnischen Universitäten mit der Polonistik auf deutschen Hochschulen vergleicht. Am Catwalk sitzt die ,Brigitte’, für eine kleine Stilkritik von Beate Zschäpe. Vom Prozess berichtet ,Münchens Hit-Radio Charivari’, ,Ebru TV’, ,Hallo-München.de’“.

Ja und? Reichtum für alle! Und die Prozesse vor dem Prozeß nehmen kein Ende: Kurz nach der Verlosung ging beim Bundesverfassungsgericht die Verfassungsbeschwerde eines freien Journalisten  ein, der seine Reservierung aus dem ersten Akkreditierungsverfahren bei der Neuverlosung der Plätze am Montag verloren hatte. But the show must go on – Millionen Fans warten sehnsüchtig!

klick

Buxenrivalen

Lederhosen

Der Gründungsparteitag der Euro-kritischen Partei Alternative für Deutschland ist vorüber und die Presse hat berichterstattet. Der Verleger André F. Lichtschlag, welcher an dem Parteitag das rote Schandband der Journaille ertragen mußte, verfolgte das Geschehen aus der Perspektive der Pressefotografen, die „fettige längere Haare auf dem Kopf, ausnahmslos“ hatten und sich auf einen glatzköpfigen Mann mit kurzärmeligen Braunhemd stürzten, welcher eine Schärpe in den Staatsfarben der BRD trug: „In fast keinem Bericht über den AfD-Gründungsparteitag hat sein Bild gefehlt. Die Pressefotographen und Kameraleute waren geradezu vernarrt in ihn, den einfachen ,Parteifreund‘, der nicht einmal das Wort ergriff. Der nur dasaß.

Gefundenes Fressen für alle, die über Falschgeldkritik einen direkten Bogen nach Auschwitz zu schlagen versuchen. Das als sexistisches Tittenmagazin getarnte Antifa-Journal STERN resümiert betroffen: „Auf dem Parteitag wird die Deutschtümelei offen zur Schau gestellt. Ein Mitglied trägt eine Deutschland-Schärpe, ein anderer Lederhosen.“ Unter 1.500 Delegierten trug also einer eine Lederhose. Wahnsinn, soviel zäh-wie-Leder-Faschismus grenzt schon fast an das Münchener Oktoberfest mit seinen Millionen zählenden Buxenträgern!

Weniger als ein Promille aber ist Anlaß genug, den gesamten Artikel mit „Merkels Lederhosen-Rivalen“ zu betiteln. Unter der Überschrift flackert auch gleich die passende Google-Werbung: „Trachten Lederhosen für Damen, Kinder und Herren für jeden Anlass, schnelle Lieferung“ (Screenshot siehe oben). Mit jedem Klick auf das Werbebanner durch seine Leser verdient der Stern ein paar Zehntel-Cent. Das allerdings sollte der Faschismus schon abwerfen – Geld stinkt schließlich nicht!

L wie Lambdetta

L. Lambdetta

Die Medienkritikerin L. Lambdetta ist Sprecherin der Initiative „Reizüberflutung abschalten“ und fordert Entzugskliniken für Fernsehabhängige. Bekannt wurde sie durch öffentlichkeitswirksame Aktionen, bei denen Fernseher zerschlagen wurden. Wir begrüßen sie im eulenfurz-Studio.

eulenfurz: Guten Tag, Frau Lambdetta, was wollen Sie mit Ihren Initiativen erreichen.

Lambdetta: Hallo. Das Bewußtsein dafür zu schärfen, daß wir nach Jahrhunderten körperlicher Leibeigenschaften, von denen wir uns befreit haben, in einem System psychischer Sklaverei gelandet sind, das uns zwar nicht mehr mittels autokratischer Machthaber und einem knüppelbewehrten Polizeiapparat beherrscht, dafür aber um so mehr unser individuelles und kollektives Wissen kontrolliert und Empfindungen steuert.

eulenfurz: Das klingt nach Ideologiekritik – aber auch nach Verschwörungstheorie. Was ist, wenn sich der Großteil der Menschen in der Rolle des Meinungskonsumenten gefällt und dankbar annimmt, daß das Wissen durch Administratoren konditioniert wird?

Lambdetta: Ist das eine Entschuldigung? Natürlich ist Unterhaltung in Form von Dauerberieselung bequem, natürlich ist es einfacher, andere für sich denken zu lassen, als sich die eigene Meinung schwer zu erarbeiten. Man kann auch argumentieren, daß eine immer größer werdende Unterschicht nicht anders zu bändigen wäre, als durch verabreichte Schwarz-Weiß-Schemata in Form bunter Bilder. Genausogut kann man aber auch argumentieren, daß die Menschen erst zu einer Unterschicht werden, indem sie stundenlang regungslos vor ihrem Fernseher sitzen.

eulenfurz: Die neuesten Studien besagen, daß ein BRD-Bewohner im Durchschnitt täglich über vier Stunden fernsieht …

Lambdetta: Ich selbst schaue nicht fern und kenne in meinem großen Bekanntenkreis nur wenige, die überhaupt einen Empfangsapparat besitzen. Entweder sind die Zahlen getürkt, oder es gibt mir unbekannte Menschen, die noch viel länger als nur vier Stunden in die Röhre schauen. Möglicherweise setzt sich das Spektrum der Langglotzer tendentiell aus eher debilen, senilen und körperlich phlegmatischen Kreaturen zusammen. Daß ich solche Wesen nicht kenne, kann natürlich auch darin seinen Grund haben, daß diese Zombies permanent vor ihrer Glotze hocken und damit keine Zeit für soziale Kontakte finden.

eulenfurz: Lassen Sie die doch gucken. Oder ängstigt sie das?

Lambdetta: Natürlich ängstigt mich das. Stellen Sie sich das ungeheure Potential an Kreativität und Kultur vor, welches diese Lebewesen – aus ihrem amorphen Zustand erwacht – ihrer Mitwelt schenken könnten, selbst wenn sie nur begrenzte Fähigkeiten haben. Vier Stunden am Tag! Vier Stunden Zeit zum Nachdenken, Diskutieren, Helfen und Verändern. Allerdings müßten die Machthaber dann wohl auch um ihre Throne fürchten.

eulenfurz: Aber sehen wir doch mal das Gute, wenn diese „Zombies“, wie Sie die nennen, zuhause vor dem Flimmerkasten bleiben, können Sie doch mit Ihren Freunden ungestört die Straßen unsicher machen?

Lambdetta: Diese Kreaturen haben aber auch ein Wahlrecht, und ihre Stimme zählt soviel wie die eines Menschen, der sich seine Ansichten durch eigene – teilweise auch widrige, falsche und gute – Erfahrungen selbst und in seinem sozialen Umfeld geformt hat. Der freie Mensch weiß also Bedürfnisse zu artikulieren, die ihm in der realen Welt auf dem Herzen liegen, und nicht die Bedürfnisse, welche ihm via Massenmedien vermittelt werden.

eulenfurz: Wo ziehen sie die Grenze? Kann nicht auch ein soziales Umfeld Individuen manipulieren.

Lambdetta: Natürlich, aber doch eher durch „Erfahrungen zum Anfassen“, durch Persönlichkeiten, durch Erlebnisse, die sprichwörtlich berühren können. Üblicherweise sind soziale Gemeinschaften überschaubar, Meinungen können abgewogen werden, es zählen nur die Bilder, welche man selbst sieht oder über die man in der Gemeinschaft diskutiert. Natürlich kann ein Diktator auch vor Millionen Menschen stehen und sie für ein oder zwei Stunden in seinem Sinne zu manipulieren versuchen – er wird dennoch nie die Wirkungsmacht entfalten, welche die stundenlang in der eigenen Wohnstube agierenden Manipulatoren haben.

eulenfurz: Aber wenn die doch im guten Sinn für Demokratie und Menschenrechte agitieren …

Lambdetta: … so schaffen sie doch nur hirnlose Mutanten, und in ihrer unüberschaubaren Anzahl eine schiere Masse, die zwar beispielsweise bei rechten Lebkuchenattacken in Lichterkettenformationen nach Zivilcourage brüllt, die aber bei von Einwanderern verübten Morden mangels Marschbefehl nicht im Mindesten reagiert. Wer weiß schon, ob die ferngesteuerten Befehlsempfänger der medialen Animateure sich nicht früher oder später an jedem vergreifen werden, der die herrschenden Zustände kritisiert oder den Machthabern die Gefolgschaft verweigert?

eulenfurz: Sie sprachen von Morden durch Einwanderer. Sind Sie etwa ausländerfeindlich?

Lambdetta: Das ist wieder so ein hohler Totschlagbegriff, der mittels Propaganda mit assoziativen Bildern wie Glatzköpfen, Baseballschlägern und Schnürstiefeln besetzt wurde, und mittels welchem der Empfänger in Pawlow’schem Reflex zusammenzucken und in die argumentative Defensive gedrängt werden soll. Nein, ich bin nicht ausländerfeindlich, im Gegenteil, so verurteile ich etwa die BRD-Kriegseinsätze im Ausland und freue mich, als Gast in fernen Ländern mehr oder weniger große Gruppen von Menschen anzutreffen, die noch nicht zu universell gleichgeschalteten Fernsehzombies degradiert wurden, sondern ihr Ausländertum in einer besonderen Kultur mit eigenartigen Gepflogenheiten leben und somit für eine reale Vielfalt sorgen – im Gegensatz zu der uns vorgegaukelten virtuellen Vielfalt, die irreal und fadenscheinig ist und uns für Werbe- und Politbotschaften konditionieren soll.

eulenfurz: Aus Ihren Äußerungen, von denen wir uns vorsorglich distanzieren, läßt sich wohl schlußfolgern, daß Sie eine erbitterte Gegnerin der Demokratieabgabe an die Staatsfunkanstalten sind?

Lambdetta: So psychisch abhängig, wie die Millionenmasse an Fernsehkretins von ihren Flimmerkästen ist, läßt sie sich ihr schwer erarbeitetes Geld widerstandslos aus der Tasche ziehen, da mache ich mir nichts vor. Daß die Agitatoren und Verführer sich ihre Taschen vollstopfen, weil sie keine Gegenwehr mehr erwarten, ist wiederum allzu menschlich. Dennoch zeugt es von grenzenloser Unverschämtheit, auch jene zu bestrafen, die sich der Propaganda unter teilweise schweren Anstrengungen zu entziehen versuchen. „Demokratieabgabe“ ist auch so eine Worthülse – mit wohlklingenden Floskeln wurden schon immer Ungerechtigkeiten verbrämt.

eulenfurz: Frau Lambdetta, noch ein Schlußwort!

Lambdetta: Dann kein eigenes, sondern einige erschreckende Sätze, die ich kürzlich irgendwo las: „Der letzte Mensch kauert in seinem Fernsehsessel und läßt sich von den Bildern berieseln. Er schaut nichts Überwältigendes, nichts Dramatisches mehr, stumpfe Unterhaltung gefällt ihm, denn die strengt nicht an. Und zwänge ihn die Wirtschaft nicht, für seinen Konsum zu arbeiten, er verbrächte seine gesamte Existenz in diesem Sessel und wartete auf den Tod.“ – Ich hoffe allerdings auf Veränderung.

eulenfurz: Danke, Frau Lambdetta.

Lambdetta: Danke ebenfalls, ich wünsche schöne, fernsehfreie Stunden!

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Schauprozeß

Schauprozess

Beim Prozeß gegen die aus 129 Attentätern bestehende Braune Untergrundarmee NSU wird es eng im Gerichtssaal. Tausende von Journalisten aus dem In- und Ausland wollen Anklage, Urteil und Vollstreckung gänsehautnah miterleben. Ein örtlicher Wechsel in die Münchener Allianz-Arena wäre jedoch wegen der eisigen Witterung für Richter, Anwälte, Journalisten und Bayern-München-Fans nicht angenehm, stellte der Betriebsrat der Nebenklage fest. Im nur 50 Personen fassenden Gerichtssaal sei jedoch wegen der „Überbelegung mit Zuschauern, Medienvertretern und Nebenklägern kein Platz mehr für die Hauptangeklagte Beate Zschäpe.“ Diese solle aber via Live-Übertragung aus ihrer Zelle am Verfahren teilhaben dürfen.

Fünf Medienvertreter stellt allein die ARD. Dies sei notwendig, so ein Sprecher, weil auch bei Abordnungen im Außendienst die Behinderten- und Andersbegabtenquote erfüllt werden müsse. So könnten sich die von der ARD entsandten Blinden, Gehörlosen, Fremdsprachigen, Dolmetscher und Gehbehinderten die Arbeit teilen.

Daß sich so viele Medienvertreter den Prozeß anschauen wollen, liegt auch am derzeitigen Nachrichtenmangel, der nicht nur im Winter-, sondern auch im Frühlings-, Herbst- und Sommerloch regelmäßig auftrete. Jahrzehnte alte Animationen zu Dead Snow würden sich zur Unterhaltung der Meinungskonsumenten an verschneiten Ostertagen immer noch besser eignen, als eine chronische Eurokrise, die dubiose Erderwärmung oder alltägliche Migrantengewalt.

Prozeßentscheidende Erkenntnisse vermeldet indes das Nachrichtenportal n-tv: „Neun Opfer waren Kleinunternehmer mit türkischen und griechischen Wurzeln“. Neu ist, daß die Opfer mit Wurzeln gehandelt haben. Bislang ging man davon aus, daß sie Dönerverkäufer waren.

Glashaus

Lügen fressen

Radio Bremen ist die kleinste Landesrundfunkanstalt der ARD, welche mittels Schutzgelderpressung unschuldigen Bürgern eine sogenannte „Demokratie-Abgabe“ abknöpft. Der Sender versorgt Bremen, das „Armenhaus Deutschlands“ und chronisches Schlußlicht bei PISA-Studien, aus einem pompösen Glaspalast heraus mit einem reichhaltigen Angebot an gefiltertem „Bildungsrundfunk“.

Auch auf den Mord in Kirchweyhe ging der flotte Sender mit einigen Tagen Verspätung ein, aber auch nur deswegen, weil sich „ein gezielt inszenierter und gesteuerter Shitstorm. Von rechts“ über das Internet ergossen hatte. Eine ausländerfeindliche, braune Brühe, in welcher dreist behauptet wird, daß der Mord überhaupt nicht geschehen wäre, wenn die mordenden Migranten nicht in Kirchweyhe, sondern in Anatolien gewohnt hätten. Dabei sei der von den Türken Erschlagene lediglich ein Zufallsopfer, „so zynisch das auch klingen mag. Dass das Opfer einen deutschen, der Täter einen türkischen Hintergrund hatte, spielte keine Rolle.“ Genauso wenig, wie es je eine Rolle spielte, daß ein Punker deutscher Abstammung war, wenn er von Naziskins ermordet wurde.

Sicher, „eine gräßliche Tat“, und so machte sich Jochen Grabler, Leiter der Radio-Bremen-Rechercheredaktion, daran, das gräßliche Umfeld jener auszuleuchten, die sich über den Mord empörten. Tief grub sich Grabler in eine „digitale Parallelwelt“, fand eine Facebook-Gruppe, welche eine später verbotene Mahnwache für das Opfer organisieren wollte. Genau hier wurde der investigative Journalist fündig, um was für gestandene Verbrecher es sich handelt. Bei den Mahnwächtern.

„Frank Guenther“ sei der Initiator der Mahnwache, und dieser habe auf der Facebook-Seite der Hooligan-Musikgruppe „Kategorie C” positive Kommentare geäußert. „Wir halten also fest: Der erste, der des Opfers einer brutalen Schlägerei gedenken will, hört gerne die Musik der bekanntesten Hooligan-Band der Republik. Die wiederum besingt Gewalt.“ Damit habe „Frank Guenther“ das Recht verwirkt, dem Mordopfer zu gedenken. Rübe ab!

Auch ein „Michi Kruse“ habe sich zwar „in der Diskussion des Falles stets moderat geäußert“, doch fände der es gut, „wenn Männer in Lebensmittel ejakulieren“ und hänge auch der „Identitären Bewegung“ an. Auch „Michi Kruse“ habe damit kein Recht, eine Mahnwache zu organisieren.

Doch mit diesen zwei „schäbigen Lumpen“ nicht genug, der Bremer Journalist stürzte sich weiter todesmutig in den braunen Dunstkreis und notierte aus nächster Nähe die Vorlieben jener, die sich auch von einer verbotenen Gedenkveranstaltung nicht abschrecken lassen wollten. Ein „Chritt Lo“ stehe auf die Kleidermarke eines asiatischen Textilproduzenten, „Heinz Wilfried Eck“ mache „Werbung für die neue Euro-Hasserpartei ,Alternative für Deutschlend‘“ (Rechtschreibfehler im Original). Ein „Stephen Willers“ möge Hooligangruppen, die Fotos mit dem Logo „ACAB“ publizieren, was soviel wie „All Cops Are Bastards“ bedeuten würde. Ein „Thomas Voß“ werbe für sich mit dem Aufkleber „Multikulti – Nein Danke“, möge die „Identitären“ und die „Alternative für Deutschland“. Und so geht es weiter. Einmal geliked – Gedenkrecht vergeigt!

Bei soviel ausschweifender Internet-Recherche wundert es fast, daß Journalist Grabler nicht über die Facebook-Einträge jener Türken stolperte, die offenbar zum Umfeld des Mörders gehören. Etwa über den von Ali E.: „Ein Bastard Nazi weniger in weyhe das ist ja suppii.“ oder den von Hussein: „Cihan hätte sich bestimmt nicht gedacht das dass so schlimm endet es ist nur eure dreckige Art die uns zwingt mit euch sowas zu machen ihr Nazi.

Für die „Hassdebatten“ aber gäbe es andere Initiatoren, etwa das „pseudo-intellektuelle Organ ,Junge Freiheit‘“, die „Rechtsaußensammler der ,Identitären Bewegung‘“, die NPD, den Blog PI oder Sezession.de – „überall dieselbe Propaganda über ,Ausländergewalt‘.“ Dabei gebühre doch allein den Mainstreammedien das Recht, Propaganda zu betreiben. Der Vorfall sei besonders ärgerlich, denn die Herkunft des Täters sollte eigentlich unter den Tisch gekehrt werden. Schade, daß gerade keine Hakenkreuz-Rebecca, kein Schwimmbad-Abdullah und auch kein Lebkuchenmannichl zu Stelle waren, die man zur Ablenkung mit großem Tamtam als Sau durch‘s Dorf und die Schlagzeilen hoch und runter hätte treiben können.

Das Kind war also in den Brunnen gefallen, die Internetgemeinde wußte mehr, als das, was der Staatsfunk verlautbaren wollte. Und so müssen nun die Facebook-Vorlieben der Empörer herhalten, um sie zu diskreditieren. Wäre Jochen Grabler in den 1990er Jahren bereits ein solch befähigter investigativer Journalist gewesen, hätte er vielleicht auch den Mord an Amadeu Antonio Kiowa als „Streit unter Jugendlichen“ abgetan, bei welchem der Schwarzafrikaner nur „Zufallsopfer“ geworden sei, schließlich hätte es genausogut einen deutschen Punker treffen können.

Empörung gegen die Täter hätte sich auch damals nicht über alle Naziskins ergießen dürfen, das wäre schließlich pauschalisierend und damit menschenfeindlich, und überhaupt, wer da alles eine Mahnwache organisiere – der eine habe irgendwann einmal gesagt, daß ihm ein Pali-Tuch gefiele, dem nächsten soll ein Aufkleber von „Die LINKE“ an der Wohnungstür kleben, der Dritte habe in seiner Kindheit einen Polizisten schräg angeschaut, die Vierte ihren Freund geohrfeigt und der Fünfte mag es, wenn jemand auf Grablers Essen ejakuliert.

Auch daß die Stiftungsratvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung als IM „Viktoria“ bei der DDR-Stasi gearbeitet hat, soll Grabler bereits recherchiert haben. Das gibt spätestens am Sainkt-Nimmerleins-Tag einen reißerischen Artikel über den „linken Shitstorm“, der sich jedesmal dann ergießt, wenn bei irgendeinem Delikt der Täter einen „rechten Hintergrund“ haben könnte. Ausgewogenheit ist schließlich die Mutter aller demokratischen Journalisten. Allerdings: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen!

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