Chantalismus

Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose.“ [1]
Lehrer, anonym

Daß viele Lehrer und Erzieher Kinder mit Vornamen wie Kevin, Justin, Chantal oder Mandy aus ihren Erfahrungen heraus als verhaltensauffälliger wahrnehmen, als etwa die gleichaltrigen Alexanders, Simons, Maries oder Hannahs, das dürfte nur noch jene fortschrittlichen Zeitgenossen empören, die entweder selbst aus dem Prekariat stammen oder der Gleichschaltungsideologie heillos verfallen sind.

Eine Intelligenzbestie kommentierte die dementsprechende Meldung der „Süddeutschen Zeitung“ zu einer Studie unter Lehrern folgendermaßen: „Was haben denn bitte Namen mit Verhaltensauffälligkeit zu tun?“ Schließlich sei es „offensichtlich, dass ein Name – gegeben zur Geburt eines Kindes – in keinster Weise einen direkten Einfluss auf die Kinder hat.“ Schuld wäre dann wohl kindliche Erfahrung „durch die lebenslange Diskriminierung aufgrund ihres Namens“, welche überhaupt erst zur Verhaltensauffälligkeit führen würde. „Das wäre der einzige gültige Schluss … wenn die Namen tatsächlich mit Verhaltensauffälligkeit korrelieren“ und „ein vernichtendes Urteil über die pädagogischen Kompetenzen unserer Lehrer.

Konsequente kommunistische Ideologie: Der Täter ist immer das Opfer und das Opfer der Täter, deshalb ist das Opfer schuldig und der Täter unschuldig. Und wer Mißstände erkennt oder gar beim Namen nennt, dessen Haupt vom Leib man trennt – natürlich, um dieser Mißstände Herr zu werden.

Daß geistige und charakterliche Eigenschaften zumindest teilweise vererbbar sind, wird mittlerweile auch von Angestellten staatlicher Wissenschaftsbetriebe nicht mehr geleugnet. Doch auch für Freunde der Milieutheorie sollte nachvollziehbar sein, daß bereits die Namensgeber, also die Eltern, überproportional einem Milieu mit besonderen Affinitäten zur Unterhaltungsindustrie entstammen, die Unterschichten-Vornamen für die darauf folgende elterliche (Nicht-)Erziehung der Sprößlinge demnach nur schmückendes Beiwerk sind.

Natürlich kann man als Entgegnung mit der intelligenten Abitur-Mandy und dem höflichen Karriere-Kevin klappern, denn Klappern gehört zum Geschäft. Doch tröstet das bestenfalls darüber hinweg, daß Ausnahmen die statistische Regel bestätigen und daß der Chantalismus mittlerweile seinen eigenen Blog hat.

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[1] Süddeutsche Zeitung: „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose“, 18.09.2009

13 Antworten

  1. Man muß nicht fragen, ob sich solche Eltern bei der Namensgebung irgendetwas denken. Die armen Kinderchen, die für ihre Namen und ihr genetisches Erbe ja nichts können.

  2. Natürlich können sie nichts dafür, es macht ihnen auch keiner Vorwürfe. Und natürlich müssen auch sie ihrer Begabung entsprechend gefördert werden.

    Die Wahrscheinlichkeit ist dennoch hoch, daß Mandys Töchterlein Schantalle dereinst ihr Kindchen “Princess” oder ähnlich dämlich nennen wird. Natürlich nur aus den Erfahrungen eigener Diskriminierungen durch Lehrer heraus…

  3. Man sollte nur nicht vergessen, *warum* diese Namen vergeben werden.

    Während im Östen so die fehlende Freiheit kompensiert wurde – deshalb die vielen Mandys, Silvios, Janas, Madlens – war der Name im Wösten eher dem fehlenden sozialen Aufstieg zu verdanken: eine Jacqueline der 90iger war also entweder die Tochter einer Französin oder einen Friseusin.

    (Auch) Heute ist die Namensgebung weniger auf Idiotismus, sondern auf eher Selbstdarstellung der Eltern zurückzuführen. *Apple Pie Weißenfels* ist also entweder die Tochter einer Prekariatsangehörigen oder einer TV-soap-Darstellerin oder eines antifaschistischen Aktivisten, der ermittelt hat, daß apple pie der Lieblingskuchen von Dr. Martin Luther King junior war.

    … zumindest darf man annehmen, daß die Eltern von *Kenya Mali* (s. Chantalismus-blog) keine aus der Unterschicht stammenden NPD-Wähler sind.

  4. P.S.

    Allerdings darf man grassierenden Analbetilismus (… oder so ähnlich) unterstellen …
    … denn bekanntlich sind Ben und Mia keine Vornamen – zumindest nicht für erwachsene Menschen… und *Leon* eigentlich auch nicht.

    Als führender Anthropologe mit sozialdarwinistischem Schwerpunkt empfehle ich aufstiegsorientierten Eltern, ihre Söhne Alexander, Maximilian, Andreas, Georg Friedrich, Julius, Konrad, Philipp, Christian oder ggfs. Brian de Bois Gilbert y Todos Charles Theodor zu nennen.

    Der Name der Tochter spielt keine Rolle. Sollten hier allerdings die Mittel für ein ordentliches Internat (nicht etwa eine Montessori-Prolo-”Privatschule”) fehlen, ist eine Brustvergrößerung im Alter von 18 Jahren unerläßlich !

  5. Ob Milieu oder Idiotismus … Anhand der Namen erahnt man, welchen Einflüsterungen die Eltern erliegen, und kann abschätzen, welcher IQ-Gruppe sie zuzurechnen sind. Man darf getrost behaupten, daß der IQ aller bundesdeutschen Kevins oder Jasons im Schnitt weitaus geringer ist, als jener aller bundesdeutschen Alexanders oder Phillips. Man kann sich höchstens noch darüber streiten, welcher Anteil der IQ-Differenz genetisch und welcher sozial bedingt ist.

    Es ist etwa davon auszugehen, daß Princess-Schantalle in einer Patchworkfamilie mit KiKa, Milchschnitte und rosa Plastespielzeug aufwächst. Die besten Voraussetzungen also, um im Prekariat zu bleiben.

  6. Kommt es noch auf Namen an?

    Eine Auswertung der Zahlen und Fakten des Verfassungsschutzes.

    http://gerswind.wordpress.com/2012/01/17/zahlen-und-fakten-des-verfassungsschutzes-eine-betrachtung/

  7. Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast!

    Die ganze Zählweise ist doch willkürlich. So könnte z. B. hinterfragt werden, ob etwa ausländerfeindliche Affekthandlungen einem Rechtsextremismus zugeordnet werden dürfen oder ob es nicht eher Abwehrhandlungen sind, die überall und zu allen Zeiten vorkamen. Ansonsten müßte man wohl auch den Aufstand im Warschauer Getto oder den Hereroaufstand als “rechtsextremistisch” brandmarken.

    Und ob die hundertfach größere (Gewalt-)kriminalität von Migranten nicht auch einem Extremismus zugeordnet werden kann, angesichts dessen, daß diese Kriminellen gegen den Willen eines Großteils der Einheimischen von bestimmten Verantwortungsträgern angesiedelt wurden, könnte erwogen werden.

  8. “Anhand der Namen erahnt man, welchen Einflüsterungen die Eltern erliegen, und kann abschätzen, welcher IQ-Gruppe sie zuzurechnen sind.”

    Jein !
    Ich gebe zu bedenken, daß “Ben” und “Mia” nicht von der Unterschicht und “Leon/Lukas” nicht allein von der U. ausgesucht werden.

    … und man erinnere sich daran, daß in der DöDöEr Madlens, Janas, Frances´ und Steffens durchaus Mütter aus ordentlichen Verhältnissen hatten.

  9. Eine historische Situation ist mit der heutigen nicht exakt vergleichbar, obschon statistische Unterschiede zwischen etwa DDR-Sandras und -Marcels gegenüber den damals selteneren Nichtmodenamen usw. gewiß feststellbar wären. Ausnahmen bestätigen blabla…

    Vor 200 Jahren hießen die Männer ganzer Landstriche Johann, aber da war die Bibel noch gemeinschaftlicher Konsens. Damals wird es wirklich kaum Unterschiede gegeben haben, die man anhand von Vornamen hätte feststellen wollen. Bestenfalls am Zusatz “von”.

    Heute nutzen unterschiedliche Gruppen einer auseinanderfallenden Gesellschaft sehr unterschiedliche Unterhaltungsangebote, und etwa der Name Kevin kam wohl erst in Mode, als ein entsprechender Hollywood-Streifen in der Glotze flimmerte, der Menschen in prekären Lebenssituationen offenbar besonders beeinflußte.

    Und natürlich sollte man auch “Unterschicht” oder “Prekariat” definieren. Nicht jeder bullige BMW-Fahrer mit Goldkettchen gehört zwangsläufig zur kulturellen Oberschicht. Es gibt dafür auch in armen Verhältnissen Menschen, die auf eine geistig-musische Erziehung ihrer Kinder großen Wert legen und welche nicht der Unterhaltungsindustrie erliegen.

  10. “…und etwa der Name Kevin kam wohl erst in Mode, als ein entsprechender Hollywood-Streifen in der Glotze flimmerte…”

    Das war die 90iger Welle. Die 80iger (West-)Welle wurde durch den Fußballprofi Kevin Keegan ausgelöst. … und war tatsächlich zum größten Teil auf den Wösten beschränkt.

  11. Was haben denn bitte Namen mit Verhaltensauffälligkeit zu tun?“ Schließlich sei es „offensichtlich, dass ein Name – gegeben zur Geburt eines Kindes – in keinster Weise einen direkten Einfluss auf die Kinder hat.“

    Diesem zartbelichteten Delinquenten sei Rat gereicht. Er versuche es mit dem Lesen des Kinderbuches “Alfons Zitterbacke”. Selbiges wurde unter gleichem Omen von der DEFA verfilmt.
    Nun denn. Behauptet er dann immer noch selbiges, so vergesse man des Delinquenten Einwände und ignoriere diese Unperson.

    gez. Ihre Durchschlaucht

  12. Kind in Grundschule “Ich heiße Pirschelbär!”
    Lehrer “Wie?”
    “Pirschelbär!”
    Anruf bei Eltern ergibt, der Name des Kindes ist Pierre-Gilbert.

    oder:

    „Scheiiiißen! Komm rein, Mittagessen!“
    (Mutter ruft den kleinen Jason zu Tisch)

    Nun amtlich: Denglisch ist für Doofe

  13. Ich bedanke mich ausdrücklich – nach etwa 20 min. lesen in
    deutschmeisterei.de und 10 min. Lach-Tränen weg wischen -
    bei “kruemel:D

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